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Wem gehört Huawei eigentlich? - die Antwort

06.08.2019 | 15:22 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Huawei fragt seine Twitter-Nutzer aktuell, ob sie wissen, wem Huawei eigentlich gehört. Wissen Sie es? Die komplizierte Antwort...

Huawei ist mitten in den Handelskrieg zwischen den USA und China gelangt und hat die Folgen zu tragen, nachdem Google die Android-Lizenz entzog. In dieser Woche wird Huawei ein erstes Smartphone mit seiner Android-Alternative vorstellen, allerdings sollte man sich nicht so viel von dem Gerät erwarten, wie wir auch in diesem Bericht dazu erläutern.

Unklarheiten scheinen in der Öffentlichkeit darin zu bestehen, wem eigentlich Huawei gehört. Die Frage hat Huawei auch kürzlich auf Twitter unter dem Hashtag #WhoRunsHuawei seinen Followern gestellt.

Zur Auswahl stehen die Antwortmöglichkeiten:

  • Der Regierung

  • Finanzinstituten

  • Konsortien

  • Den Mitarbeitern

Ein aktueller Blick auf die Ergebnisse der Umfrage zeigt: 42 Prozent gehen davon aus, dass Huawei der chinesischen Regierung gehört. Auf Platz 2 landet mit 26 Prozent die Antwortmöglichkeit "den Mitarbeitern". Finanzinstitute (17%) und Konsortien (15%) folgen auf den weiteren Plätzen.

Huawei gehört... die richtige Antwort ist kompliziert

Dem Unternehmen werden enge Verbindungen zu der chinesischen Regierung nachgesagt. Unabhängig ob diese Vorwürfe oder Vermutungen tatsächlich stimmen. Zur Frage "Wem gehört Huawei?" passt die Antwort: Den Mitarbeitern. Wobei die ganz konkretere Antwort dann doch etwas komplizierter ist, weil Huawei nun mal ein chinesisches Unternehmen ist.

Huawei wurde im Jahr 1987 von Ren Zhengfei mit einem sehr geringen Kapital gegründet. Laut offiziellen Angaben des Unternehmens besitzt Zhengfei heute ungefähr ein Prozent aller Anteile. Die Mitarbeiterzahl gibt Huawei mit insgesamt 180.000 Mitarbeitern an. Alle restlichen Anteile gehören den Huawei-Mitarbeitern mit chinesischer Staatsangehörigkeit.

Wie viele Anteile ein Mitarbeiter besitzt, hängt davon ab, wie lange er bei Huawei beschäftigt ist und welche Position er bei Huawei hat. Die Anteile können von den Mitarbeitern nicht veräußert oder weitergegeben werden. Von der Anzahl der Anteile leitet sich auch ab, wie fleißig ein Mitarbeiter ist und welche Sonderzahlungen im dadurch zustehen. Außerdem erhalten die Mitarbeiter auch Dividenden für ihre Anteile.

Neue Mitarbeiter erhalten zunächst keine Anteile, sondern erst nach einer gewissen Zeit. Verlässt ein Mitarbeiter das Unternehmen, dann muss er auch seine Anteile an das Unternehmen zurückgeben und erhält dafür eine Entschädigung.

Obwohl die chinesischen Mitarbeiter die Anteile an Huawei besitzen, haben sie kein direktes Mitspracherecht. So viel bekannt ist, wird von den Mitarbeitern ein Gremium gewählt. Die Personen, die zur Wahl stehen, sind vorgegeben. Bei der Wahl wird eine 115-köpfige Vertreterkommission gewählt, die wiederum den Vorstand und den Aufsichtsrat wählt.

Aufgrund der vielen Besonderheiten und Einschränkungen, handelt es sich also bei den Huawei-Anteilen, die die Mitarbeiter besitzen, nicht um Aktien, so wie wir sie kennen. Damit haben sie auch keinen direkten Eigentum an einen Teil des Unternehmens.

Und wie sieht es für die ausländischen Huawei-Mitarbeiter aus? Gegenüber der österreichischen "Kronen Zeitung" erklärte kürzlich der Huawei-Österreich-Chef, dass aus einem Teil des Unternehmens ein "Topf für ausländische Mitarbeiter" gebildet werde, mit dem langjährige Mitarbeiter belohnt werden, die nicht eine chinesische Staatsangehörigkeit besitzen.

Im Ausland umstritten ist, wie hoch nun der Einfluss der chinesischen Regierung an den Entscheidungen von Huawei ist. Nach außen gibt sich Huawei immer als unabhängiges, privates Unternehmen, welches nicht mit einem typischen chinesischen Staatsbetrieb zu vergleichen sei. Andrerseits spielen aber auch Gewerkschaften in China eine einflussreiche und große Rolle, die direkt mit der chinesischen Regierung verbunden sind. Es gibt daher Vermutungen, dass die chinesische Regierung auf Huawei deutlich mehr Einfluss nehmen kann, als es Huawei nach außen hin zugibt.

Aufgrund dieser Unklarheit, wie weit die chinesische Regierung einen Einfluss auf Huawei-Entscheidungen nehmen kann, hat die Trump-Regierung Huawei auf die Liste der chinesischen Unternehmen gesetzt, für die Beschränkungen im Handel mit den USA gelten.

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