2243736

Woolim: Nordkoreas Überwachungs-Tablet

28.12.2016 | 12:21 Uhr |

In Nordkorea kann man tatsächlich ein Tablet kaufen. Doch es überwacht die Benutzer und verweigert den Start nichtsignierter Dateien.

Nordkorea besitzt nicht nur ein eigenes Linux-Betriebssystem Red Star, das den staatlichen Überwachungsorganen die Kontrolle der Benutzer ermöglicht. Sondern Nordkorea hat auch ein eigenes Tablet namens Woolim entwickeln lassen. Auch hier hat die Überwachung der Benutzer oberste Priorität.

Das Nordkorea-Tablet haben die deutschen Sicherheitsexperten Florian Grunow und Niklaus Schiess untersucht. Die beiden hatten bereits das nordkoreanische Linux-Betriebssystem unter die Lupe genommen. Sie verraten nicht, wie sie an das Gerät gekommen sind. Denn der Export des Tablets ist verboten.

Woolim hat ein Allwinner A33 SoC, einen 10 Zoll großen Touchscreen und acht Gigabyte Speicher, der mit einer microSD-Karte erweitert werden kann. Die chinesische Firma Hoozo fertigt das Woolim.

WLAN- und Bluetooth-Chips sind aber nicht auf der Platine des nordkoreanischen Modells vorhanden. Stattdessen benötigt der nordkoreanische Benutzer Adapter für WLAN oder LAN, die an den USB-Port angeschlossen werden. Darüber wird dann eine Verbindung zum überwachten nordkoreanischen Intranet hergestellt.

Textverarbeitung, Präsentationsprogramm, Tabellenkalkulation, Spiele und einige andere Programme sind vorinstalliert. Das angepasste Betriebssystem verhindert aber das Starten von Dateien und Apps, die nicht signiert sind. Der Benutzer kann also nicht frei nach Belieben Software auf dem Tablet nutzen. Außerdem haben die Entwickler Google Play entfernt. Denn das OS ist eine eigens angepasste Android-Variante, genauer gesagt kommt Android 4.4.2 in einer modifizierten Form zum Einsatz.

Wenn man auf Woolim eine Datei erstellt, so wird diese ebenfalls signiert. Auch Fotos, die mit dem Tablet aufgenommen werden, bekommen eine Signatur. Diese Signaturen verhindern die Weitergabe der Dateien. Die Browser-History und andere Daten werden auf dem Tablet gespeichert, der Benutzer kann diese Aufzeichnungen sehen, aber nicht löschen.

In Nordkorea kann man vermutlich staatlich signierte Apps auf das Tablet herunterladen. Zudem soll dort die Verbindung mit dem bereits erwähnten Intranet sowie mit dem Fernsehen möglich sein.



0 Kommentare zu diesem Artikel
2243736