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Vorsicht Datenklau: Neue Abzocke per Video-Chat

04.09.2020 | 10:25 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Sie sollen während eines Video-Chats Ihren Ausweis vor die Kamera halten? Das kann eine fiese Fall sein, warnen Verbraucherschützer.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e.V. warnt vor Datendiebstahl mit falschen Jobangeboten. Dabei spielen Ausweisfotos und Ident-Verfahren eine wichtige Rolle.

Die Verbraucherschützer nennen folgenden Fall als Beispiel: Ein junger Mann aus Schleswig-Holstein hat sich auf eine Stellenanzeige für einen Nebenjob beworben. Das Angebot stand auf mehreren Online-Jobbörsen. Der Mann erhielt prompt eine Mail vom Geschäftsführer des „jungen“ Unternehmens, das gern einen „unkonventionellen/moderneren Weg“ gehe würde. Der Bewerber wurde nämlich gebeten, sich per WhatsApp an die Handynummer des Personalleiters zu wenden, um alles weitere zu klären.

Nachdem die beiden länger über Aufgaben, Bezahlung und Arbeitsbedingungen gechattet hatten und sich offensichtlich einig geworden waren, gab der angebliche Geschäftsführer an, ein Verrechnungskonto für den neuen Mitarbeiter eröffnen zu wollen. Um den Vertrag aufzusetzen, benötige er zur Legitimation Fotos von der Vorder- und Rückseite des Personalausweises des Bewerbers sowie ein Selfie des Bewerbers mit seinem Ausweis in der Hand. Jetzt wurde der Bewerber misstrauisch und versuchte erstmal im Internet Informationen über das Unternehmen zu finden. Ohne Erfolg.

Das Ziel dieser Betrugsmasche mit gefälschten Stellenanzeigen und Video-Identverfahren: Die Kriminellen wollen sich Zugang zu persönlichen Daten verschaffen. Denn mit den Personalausweisdaten aus dem genannten Beispiel können Kriminelle Konten eröffnen und damit Fake-Shops für betrügerische Scheingeschäfte im Internet zu betreiben. Laut den Verbraucherschützern berichten Betroffene auch von Rechnungen über Online-Käufe oder Verträge, die Fremde mit ihren Daten geschlossen hatten. Die Verbraucherschützer haben hier zusammengestellt, welche Folgen Identitätsdiebstahl haben kann.

Falls Sie mit einem solchen Fall konfrontiert werden: Erstatten Sie Anzeige, damit die Polizei gegen die Betrüger vorgehen kann. Vor allem aber: Veröffentlichen Sie keine Fotos Ihres Personalausweises im Internet und zeigen Sie diesen nur bei seriösen bekannten Unternehmen bei einem Video-Identverfahren vor. Seien Sie skeptisch, wenn bei einem Bewerbungsverfahren auf einen neuen Job kein persönlicher Kontakt möglich ist. Lehnen Sie ab, wenn Sie an einem Video-Ident-Verfahren zur Kontoeröffnung teilnehmen sollen, um sich für ein Jobangebot zu identifizieren. Denn das ist keine seriöse Vorgehensweise, eine Kontoeröffnung hat nichts mit einem Bewerbungsverfahren zu tun, wie die Verbraucherschützer betonen. Erkundigen Sie sich zudem ausgiebig über das Unternehmen, bevor Sie sich dort bewerben.

Wer aber glaubt, auf Betrüger hereingefallen zu sein, sollte schnell Anzeige bei der Polizei erstatten, den Betrug unverzüglich bei der betroffenen Bank melden und sein Konto sperren lassen, wie die Verbraucherschützer raten.

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