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Von Linux bis zu MySQL und Alfresco

05.09.2008 | 10:01 Uhr |

Dessen ungeachtet verbreitet sich Open-Source-Software in immer mehr Bereichen der Unternehmens-IT. Forrester beschreibt typische Einsatzmuster anhand eines mehrstufigen Prozesses. In der ersten Phase nutzen Anwender demnach vor allem Betriebssysteme wie Linux und HTTP-Server wie Apache. Nach ersten Erfolgen weiten sich die Einsatzgebiete auf höhere Ebenen des "Application Platform Stack" aus. Dazu gehören Infrastrukturkomponenten wie Application Server und Entwicklungs-Tools, die häufig als Bestandteil von Standardsoftware-Paketen geliefert werden. Etliche Unternehmen befinden sich bereits in der dritten Entwicklungsstufe; sie ersetzen beispielsweise kommerzielle Datenbanken und Content-Management-Systeme durch Open-Source-Alternativen wie MySQL oder Alfresco. Auch das quelloffene BI-System Spago (BI = Business Intelligence) kommt dabei zum Einsatz.

Mehr Produkte werden Mission Critical

Sowohl in der Softwareentwicklung als auch im klassischen IT-Betrieb sehen Verantwortliche Open-Source-Produkte mittlerweile als strategisch an, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Diese Aussagen belegen eine Reihe von SAP-Migrationsprojekten auf Linux-Server. Häufig lösen Unternehmen dabei etablierte Unix-Derivate ab. Weniger überraschend erscheint die Beobachtung, dass viele Programmierer auf quelloffene Entwicklungsumgebungen wie Eclipse oder Subversion zurückgreifen. Im Kommen sind Forrester zufolge aber auch Testing-Werkzeuge aus der Community, darunter beispielsweise Selenium oder Fitnesse. Im Bereich Integration und SOA erwägen Unternehmen auch den Einsatz quelloffener Varianten eines Enterprise Service Bus (ESB). Auch Portal-Server wie Liferay spielen in den Plänen eine Rolle.

Kosten senken bleibt wichtigstes Motiv

Der wichtigste Grund für den Open-Source-Einsatz liegt in den erhofften Kosteneinsparungen. An diesem Punkt deckt sich die Forrester-Analyse mit zahlreichen anderen einschlägigen Untersuchungen. Für die Befragten spielen dabei gängige Middleware-Komponenten eine besondere Rolle. Durch den Austausch eines kommerziellen Application Servers gegen JBoss etwa hat ein IT-Manager eigenen Angaben zufolge in einem Zeitraum von drei Jahren 900 000 Euro gespart. Auch die Migration von mehreren Unix-Versionen auf eine einheitliche Linux-Distribution kann finanzielle Vorteile bringen. In einem Fall habe ein Unternehmen damit die Administrationskosten halbiert, berichten die Analysten.

Konsumieren statt beitragen

Trotz solcher Vorzüge haben die wenigsten Unternehmen den Community-Gedanken hinter der Open-Source-Entwicklung verinnerlicht. Vor allem große IT-Organisationen konsumierten zwar teilweise in erheblichem Umfang quelloffene Software, beobachtet Forrester. Doch nur ein sehr geringer Anteil gebe der Open-Source-Gemeinde auch eigenentwickelten Code zurück. Für solche Großanwender ständen andere Aspekte im Vordergrund, beispielsweise der Aufbau interner Supportteams oder verlässliche Vereinbarungen mit Integrationspartnern.

Desktop-Migration bleibt schwierig

Das Thema Open Source auf Desktop-Systemen bereitet professionellen Anwendern nach wie vor Kopfzerbrechen. In den wenigen bekannten Umstellungsprojekten hätten die Verantwortlichen häufig mit Problemen zu kämpfen, so die Forrester-Experten. So habe sich etwa die Umstellung von Microsoft-Productivity-Werkzeugen auf quelloffene Alternativen schwieriger gestaltet als angenommen, berichtete ein IT-Verantwortlicher eines Großunternehmens. Trotzdem wagen sich viele lokale und staatliche Behörden in Europa mittlerweile auch an Desktop-Migrationen. Ein prominentes Beispiel liefert das Linux-Projekt der Stadt München. Forrester führt diese Entwicklung auch auf Forderungen der EU-Kommission nach einem verstärkten Einsatz von Open-Source-Software zurück.

COMPUTERWOCHE

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