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Zerschlagung gefordert: Amazon gerät ins Fadenkreuz von Wirtschaft und Politik

22.10.2019 | 12:26 Uhr | René Resch

Politik und Wirtschaft warnen vor Amazon. Eine Entflechtung oder gar eine Zerschlagung sind im Gespräch.

Der deutsche Mittelstandsverbund ZGV hat beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigen soll, wie die Verlagerung des Einzelhandeln ins Online-Geschäft den Wettbewerb verzerrt.

In der Studie, die dem Handelsblatt vorliegt , heißt es: Es sei dringend nötig „die regulatorischen Rahmenbedingungen anzupassen“. Gegen Megakonzerne wie Amazon können sich kleinere Unternehmen nicht positionieren: „Kleine und Mittlere Unternehmen geraten in ein immer größeres Abhängigkeitsverhältnis zu den großen Plattformen, ohne von den auf diesen generierten Daten in gleichem Maße profitieren zu können“. Darum wird eine Gleichberechtigung auch für mittelständische Unternehmen gefordert.

Amazon ist auf seinem eigenen Marketplace gleichzeitig als Händler aktiv und steht damit im Wettbewerb mit anderen Händlern auf der Plattform. Der Konzern nutze aber möglichweise die gesammelten Kundendaten für eigene Interessen wettbewerbswidrig aus, um das eigene Geschäft voranzutreiben.

Zerschlagung Amazons ist eine Option

Das IW schlägt mehrere Optionen vor, die bis zu einer Zerschlagung Amazons reichen. Eine Option der Trennung des Amazon-Kerngeschäfts vom Marketplace sei dabei eine Möglichkeit, eine komplette Trennung durch die „Aufspaltung in zwei Unternehmen“ eine weitere. Die Experten des IW sehen diese Methode allerdings selbst als „größtmöglichen Eingriff“, der „mit Vorsicht zu verwenden“ sei. Dafür müsste ohnehin erst eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

Aber das IW sieht auch Alternativlösungen. So könne Amazon allen Händlern auf dem Amazon Marketplace den Zugang zu den vorhandenen Kundendaten gewähren. Der Konzern könnte dazu verpflichtet werden „die für einen fairen Wettbewerb zwischen den Händlern und Amazon Retail notwendigen Informationen bereits aufbereitet datenschutzkonform zur Verfügung zu stellen“.

SPD und Grüne sprechen sich für staatliche Maßnahmen aus

Der digitalpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann sieht das Instrument der Zerschlagung als „realistisches Szenario“ selbst „wenn es nicht der erste Schritt sein kann“ – ansonsten befürchte er auf lange Sicht negative Effekte für den Endverbraucher. Und auch der Grünen-Digitalpolitiker Dieter Janecek sieht den Staat gefordert, die Bereiche Retail und Marketplace voneinander zu trennen: „Es ist nicht absehbar, dass sich die Lage von sich aus wieder entspannt“.

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