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Wegen Corona-Infektionen: Streik bei Amazon

29.06.2020 | 16:28 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Verdi bestreikt sechs Amazon-Standorte. Ziel sei der Tarifvertrag "Gute und gesunde Arbeit“. Außerdem fordert Verdi Aufklärung bei Covid-19-Infektionen unter den Amazon-Mitarbeitern. Update: Das sagt Amazon.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten an sechs Standorten des Versandhandelskonzerns Amazon
für Montag und Dienstag zum Streik aufgerufen. Die Streiks in Leipzig, Bad Hersfeld (mit zwei Standorten), Rheinberg, Werne und Koblenz (Kobern-Gondorf) beginnen mit der Nachtschicht zum Montag und sollen mindestens 48 Stunden andauern, wie Verdi erklärt. Zudem seien an anderen Standorten des Unternehmens, an denen Streiks derzeit u.a. wegen der geltenden Auflagen zur Covid-19-Prävention nicht möglich sind, begleitende Aktionen geplant.

Verdi wirft Amazon vor „die Gesundheit der Beschäftigten zu Gunsten des Konzernprofits“ zu gefährden. Verdi bezieht sich damit auf Coronavirus-Ausbrüche an Amazon-Standorten wie Bad Hersfeld. Dort hätten sich „mindestens 30 bis 40 Kolleginnen und Kollegen infiziert", wie ein Verdi -Sprecher sagt. Amazon verweigere eine Aufklärung der Vorwürfe und gefährde damit „Sicherheit und Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen, ihrer Familien und die der Anwohnerinnen und Anwohner“. Verdi betont, dass man auch beim Streik auf die Vermeidung von Ansteckungen achte.

Stellungnahme von Amazon: „Was die Gewerkschaft als Ziel beschreibt, ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Amazon längst Realität: Löhne am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt wird, Entwicklungschancen für viele Menschen und vor allem ein sicheres Arbeitsumfeld. Tatsache ist: Amazon wird bis Ende Juni rund 4 Milliarden US$ in Covid-19 Maßnahmen investiert haben, damit Mitarbeiter und Kunden geschützt sind. Allein in Deutschland haben wir seit Februar 470 Millionen Einheiten Desinfektionsmittel für die Hände, 21 Millionen Paar Handschuhe, 19 Millionen Masken, Gesichtsschilder oder anderen Mund-Nase-Schutz und 39 Millionen Packungen desinfizierende Wischtücher bestellt.“ Zitat Ende
 
Der Streikaufruf hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal. Lediglich ein kleiner Teil der Belegschaft beteiligt sich am Streikaufruf.

Wesentliches Ziel der bereits seit einigen Jahren andauernden Streikaktionen von Verdi ist jedoch die Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels. Verdi fordert, dass für die Amazon-Mitarbeiter die Tarifbedingungen des Einzel- und Versandhandels gelten sollen – das hätte höhere Löhne zur Folge. Amazon lehnt dies jedoch ab und legt die schlechteren Vorgaben des Tarifvertrags für die Logistikbranche zu Grunde. Bisher konnte sich Verdi im Arbeitskampf mit Amazon aber nicht durchsetzen.

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