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Weniger Verkehrstote als je zuvor - mit einer Ausnahme

25.02.2021 | 10:29 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Im Jahr 2020 starben so wenig Menschen wie nie zuvor im Straßenverkehr. Doch eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern schwimmt gegen den Trend und verzeichnet so viele Tote wie nie zuvor. Und dann gibt es noch die E-Scooter...

Das Statistische Bundesamt hat die Zahl der Verkehrstoten für das Jahr 2020 veröffentlicht . 2020 war ein Rekordjahr: Nie zuvor seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren gab es so wenig Verkehrstote.

Demnach starben im Jahr 2020 in Deutschland 2724 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. Das waren 322 Todesopfer oder 10,6 % weniger als im Jahr 2019 (3046 Todesopfer). Auch die Zahl der Verletzten ging 2020 gegenüber dem Vorjahr zurück, und zwar um 14,7 % auf rund 328.000 Personen.

Dieser erfreuliche Rückgang hat allerdings einen weniger erfreulichen Grund: Die Corona-Krise beziehungsweise der dadurch verursachte Lockdown sowie der Umzug vieler Arbeitnehmer ins Home Office. Die Deutschen waren einfach deutlich weniger auf den Straßen unterwegs, deshalb gab es auch weniger Unfälle, Verletzte und Tote.

Laut Statistischem Bundesamt hat die Polizei im Jahr 2020 rund 2,3 Millionen Unfälle aufgenommen. Das sind 15,8 % weniger als 2019. Bei 2,0 Millionen Unfällen blieb es bei Sachschäden - ein Rückgang um 16,3 %. Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, ging um 11,8 % auf rund 264 900 Unfälle zurück.

Den Rückgang bei den Verkehrstoten (detailliertere Ergebnisse liegen für den Zeitraum Januar bis November 2020 vor) gibt es bei Pkw-Insassen (-14,3 % / -176 Getötete), Kraftradfahrenden ( -8,6 % / -51 Getötete) und Fußgängerinnen und Fußgängern (-9,1 % / -33 Getötete) sowie Radfahrern ohne E-Motor (-12,9 % / - 40 Getötete).

Doch eine Verkehrsteilnehmergruppe widersteht dem Trend: 2020 starben mehr E-Bike/Pedelec-Fahrer als je zuvor im Straßenverkehr. Von Januar bis November 2020 starben 22 Pedelec-Fahrer mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019. Das ist eine Zunahme um 19,1 % auf 137 Personen.

In den Vorjahren 2019 und 2018 waren jeweils mehr Radfahrer als in den Vorjahren gestorben. Da aber mittlerweile elektrisch betriebene Fahrräder getrennt erfasst werden, kann man nun genau erkennen, dass die Zahl der Radfahrer ohne E-Motor rückläufig ist, während E-Bikes/Pedelecs bei den Todeszahlen zulegen. Vermutlich unterschätzen viele Menschen die Geschwindigkeiten, die mit E-Bikes erreicht werden. Auf die Statistik dürfte sich aber auch auswirken, dass generell immer mehr Räder mit E-Unterstützung verkauft werden. Also steigt zwangsläufig deren Anteil bei Unfällen.

E-Scooter fehlen in der obigen Statistik. Allerdings hatte das Statistische Bundesamt bereits im Januar 2021 festgestellt , dass E-Scooter-Unfälle einen messbaren Anteil an Verkehrsunfällen haben. Die Polizei registrierte demnach von Januar bis September 2020 in Deutschland insgesamt 1570 Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen/E-Scootern, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Dabei wurden insgesamt 7 Menschen getötet, 269 E-Scooter-Nutzende wurden schwer verletzt und 1096 leicht verletzt. Da dies das erste Mal ist, dass E-Scooter-Unfälle statistisch erfasst werden, kann man noch keine Aussagen zu einem Trend machen.

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