2573067

Wie die HUK-COBURG IT-Professionals eine langfristige Perspektive bietet

Versicherungen gelten als konservativ und wenig agil. Ralph Tiedtke, Leiter der Gruppe Architektur, Cloud und Delivery Management bei der HUK-COBURG erklärt, warum dieses Vorurteil längst nicht mehr stimmt, und wie IT-Fachkräfte die Zukunft der Versicherungswirtschaft mitgestalten können.

Vor einiger Zeit haben wir mit Ihrer Kollegin, Atefeh Kazemi, über die Arbeit in der App-Entwicklung bei der HUK-COBURG gesprochen Welche Aufgaben nehmen Sie in der IT der HUK-COBURG wahr?

Tiedtke: Ich bin Leiter einer sehr jungen Gruppe in unserer IT, die sich Architektur, Cloud und Delivery Management nennt. Wir wurden 2017 gegründet und kümmern uns um Themen wie Digitalisierung und technische Anforderungen aus der Transformation zur agilen Welt.

Wie würden Sie Ihr Team beschreiben?

Tiedtke: Die Gruppe ist sehr heterogen und vereint die verschiedensten Berufsbilder. Sie besteht aktuell aus elf Personen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und spezifischem Fachwissen. Das reicht vom IT-Architekten über Cloud Engineers bis zum Service Delivery Management.

Wie haben Sie die Gruppe aufgebaut? Haben Sie neue IT-Fachkräfte eingestellt oder vorhandene aus bestehenden Bereichen übernommen?

Tiedtke: Sowohl als auch; es sind sehr erfahrene ältere Fachkräfte in meinem Team, mehr als die Hälfte besteht aber aus jungen IT-Professionals, die ich neu eingestellt, beziehungsweise intern weitergebildet habe.

Wie schwer ist es, in einer Stadt wie Coburg mit rund 40.000 Einwohnern IT-Fachkräfte zu gewinnen?

Tiedtke: Ehrlich gesagt: Es ist nicht einfach. Wir konkurrieren da natürlich mit Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Die größte Schwierigkeit liegt darin, die Zielgruppe auf uns aufmerksam zu machen. Wenn man erst einmal ins Gespräch kommt, ist unser Angebot meist sehr überzeugend.

Und wie wir von Ihrer Kollegin Atefeh Kazemi erfahren haben, ist Coburg ja auch eine ausgesprochen lebenswerte Stadt …

Tiedtke: Ja, das stimmt. Ich fühle mich in Coburg auch sehr wohl. Ich habe hier studiert, bin dann ziemlich viel herumgekommen und dann doch wieder in Coburg gelandet. Auch was Freizeitaktivitäten angeht, ist das Umland sehr attraktiv. Im Winter kann man nach Oberhof zum Skilaufen fahren, im Sommer bietet das Fränkische Seenland viele Möglichkeiten für Sport und Erholung am und im Wasser.

Was können Sie jungen IT-Talenten darüber hinaus bieten, was sie in Berlin oder Hamburg nicht finden?

Tiedtke: Zunächst einmal die Stabilität und Sicherheit eines Unternehmens, das seit fast 90 Jahren erfolgreich am Versicherungsmarkt agiert. Wie wichtig diese Aspekte sind, merkt man in Zeiten wie diesen mehr denn je.
Vor allem aber bieten wir langfristige Perspektiven und die Möglichkeit, sich intensiv in ein Thema einzuarbeiten. Wir haben Budgets für Weiterbildungen, und wir können Mitarbeiter, die das wollen und die motiviert sind, zu Spezialisten ausbilden. Das ist nicht selbstverständlich.

Sie sind auch Leiter des Cloud Competence Centers. Setzen Sie bei der HUK-COBURG Public-Cloud-Services ein? Falls ja, in welchen Bereichen?

Tiedtke: Wir nutzen Productivity- und Collaboration-Services wie Office 365 und Teams. Im Jahr 2016 haben wir darüber hinaus einen Versicherungstarif für junge Fahrer eingeführt, der auf Telematik-Daten basiert, welche wir in der Public Cloud verarbeiten. Diesen Tarif haben wir im Jahr 2019 auch auf andere Zielgruppen ausgeweitet. Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz und der Entwicklung von Chatbots setzen wir auf Services aus der Public Cloud.

Wie stellen Sie sicher, dass bei der Nutzung von Public-Cloud-Diensten alle regulatorischen Vorgaben eingehalten werden und keine sensiblen Daten in falsche Hände gelangen?

Tiedtke: Wir haben mit den Cloud-Providern ein sogenanntes BaFin-Addendum ausgehandelt. Es verpflichtet den Anbieter, die Einhalt der regulatorischen Vorgaben sicherzustellen, die uns von der Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht vorgegeben werden. Das ist die vertragliche Seite. Auf der technischen Seite sorgen wir dafür, dass Daten nur in der EU oder auch nur in Deutschland verarbeitet werden. Dafür haben wir ein eigenes Governance Framework geschaffen. Ein Entwickler kann beispielsweise bestimmte Services nur am Cloud-Standort Frankfurt buchen.

Wie stellen Sie sicher, dass sich die Entwickler an diese Governance-Vorgaben halten?

Tiedtke: Wir agieren als Cloud Broker und stellen den Zugang bereit. Der interne Entwickler kann über uns Services buchen. Jeder Service wird durch einen sogenannten Ausgliederungsprozess evaluiert. Wir beleuchten jeden Use Case individuell, schauen uns an, was genau gemacht werden soll, und welche Daten verarbeitet werden. Je nach Anwendungsfall und Klassifizierung der Daten können diese dann bei einem Cloud Anbieter verarbeitet werden, oder On-Prem verbleiben. Ziel ist es letztendlich, dass unsere Entwickler über ein Self-Service-Portal sich ihre Umgebung schnell und flexibel zusammenstellen können, ohne die Gefahr von rechtlichen oder Compliance-Verstößen.

Nutzen Sie auch andere Formen des Cloud Computing wie Private oder Hybrid Cloud?

Tiedtke: Ja, unser aktuell wichtigstes und spannendstes IT-Projekt „El Plazedo“ basiert auf einem Hybrid-Cloud-Ansatz. El Plazedo steht für „Elastische Plattform und Zero Downtime“. Unser Ziel ist es, schnell auf Laständerungen reagieren und eine hohe Verfügbarkeit garantieren zu können. Dafür konzeptionieren wir Lösungen , die sich horizontal von On-Prem in die Cloud skalieren lassen.

Warum ist eine elastische, hochverfügbare Plattform für die HUK-COBURG so wichtig?

Tiedtke: Wir haben das ganz klare Ziel, näher an den Endkunden zu rücken, sichtbarer zu werden und mehr Interaktionen zu generieren. Mit seiner Versicherung hat man typischerweise ja nur einmal im Jahr zu tun, wenn die Prämienzahlung fällig ist, oder ein Versicherungswechsel ansteht. Wir wollen deutlich häufiger mit unseren Kunden in Kontakt treten und haben dafür die Abteilung Digitale Services gegründet, welche die Transformation der HUK-COBURG vom reinen Versicherungsunternehmen hin zum digitalen Partner und Assistentenvorantreibt und mit innovativen und einfachen Lösungen aus einer Hand für ein großartiges digitales Kundenerlebnis sorgen soll. Dafür benötigen wir ein leistungsfähige, elastische und immer verfügbare IT- Plattformen.

Im vergangenen Jahr mussten Sie sehr schnell Homeoffice-Arbeitsplätze für 10.000 Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Wie haben Sie diese Herausforderung gemeistert?

Tiedtke: . Natürlich hatten wir auch vor Corona schon die Möglichkeit von „remote“ zu arbeiten. Eine entsprechende Infrastruktur war hier bereits vorhanden. Die Herausforderung bestand darin, die bis dato punktuell genutzte Lösung in kürzester Zeit für alle Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, und darüber hinaus neue Features, wie z.B. Videokonferenzen zu ermöglichen. Das hat gut geklappt. Nur bei den Kameras hat es etwas länger gedauert, bis wir alle Mitarbeiter im Homeoffice mit einer entsprechenden Videolösung ausstatten konnten. Das lag aber außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten, da der Markt für Webcams kurz nach Beginn der Pandemie einfach „leergefegt“ war.
 

„Wir haben Budgets für Weiterbildungen, und wir können Mitarbeiter, die das wollen und die motiviert sind, zu Spezialisten ausbilden.“ Ralph Tiedtke, Gruppenleiter Architektur, Cloud und Delivery Management bei der HUK-COBURG
Vergrößern „Wir haben Budgets für Weiterbildungen, und wir können Mitarbeiter, die das wollen und die motiviert sind, zu Spezialisten ausbilden.“ Ralph Tiedtke, Gruppenleiter Architektur, Cloud und Delivery Management bei der HUK-COBURG
© HUK-COBURG

Wie haben die Workflows in der Homeoffice-Situation funktioniert? In einer Versicherung sind doch viele Vorgänge sicher noch papierbasiert.

Tiedtke: Das war am Anfang tatsächlich ein Problem. Die Kollegen von der Poststelle haben aber innerhalb von wenigen Wochen einen digitalen Prozess etabliert, sodass Poststücke einwandfrei ins Homeoffice zugestellt werden konnten. Auch an vielen weiteren Stellen im Haus wurden viele Prozesse in kürzester Zeit digitalisiert.

Wie unterstützen Sie als IT-Abteilung die Kollegen bei der Digitalisierung von Workflows?

Tiedtke: Wir haben gerade mehrere Projekte, in denen es um die Digitalisierung von Formularen und Schadensakten geht. Außerdem testen wir in PoCs (Proof-of-Concept), wie sich mithilfe von künstlicher Intelligenz Workflows optimieren und beschleunigen lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich mit dem Homeoffice gemacht?

Tiedtke: Es funktioniert, aber auf Dauer fehlt doch das soziale Miteinander und der Austausch. Wir haben im Büro zum Beispiel für spontane Brainstormings eine große Wand, an die jeder seine Vorschläge schreiben kann. Da sind schon richtig gute Ideen entstanden. Diese Spontaneität geht verloren, wenn alle im Homeoffice sitzen. Das ist ein völlig anderes Arbeiten.

Haben Sie abschließend einen Tipp für junge Absolventinnen und Absolventen, die sich für eine Karriere in der IT interessieren? Auf welche Fächer, Technologien und Trends sollten sie setzen?

Tiedtke: Das Berufsbild Cloud Engineer ist sicher eines mit enormem Zukunftspotenzial. Da würde ich auf jeden Fall einsteigen.
Ansonsten wächst das Spektrum an spannenden Berufsbildern bei uns im Haus stetig. Mit einer Karriere im IT-Bereich kann man kaum etwas falsch machen.

2573067