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Windows 11 braucht 11 Klicks, um Browser zu wechseln!

19.08.2021 | 15:15 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Nicht alles wird mit Windows 11 besser. Der Wechsel des Standard-Browsers ist äußerst kompliziert. Das sorgt für Kritik.

In den aktuellen Vorabversionen von Windows 11 ist es äußerst kompliziert den Standard-Browser zu wechseln. Nach der Installation eines neuen Browsers erscheint der übliche Hinweis, ob der Nutzer diesen Browser künftig als Standard-Browser verwenden will. Wird der Hinweis aber ignoriert, dann ist für den Nutzer anschließend der Wechsel des Standard-Browsers nicht mehr so einfach möglich wie bisher etwa in Windows 10.

In Windows 10 kann der Standard-Browser über die Einstellungen, Standard-Apps unter "Webbrowser" einfach gewechselt werden. Diese Möglichkeit fehlt in Windows 11, zumindest in den von Microsoft ausgelieferten Previews. Stattdessen müssen die Nutzer jedem einzelnen Datei- und Link-Typ dem gewünschten Browser zugewiesen werden.

11 Klicks, um den Standardbrowser zu wechseln

Das liegt daran, dass Microsoft in Windows 11 die Einstellungen unter "Apps, Standard-Apps" überarbeitet hat. Wir haben Firefox in der aktuellen Windows-11-Preview (Build 22000.132) installiert. Anschließend taucht in den Einstellungen unter "Apps, Standard-Apps" der entsprechende Eintrag "Firefox" auf.

Wollen Sie wirklich wechseln? Windows 11 fragt noch mal nach
Vergrößern Wollen Sie wirklich wechseln? Windows 11 fragt noch mal nach
© IDG

Klickt man hierauf, sieht man alle "Standarddateitypen und Linktypen" die aktuell Microsoft Edge zugewiesen sind. Jeder einzelne Eintrag muss angeklickt und dann Firefox ausgewählt werden. Klickt man auf einen solchen Eintrag, erscheint noch ein "Warn-Hinweis", der die Nutzer motivieren soll, doch bei Edge zu bleiben. Erst nach einem Klick auf "Trotzdem wechseln" darf der Nutzer Firefox auswählen und das ist kein Button, sondern ein Link, wie auch oben im Screenshot zu sehen ist...

Wir haben mal nachgezählt: 11 Einträge muss der Nutzer manuell von Edge auf Firefox umstellen. Konkret die Einträge für:

.html, .htm, .pdf, .shtml, .svg, .webp, .xht, .xhtml, HTTP, HTTPS, MAILTO

Klar ist es praktisch, wenn man solche detaillierten Einstellungen als Nutzer machen darf. Komfortabler wäre es aber, wenn der Nutzer mit einem Klick den Standard-Browser von Edge zu Firefox (wie in unserem Beispiel oben) ändern könnte und sich um Detaileinstellungen auch später, wenn nötig, kümmern dürfte.

Browser-Entwickler reagieren sauer auf Änderung

Die US-IT-Site The Verge hat bei den Browser-Entwicklern nachgefragt, was sie von der Änderung halten und deren Reaktionen fallen erwartungsgemäß nicht sonderlich positiv für Microsoft aus. Besorgt zeigt sich etwa Mozilla über die aktuelle Lage. Die Site zitiert eine Firefox-Sprecherin mit den Worten:

"Seit Windows 10 müssen die Nutzer zusätzliche und unnötige Schritte unternehmen, um ihre Standard-Browsereinstellungen festzulegen und beizubehalten. Diese Hürden sind bestenfalls verwirrend und scheinen darauf ausgelegt zu sein, die Entscheidung des Nutzers für einen Nicht-Microsoft-Browser zu untergraben."

Opera kritisiert die Änderung ebenfalls, äußert "bedauern" und fordert Microsoft dazu auf, den Nutzern die Wahlmöglichkeit zu lassen.Vivaldi kommentiert die Lage so: "Microsoft ist dafür bekannt, und es scheint, dass es immer schlimmer wird."

Auf Twitter äußert sich auch Googles Entwicklungsleiter für Android, Chrome, Chrome OS. Hiroshi Lockheimer erklärt in einem Tweet:

Und das von dem Unternehmen, das von sich behauptet, das offenste zu sein, mit 'der größten Auswahl'. Ich hoffe, dass dies nur bei der Entwickler-Preview ist und die ausgelieferte Version von Windows 11 diesen Ansprüchen gerecht wird. Das ist weit entfernt von "Auswahl".

Das sagt Microsoft zur Kritik

Unklar ist, ob sich das alles noch bis zur finalen Version von Windows 11 ändern wird. Zitiert wird von The Verge ein Microsoft-Sprecher, der darauf verweist, dass sich die Nutzer dem erhaltenen Feedback zufolge detailliertere Einstellungsmöglichkeiten für die Standard-Apps wünschen.

Andrerseits ist Microsoft aus unserer Sicht über das Ziel hinausgeschossen, wenn es für die Nutzer so kompliziert wird, den Standard-Browser zu wechseln, nur weil sie nach der Installation eines neuen Browsers den entsprechenden Hinweis übersehen haben. Das drängt sich der Eindruck auf, dass Microsoft die Nutzer zur Verwendung von Edge drängen will.

Immerhin räumt der Sprecher ein, dass man auch weiterhin auf das Feedback der Nutzer höre und sich "Windows 11 mit der Zeit" weiterentwickeln werde. Die von den Nutzern gewünschte Verbesserungen sollen auch umgesetzt werden.

Wir meinen: Edge hat sich über die letzten Monate nach dem Wechsel zur Chromium-Engine zu einem sehr guten Browser entwickelt. Wie wir auch in unserem Artikel " 5 Gründe, warum Microsoft Edge besser als Chrome ist " zeigen. Es gibt also keinen Grund, die Windows-Nutzer zu Edge zu drängen. Viel wichtiger wäre es, wenn die Nutzer weiterhin die einfache, freie Wahl haben und sich für den für sie besten Browser entscheiden dürfen.

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