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Warntag gescheitert: Chef des Katastrophenschutzes muss gehen

17.09.2020 | 09:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der erste bundesweite Warntag war ein Fehlschlag. Jetzt muss der zuständige oberste Behördenleiter gehen.

Update 17.9.: Das Scheitern des ersten bundesweiten Warntags soll personelle Konsequenzen haben. Das berichtet unter anderem die Tagesschau. Demnach muss Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, seinen Posten räumen. Unter hat dieses Amt seit September 2004 inne.

Update 11.9.: Das Bundesinnenministerium hat unumwunden zugegeben , dass der Warntag 2020 fehlgeschlagen ist: „Die Auslösung des Probelalarms am heutigen 'Warntag 2020' ist aufgrund eines technischen Problems fehlgeschlagen. Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt.“

Die Erklärung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) haben sich Mitverantwortliche des Warntags nicht an die Absprachen gehalten. Das habe zu einer Systemüberlastung geführt, weswegen die App-Warnungen zu spät kamen, sofern sie überhaupt eintrafen.

Einige Städte haben überhaupt keine Sirenen mehr

Viele Städte wie München, Berlin oder Offenbach hatten sich zudem offensichtlich nicht darauf vorbereitet, dass sie über keine Sirenen mehr verfügen. Das BBK setzt deshalb auf einen Mix unterschiedlicher Warnsysteme. Beim nächsten Warntag im September 2021 wird man dann sehen, ob die Verantwortlichen nachbessern konnten. Update Ende

Das Ergebnis des ersten bundesweiten Warntags kann man bestenfalls als „durchwachsen bezeichnen“. Denn es gab erhebliche Probleme beziehungsweise Pannen.

PC-WELT-Redaktion hörte...nichts

So bekamen wir in der Redaktion der PC-WELT in der Parkstadt Schwabing in München vom Warntag nichts mit. Sirenen gibt es in München keine mehr – also konnten hier auch keine heulen. Doch die App Nina, die dafür in die Bresche springen sollte, versagte. Wir erhielten in der Nina-App überhaupt keine Warnung! Erst die Entwarnung 15 Minuten später traf bei uns ein. Es hätte also Sinn gemacht, wenn in der Parkstadt Schwabing Lautsprecher zum Einsatz gekommen wären. Doch das war nicht der Fall. Obwohl in der Parkstadt Schwabing sonst häufig Streifenwagen unterwegs sind um Strafzettel wegen Falschparkens zu verteilen...

Nina warnte überhaupt nicht oder zu spät

Andere Medien berichten, dass die Nina-App zwar manchmal warnte, dann allerdings mit 30 Minuten Verspätung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) erklärt das Versagen der Nina-App mit dieser ziemlich holprigen Formulierung: „Die bundesweite MoWaS-Meldung konnte nur verspätet zugestellt werden. Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen. Das im Vorfeld mit den beteiligten Partnern besprochene Auslösekonzept sah eine reine Auslösung durch den Bund mit MoWaS vor.“ Übrigens: Beim Münchner Amoklauf 2016 versagte die Katwarn-App ebenfalls.

In anderen Großstädten wie zum Beispiel in Köln oder Regensburg oder am Starnberger See heulten dagegen durchaus die Sirenen. Im Fernsehen lief wiederum ein Hinweis in Form einer Bauchbinde über den Bildschirm. Das beweist: Sirenen (sofern sie funktionieren) und klassische Medien wie Rundfunk oder Fernsehen lassen sich keineswegs durch Apps ersetzen.

Allerdings scheinen manche Sirenen, sofern vorhanden, nicht überall funktioniert zu haben, wie der MDR berichtet. In den sozialen Netzwerken häufte sich prompt die Kritik am Ablauf des Warntags .

Wir haben mittlerweile von zahlreichen Personen Feedback zum Ablauf des Warntags erhalten. Dabei kristalisiert sich heraus: Falls überhaupt, dann waren es die Sirenen, die gewarnt haben - allerdings fehlt dieses klassische Warninstrument mittlerweile in vielen Städten, die sich für so modern halten, dass sie glauben auf Sirenen verzichten zu können; Berlin, München und Offenbach am Main sind Beispiele für Städte ohne Sirenen. Über die App Nina hat keine von uns befragte Person eine Warnung erhalten. Die meisten erhielten um 11 Uhr überhaupt keine Warnung!

Trotz der Pleiten, Pech und Pannen hat der erste bundesweite Warntag seinen Zweck aber durchaus erfüllt. Denn aus den Fehlern sollen die Beteiligten ja lernen. Deshalb schreibt das BBK: „Das gesehene technische Phänomen liefert wichtige Erkenntnisse für den Ausbau von MoWaS und die notwendige weitere Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen in Bund und Ländern und wird in der weiteren Entwicklung von MoWaS berücksichtigt. Die Ergebnisse des Warntags werden jetzt aus den Kommunen und Ländern zusammengetragen.“ Die Feuerwehr Potsdam hat bereits ein Fazit gezogen: "Das Sirenennetz muss weiter ausgebaut und verdichtet werden." 

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