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Weltuntergangsuhr steht bei 100 Sekunden vor Zwölf

24.01.2020 | 11:17 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Forscher haben die Weltuntergangsuhr auf 100 Sekunden vor zwölf gestellt. Die Existenz der Menschheit sei gefährdeter denn je.

Führende Atomwissenschaftler der Welt haben am Donnerstag verkündet, dass sie sich dazu entschlossen haben, die Atomkriegsuhr (im englischen Doomsday Clock für "Uhr des Jüngsten Gerichts") auf 100 Sekunden vor zwölf Uhr zu stellen. Noch nie in der Geschichte der Atomkriegsuhr, die seit 1947 jährlich neu gestellt wird, war die Uhr so nah an der "12" - also am Weltuntergang.

Seit der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump und der Entwicklung der Welt in den vergangenen Jahren ist der Zeiger in den vergangenen Jahr wie folgt gewandert:

  • 2015: 3 Minuten vor Mitternacht

  • 2016: 3 Minuten vor Mitternacht

  • 2017: 2 1/2 Minuten vor Mitternacht

  • 2018: 2 Minuten vor Mitternacht

  • 2019: 2 Minuten vor Mitternacht

  • 2020: 100 Sekunden vor Mitternacht

Zuletzt stand die Weltuntergangsuhr im Jahr 1953, 2018 und 2019 auf 2 Minuten vor Mitternacht und damit am nächsten zum Zwölf-Uhr-Zeiger. Mit jetzt nur noch 100 Sekunden hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr sogar nochmal um 20 Sekunden verschlechtert.

Auch in diesem Jahr, wie in den vorangegangenen Jahren, nennen die Forscher drei Hauptgründe, warum die Gefahr für die Existenz der Menschheit gewachsen sei: Atomwaffen, Klimawandel und Cyber-Informationskriege. In allen drei Punkten habe sich die Lage über die vergangenen 12 Monate verschlechtert, wie die Wissenschaftler in ihrem ausführlichen Beitrag erläutern.

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Atomwaffen: Hier hätten die nationalen Führer im letzten Jahr viele wichtige Rüstungskontrollverträge und -verhandlungen beendet oder untergraben. Damit sei ein Umfeld für ein neues nukleares Wettrüsten entstanden, wodurch sich die Verbreitung der Atomwaffen erhöhen könnte. Dies schaffe eine wachsende Gefahr für einen Konflikt, in dem solche Waffen zum Einsatz kommen könnten. Hinzu käme, dass weiterhin die politische Konflikte über die Atomprogramme von Nordkorea und Iran nicht gelöst worden seien und sich die Situation sogar noch verschärft habe. Und schließlich heißt es: "Die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland bei der Rüstungskontrolle und Abrüstung ist so gut wie nicht existent".

Klimawandel: Die Forscher erklären, dass auch im Jahr 2019 das öffentliche Bewusstsein für die Klimakrise gewachsen sei. Dies sei besonders den weltweiten Massenprotesten vor allem junger Menschen zu verdanken. Kritisiert wird allerdings, dass die Regierungen weiterhin nicht ausreichende Maßnahmen beschlossen haben. In dem Bericht heißt es: "Bei den UN-Klimakonferenzen im vergangenen Jahr hielten die nationalen Delegierten zwar schöne Reden, legten aber nur wenige konkrete Pläne zur weiteren Begrenzung der Kohlendioxidemissionen vor, die das Erdklima stören." Diese begrenzte politische Reaktion sei in einem Jahr erfolgt, in dem sich die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels durch eines der wärmsten Jahre in der Geschichte, ausgedehnte Waldbrände und das schneller als erwartete Abschmelzen des Gletschereises manifestiert hätten.

Cyber-Informationskriege: Die Forscher werfen vielen Regierungen der Welt vor, cybergestützte Desinformationskampagnen betrieben zu haben. Diese hätten das Ziel, ein Misstrauen zwischen den Nationen und gegenüber Institutionen zu schüren. Solche Kampagnen, so die Forscher weiter, behindern nationale und internationale Bemühungen für einen Frieden und dem Schutz des Planeten.

Vorschläge der Forscher

Konkret fordern die renommierten Wissenschaftler unter anderem die USA und Russland dazu auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und den INF-Waffenvertrag wiederherzustellen oder ein ähnliches Abkommen zu schließen. Das Ziel müsse es sein, die Anzahl der Atomwaffen und deren Verbreitung zu reduzieren. Außerdem müssten dringend Verhandlungen zur Begrenzung moderner Kriegswaffen geführt werden. Dringend angemahnt wird eine Lösung des Iran-Problems: Die USA und die anderen Staaten sollten unbedingt mit dem Iran an einer Lösung über das Atomabkommen zusammenarbeiten.

Zum Thema Klimawandel schlagen die Forscher vor, dass sich die Regierungen endlich dem Temperaturziel des Pariser Klimaabkommens nachkommen und sich dazu verpflichten, die Erwärmung des Planeten auf - wie es dort heißt - "weit unter" 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. "Dieses Ziel steht im Einklang mit den konsensfähigen Ansichten zur Klimawissenschaft, und trotz der bisher unzureichenden Klimamaßnahmen könnte es durchaus in Reichweite bleiben, wenn größere Veränderungen im weltweiten Energiesystem und in der Landnutzung rechtzeitig vorgenommen werden", erklären die Forscher. Zur Erreichung des Ziels müssten alle Industrienationen so schnell wie möglich ihre Emissionen eindämmen und dies sogar über ihre bisherigen Zusagen, die unzureichend seien. 

Schließlich fordern die Forscher auch noch einen stärkeren Schutz der Wissenschaft. "Die internationale Gemeinschaft sollte multilaterale Diskussionen einleiten, die darauf abzielen, sowohl im Inland als auch international Verhaltensnormen festzulegen, die den Missbrauch der Wissenschaft entmutigen und bestrafen", heißt es in dem Bericht. 

Darüber hinaus sei eine gezielte Aufmerksamkeit erforderlich, um zu verhindern, dass die Informationstechnologie das öffentliche Vertrauen in politische Institutionen, in die Medien und in die Existenz der objektiven Realität untergrabe. Cybergestützte Informationskriegsführung sei eine Bedrohung für das Gemeinwohl. Ernste Bedrohung für Demokratien seien sowohl  Täuschungskampagnen als auch Führungspersönlichkeiten, die "darauf abzielen, die Grenze zwischen Fakten und politisch motivierter Fantasie zu verwischen".

Was ist die Weltuntergangsuhr?

Die Atomkriegsuhr ist eine symbolische Uhr des Bulletin of the Atomic Scientist. Sie existiert seit 1947 und startete damals mit den Zeigern auf "sieben Minuten vor Zwölf". Die Uhr soll verdeutlichen, wie hoch das aktuelle Risiko einer globalen Katastrophe ist. Dem Gremium, welches darüber entscheidet, wie die Uhr steht, gehören namhafte Wissenschaftler aus aller Welt an, darunter auch viele Nobelpreisträger.

Nach der Krise im Jahr 1953 wanderte der Zeiger der Uhr in der Zeit des kalten Krieges auf "drei vor zwölf". Nach dem Ende des Westrüstens und des Umbruchs in Osteuropa verbesserte sich die Prognose und der Zeiger wanderte auf bis zu "17 vor zwölf". Mit den Krisen der letzten Jahre hat sich aber wieder die Prognose der Wissenschaftler verschlechtert. In  2015 stand die Doomsday Clock auf "drei vor zwölf". Im Jahr 2017 dann auf „2 ½ Minuten vor zwölf“, seit 2018 nun sogar auf „2 Minuten vor zwölf“ und in 2020 sogar nur noch bei "100 Sekunden vor Mitternacht".

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