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X-37B: Geheimes US-Raumfahrzeug stellt Langzeit-Rekord im All auf

27.08.2019 | 10:42 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Unter strenger Geheimhaltung fliegt die Boeing X-37B der US-Luftwaffe seit heute länger durch das All als jedes Raumfahrzeug.

Die unter strenger Geheimhaltung stehende Boeing X-37B hat einen neuen Rekord aufgestellt. Der Raumgleiter der US-Luftwaffe fliegt nun länger durch das All als jedes andere Flugzeug beziehungsweise Raumfahrzeug vor ihm.

Die X-37B wird von der US-Luftwaffe betrieben. Der Vorgängerrekord, den die X-37B jetzt brach, hatte sie selbst im Jahr 2017 aufgestellt. Damals flog der Raumgleiter (als Orbital Test Vehicle 4, OTV-4, bezeichnet) 718 Tage durchs All, in einem erdnahen Orbit. Mit dem heutigen Tag hat die X-37B diesen Rekord aber gebrochen und ist nun 719 Tage im All unterwegs (diese Mission heißt OTV-5). Länger als die X-37B fliegen somit nur Kommunikations-, Spionage- oder Wettersatelliten sowie Weltraumteleskope und die ISS durch das All. Und natürlich die diversen Forschungssonden, die in die Tiefen des Weltalls vordringen.

Der derzeit noch andauernde Flug der X-37B begann am 7. September 2017. Damals brachte eine Falcon-9-Rakete von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX den geheimnisumwitterten Raumgleiter ins All. Die Berichterstattung über den Flug der X-37B fällt aber traditionell dünn aus. Denn die US-Luftwaffe stellt die Flüge der X-37B unter strenge Geheimhaltung. Grundsätzlich sollen die Flüge der X-37B aber (auch) dazu dienen Techniken und Materialien für Raumflüge mit wiederverwendbaren Raumfahrzeugen zu testen: Thermische Belastung, Haltbarkeit der Materialien, Navigation im Weltall, Antriebssysteme und ähnliche Fragestellungen. Also für Fahrzeuge, die vielleicht die Tradition des Space Shuttle fortführen werden. Denkbar und sogar wahrscheinlich sind aber auch militärische Experimente und Spionagetätigkeiten.

Die X-37B ist unbemannt. Das Fahrzeug kann autonom den Landeanflug durchführen, in die Erdatmosphäre eindringen und wie ein Flugzeug auf einer Landebahn aufsetzen. Genauso wie einst das Space Shuttle.

Die NASA startete das X-37-Programm im Jahr 1999. Damals war das Space Shuttle noch im Einsatz, weshalb ursprünglich vorgesehen war, dass ein Space Shuttle die X-37 ins All bringen sollte. Nach dem Ende des Space-Shuttle-Einsatzes (wegen zweier Katastrophen, bei denen jeweils die gesamte Besatzung des Space Shuttle ums Leben kam) wurde die X-37 so umgebaut, dass sie nun von einer konventionellen Rakete ins All gebracht werden kann. Die X-37 landet dann aber wie ein Flugzeug oder eben wie das Space Shuttle auf einer Landebahn auf der Erde. 2004 wechselte zudem die Zuständigkeit für die X-37 von der NASA zur DARPA, der Forschungsabteilung der US-Armee. Seitdem ist die X-37 mit der Aura der Geheimhaltung umgeben. Die X-37B ist bisher vier Mal geflogen und verbrachte insgesamt bis jetzt 2085 Tage im Weltall, wie Techcrunch schreibt.

Die US-Luftwaffe hat mindestens zwei X-37B im Einsatz. Beide wurden von Boeing gefertigt. Die Stromversorgung während des Flugs übernehmen Solarzellen. Äußerlich ähneln die X-37B dem Space Shuttle, sind aber deutlich kleiner als dieses: 8,8 Meter lang, 2,9 Meter hoch und 4,6 Meter Flügelspannweite. Alle bisherigen Starts einer X-37B erfolgten von Florida aus, die ersten drei Missionen landeten auf der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien, die vierte Mission dagegen auf dem Kennedy Space Center in Florida.

Falcon 9 fliegt geheimen Raumgleiter der US-Luftwaffe ins All



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