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WWDC 2022: Macbook M2, macOS 13 Ventura und viel mehr

06.06.2022 | 23:00 Uhr | Peter Müller

Viel Erwartetes, aber auch etliche Überraschungen im Detail zeigte Apple zu Beginn der WWDC. Neben jeder Menge an Software gibt es auch neue Hardware.

Zum dritten Mal in Folge führte Apple die Keynote zur Eröffnung der WWDC komplett als eine vorproduzierte Show durch, wir hoffen, dass nächstes Jahr wieder Publikum im Steve Jobs Theater sein kann – obwohl gerade die Übergänge der einzelnen Teile mal wieder recht humorvoll waren. Immerhin durften ausgewählte Entwickler vor Ort die Show live verfolgen, ins Bild gerückt hatte Apple sie nicht. Auf einen Vorfilm verzichtete die Show auch komplett, in den vergangenen Jahren diente er meist zur Begrüßung des Saalpublikums. So konnte Tim Cook sofort in medias res gehen und nach wenigen einführenden Worten zu Apples Entwicklerakademien, eine davon in Saudi-Arabien, die sich speziell an Frauen richtet, zu Craig Federighi übergehen, der einen virtuellen Lift im Steve Jobs Theater von der Eingangsebenen nach unten auf die Bühne nahm, auf der Apple-Manager und auch ein Gast die Neuerungen in Systemen und Hardware präsentierten. Wie man aufgrund des am Nachmittag bereits geschlossenen Apple Store schon vermuten konnte, stand auch Hardware auf dem Plan, jedoch nicht der erwartete High-End-Mac-Pro, sondern Neuerungen für die Einsteiger-Notebooks Macbook Air und Macbook Pro, die nun beide mit der zweiten Generation des Apple Silicon ausgestattet sind, dem M2.

Den Ticker zur WWDC 2022 können Sie hier nachlesen

iOS 16: Neuer Lockscreen und viele kleine Optimierungen

Zunächst dreht sich die Show aber über Apples meist genutztes Betriebssystem, das für das iPhone. iOS 16 bekommt einige sinnvolle Neuerungen, die - sofern sie systemimmanent sind - sich auch auf iPadOS 16 niederschlagen. Zuallererst ein neuer Lockscreen, der konfigurierbar ist und auf dem man Widgets platzieren kann: Das hatten sich viele Anwender gewünscht, fraglich bleibt, wie viele das neue Feature auch nutzen. Aber Entwicklern gibt Apple Werkzeuge an die Hand, mit denen sich Widgets erstellen lassen, die auf dem Lockscreen auch Sinn ergeben. Mit der Live-Activity API können diese etwa Spielstände vom Profisport, den Lieferstatuts der Pizza oder den Fortschritt des Trainings einblenden. Mit einem Blick erhält man so wichtige Informationen, ohne das Telefon zu entsperren. Lockscreen-Hintergründe lassen sich an bestimmte Fokus-Modi koppeln, etwa bei der Arbeit ein nüchternes Bild, bei der Freizeit ein anderes. Der Fokus bekommt Fokus-Filter, sodass Anwendungen nur zum Fokus passende Inhalte zeigen. Bei der Arbeit eben andere als in der Freizeit. Mehr Details zum neuen Lockscreen erklären wir hier.

Neue Funktionen bekommt die App Messages, die im Apple-Deutsch "Nachrichten" heißt (Die App "News" wollen wir mangels Verfügbarkeit in Deutschland hier und im Folgenden komplett ignorieren). Die Änderungen haben es hier in sich: Nachrichten lassen sich nachträglich ändern und modifizieren oder auf Nachverfolgung stellen. "Shared with You" bekommt eine eigene API, damit man geteilte Inhalte sammeln und auch später noch betrachten kann, Shareplay kommt nun auch in die App Nachrichten, über die man sich zum gemeinsamen Filmabend verabreden kann.

Kleine Neuerungen bekommt die Diktatfunktion: Wenn man diktiert, bleibt die Tastatur eingeblendet, man kann jederzeit in den Text eingreifen, Diktat und Tippen sind gewissermaßen vereint. "App Intents" will die Kurzbefehle vereinfachen, Live Text kommt nun auch in Video oder große Textmengen direkt in der Kamera übersetzt - nützlich etwa bei Speisenkarten. Aus Bildern kann man ganz einfach einzelne Objekte freistellen und in andere Apps kopieren. In Craig Federighis Präsentation sah das wirklich sehr gut aus, wir werden bald überprüfen, wie gut das wirklich funktioniert. Der Portrait-Modus des iPhone gefiel in der Vorführung auch besser als im echten Leben.

Neu in Wallet: Der Staat Maryland lässt jetzt auch den Führerschein und den Ausweis hinterlegen, die Unterstützung für Schlüssel wird wesentlich erweitert. Funktionen, die man auch hier gut gebrauchen könnte, aber das Landratsamt Fürstenfeldbruck will davon ebenso wenig wissen, wie das Hotel Jägerhof in Obermenzing. Immerhin gilt man hierzulande nicht mehr als Exot, bezahlt man mit seiner Wallet, aber die Technik ist im digitalen Neuland noch ausbaufähig. Was aber angeblich überall funktionieren soll: Apple Pay Later ist eine Methode, eine Rechnung auf vier gleiche Beträge aufteilen, die man nach und nach bezahlt. Die Zustellung von per Apple Pay bezahlte Güter kann man in der Wallet verfolgen, sofern Händler und Zusteller das unterstützen. Wir werden bei DHL bei Gelegenheit nachfragen.

Die neuen Karten kommen in elf weitere Länder, etwa nach Frankreich und die Schweiz. 3D-Ansichten in weiteren Städten, in USA, Kanada und Australien, etwa Las Vegas, Toronto und Sydney. Die Daten aus Look Around stellt Apple über eine PI für Apps von Dritten zur Verfügung. Erst kürzlich waren die neuen Karten nach Deutschland gekommen , nach München, Köln, Hamburg und Berlin, München war auch die erste Stadt mit Lookaround – sogar noch im Vorort gibt es Bilder von Straßenszenen.

Neuerungen gibt es auch beim Sharing von Bildern, sind Geräte von der Familienfreigabe Angehöringen in der Nähe, bekommen sie automatisch die Bilder in eine neue Datenbank, in der geteilte Bilder enthalten sind.

Die Passage über Neuerungen in Homekit dreht sich zunächst um den neuen Standard Matter, der Plattform übergreifend Geräte vernetzen kann, ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit machen zu müssen. Matter hatten wir für Mitte dieses Jahres erwartet , es wird aber noch mindestens bis Ende 2022 dauern, bis erste Produkte kommen. Gut Ding will Weile haben. Vor allem bekommt aber die Home-App endlich vernünftige Updates, was das Design und die Struktur betrifft. Wichtig sind Widgets für den Lockscreen, die den Status des Heims auf einen Blick zeigen.

Überarbeitet hat Apple auch Carplay, das noch tiefer in die Elektronik des Fahrzeugs eingreifen soll - im Prinzip kann es sämtliche Onboard-System ersetzen, wenn der Hersteller das zulässt. Das werden nur wenige neue Modelle vereinzelter Hersteller sein, die eher der Oberklasse angehören. Bei einem kurzen Blick auf die Folie mit den unterstützenden Herstellern sahen wir auch Jaguar. Ob wir denn nicht mal was in British Racing Green fahren wollen? Mehr Details zu iOS 16 lesen Sie hier.

watchOS 9: Runner's High

Das neue Betriebssystem der Apple Watch bekommt einige neue Zifferblätter, ein neues Design für Benachrichtigungen und die Möglichkeit, Audio- und Videocalls in Apps wie Zoom zu starten. Interessanter sind womöglich überarbeitete Fitness-Funktionen mit neuen Parametern für das Laufen, wie die Schrittlänge und den Zeit des Bodenkontakts. Die Uhr zeigt deutlich mehr Daten zum aktuellen Lauf wie die aktuellen Höhenunterschiede oder die Trainingsintensität an. Alarme informieren bei Bedarf über Änderungen. Triathleten müssen nicht mehr selbst von Schwimmen auf Radfahren auf Laufen umstellen, die Uhr macht das von alleine. Die Fitness-App kommt in iOS 16 jetzt auch Telefone, zu denen keine Apple-Watch konfiguriert ist. Vorhofflimmern protokolliert die Uhr nun auch akribisch, anstatt nur zu warnen. Die Daten lassen sich als PDF exportieren und dem Arzt vorlegen. Die Einnahme von Medikamenten protokolliert eine neue App, die auch rechtzeitig darauf hinweist, dass es Zeit für eine neue Tablette ist. Dabei warnt die Uhr auch vor Unverträglichkeiten verschiedener Medikamente untereinander. Wir gehen aber fast davon aus, dass Apple noch einige Neuerungen verschwiegen hat, die erst mit der Apple Watch Series 8 im September relevant werden. Mehr Details zu watchOS 9 lesen Sie hier.

Neues für den Mac: M2

Zwei Jahre nach der Ankündigung des Umstiegs auf Apple Silicon kommt auf der WWDC jetzt die zweite Generation: M2. Apple legt weiter auf Effizienz Wert, die M2 sind im 5-nm-Prozess der zweiten Generation gebaut, was in etwa dem A15 entspricht. Mit vier Effizienz- und vier Hochleistungskernen schon im Einstieg, Grafikkerne gibt es acht respektive zehn. Apple verspricht damit eine um etwa 50 Prozent höhere Performance per Watt im Vergleich zum M1. Fortschritte sieht Apple auch bei der GPU-Leistung der Secure Enclave und der Media Engine. Der erste Mac mit M2 wird ein Macbook Air sein, auf das man ja schon fast ein Jahr lang spekuliert.

Vier Farben, ein neues Design, das auf die bisherige Keilform verzichtet, Magsafe ist auch wieder dabei, sodass die zwei Anschlüsse an der Seite wirkliche Anschlüsse sind. Endlich bekommt das Macbook Air auch eine vernünftige Kamera für Videokonferenzen (1080 p) und ein zeitgemäßes Soundsystem. Gegenüber dem Macbook Air M1 soll das M2 um die 20 Prozent schneller in Apps arbeiten, auf einen Lüfter kann das Air weiter verzichten, der Akku soll 18 Stunden lang aushalten. Mitgeliefert ist ein Poweradapter mit Fast Charge - und einer zweiten USB-C-Buchse, etwa für das iPhone oder das iPad.

Es bleibt aber nicht beim Macbook Air, auch das Macbook Pro mit 13 Zoll bekommt das Update auf den M2 - die Touchbar bleibt überraschenderweise erhalten. Das Macbook Air M1 bleibt im Angebot und wird gewissermaßen das neue Einstiegsgerät. Denn die Preise der M2 sind nicht ohne – siehe Tabelle. Lesen Sie hier mehr über den Prozessor M2 und hier über die neuen Macbooks mit diesem Prozessor . Erhältlich sind die neuen Macbooks im "nächsten Monat".

Macbook Air 2022

Modell

Macbook Air M2

Macbook Air M2

Preis

1499,00 €

1849,00 €

Technische Angaben

Display

13,6 Zoll Liquid Retina Display

13,6 Zoll Liquid Retina Display

Auflösung

2560 x 1664 Pixel

2560 x 1664 Pixel

Farbraum

Großer Farbraum (P3)

Großer Farbraum (P3)

Helligkeit

500 Nits

500 Nits

True Tone

Ja

Ja

Prozessor

Apple M2 Chip

Apple M2 Chip

CPU

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

Grafik

8-Core GPU

10-Core GPU

Neural Engine

16-Core

16-Core

Medai Engine

Hardware beschleunigtes H.264, HEVC, ProRes und ProRes RAW

Hardware beschleunigtes H.264, HEVC, ProRes und ProRes RAW

Gemeinsamer Arbeitsspeicher

8 GB; 16 GB oder 24 GB optional; 100 GB/s Speicher­bandbreite

8 GB; 16 GB oder 24 GB optional; 100 GB/s Speicher­bandbreite

Interner Speicher

256 GB SSD

512 GB SSD

Speicher optional

512 GB, 1 TB, 2 TB

1 TB, 2 TB

Drahtlos

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

Externe Anschlüsse

2x Thunderbolt/USB 4, MagSafe 3, Kopfhöreranschluss

2x Thunderbolt/USB 4, MagSafe 3, Kopfhöreranschluss

Lautsprecher, Mikrofon

4‑Laut­sprecher-System, 3D Audio mit Dolby Atmos, drei Mikrofone

4‑Laut­sprecher-System, 3D Audio mit Dolby Atmos, drei Mikrofone

Kamera

1080p FaceTime HD Kamera

1080p FaceTime HD Kamera

Trackpad

Force Touch Trackpad

Force Touch Trackpad

Sonstiges

Touch ID Sensor

Touch ID Sensor

Integrierter Lithium-Polymer-Akku

52,6 Wh, bis zu 15 Stunden drahtloses Surfen, 18 Stunden TV App Video-Wiedergabe

52,6 Wh, bis zu 15 Stunden drahtloses Surfen, 18 Stunden TV App Video-Wiedergabe

Größe (H/B/T) in cm

1,13/30,41/21,5

1,13/30,41/21,5

Gewicht

1,24 kg

1,24 kg

Farben

Silber, Polarstern, Space Grau, Mitternacht

Silber, Polarstern, Space Grau, Mitternacht

Lieferumfang

Macbook Air, 30W USB-C Netzteil, USB‑C auf MagSafe 3 Kabel, optional 67W USB‑C Power Adapter für schnelles Aufladen

Macbook Air, 35W Dual USB‑C Netzteil, USB‑C auf MagSafe 3 Kabel, optional 67W USB‑C Power Adapter für schnelles Aufladen

macOS 13 Ventura

Das neue Betriebssystem für den Mac heißt nach einem Küstenort im Süden Kaliforniens Ventura. Die wesentliche Neuerung ist der Stage Manager, der mehr Ordnung in offene Fenster bringen soll – und in seiner Variante für iPadOS dessen Multitasking auf ein neues Level hebt. Offene Fenster mehrerer Programme lassen sich zu einer Gruppe zusammenfassen, etwa Pages und Notizen.

Spotlight-Ergebnisse werden deutlich reicher. Überarbeitet hat nach einigen Jahren auch wieder sein Mail-Programm. Neu sind etwa gezeiteter Versand, Mails lassen sich auch zurückholen und Nachverfolgungen automatisieren. Die Suche verzeiht nun auch Tippfehler. Safari führt die Passkeys ein : Anstatt mit einem Passwort identifiziert man sich mit Touch-ID oder Face-ID.

Für Gamer wird Metal 3 interessant, das Spieleentwicklern direkteren Zugriff auf die Hardware des M1 gibt. Wie sich das auf das Erlebnis auswirkt, zeigt Masuri Ijuin vom Spielehersteller Capcom anhand der neuen Folge von Resident Evil. Mehr zum Thema Gaming mit Metal 3 lesen Sie hier.

Continuity erweitert sich um die Kamerafunktion des iPhone. iPhones lassen sich endlich nahtlos als Webcam verwenden, dazu musste man vorher umständlich Apps bemühen. So bekommt sogar das neue Macbook Air M2 Center Stage. Dank iPhone kommt man zu wesentlich besseren Bildern und mit Deskview sieht man die Bilder der Kameras von beiden Seiten. Belkin wird dafür im Laufe des Jahres Halterungen anbieten.

iPadOS 16

Was wir bereits bei iOS und macOS gesehen haben, kommt auch auf das iPad: Neuer Sperrbildschirm, Neuerungen in Nachrichten, Safari und Mail - und endlich die Wetter-App samt API, mit der Entwickler das Apple-Wetter in ihre Apps einbauen können. Wenn sie denn wollen, es gibt bessere Wetter-Apps und -Dienste als die von Apple angebotene Lösung. Collaboration will Zusammenarbeit auf ein neues Niveau heben: Live gemeinsam an Dokumenten arbeiten und sich dabei von Angesicht zu Angesicht unterhalten. Und es wird "später in diesem Jahr" mit einem Freeform-Board noch besser.  Das ist ungefähr das, was heute schon Miro anbietet. Die werden sich über die Neuerung besonders freuen. Metal 3 kommt natürlich auch auf das iPad, Downloads sollen im Hintergrund ablaufen.

Besonders interessant sind aber die vom Mac übernommenen Funktionen. Menüleisten lassen sich nun anpassen, der Referenzmouds für Farben ist auch neu. In Split View lässt iPadOS 16 die Pixeldichte in gewissen Bereichen erhöhen, sodass mehr auf dem Bildschirm zu sehen ist.

Und was begeistert: Der Stage Manager ist das neue Multitasking des iPad – Bilder kann man jetzt in der Größe verändern und leichter von App zu App verändern. Fenster dürfen sich überlappen: Das Tablet wird nun endlich mehr zu einem Computer. Noch besser wird der Stage Manager, schließt man das iPad an einen externen Monitor an: Bis zu vier Apps gruppieren, acht können gleichzeitig laufen. Mehr zum Stage Manager lesen Sie hier.

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