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Verschlüsselte Handys geknackt: Polizei hebt Verbrechering aus

03.07.2020 | 09:19 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Polizeibehörden mehrere Länder haben einen internationalen Verbrecherring ausgehoben. Die Polizei konnte zuvor ein kompliziertes Verschlüsselungssystem namens EncroChat knacken.

Polizeibehörden haben ein Verbrechernetzwerk ausgehoben, in dem Drogendealer und andere Kriminelle über verschlüsselte Smartphones miteinander kommuniziert haben. Die Polizei nahm Hunderte Verdächtiger fest, wie Techcrunch berichtet. Über die verschlüsselten Chatverbindungen haben vermutlich sogar mehrere Tausend Kriminelle illegale Operationen besprochen.

An dem Schlag der Polizei gegen das verschlüsselte Verbrechernetzwerk waren mehrere Hundert Polizisten aus Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und anderen Staaten beteiligt. Die Operation begann bereits 2017, doch erst vor rund zwei Monaten konnten die Sicherheitsbehörden den verschlüsselten Chardienst EncroChat knacken und die verschlüsselten Mitteilungen lesen.

EncroChat ist mehr als nur ein verschlüsselter Chatdienst wie beispielsweise Signal oder WhatsApp. Denn EncroChat nutzt auch  speziell angepasste Hardware, sprich: modifizierte Android-Smartphones, und ein spezielles Betriebssystem sowie eigene Server. EncroChat verkauft die speziellen Kryptotelefone für rund 1000 Euro das Stück und bietet zudem einen Aboservice für 1500 Euro für sechs Monate mit Rund-um-die-Uhr-Support. Insofern ähnelt EncroChat den Blackberrys, die ja auch eine Kombination aus Hardware und eigener Software sowie Server waren. Die über EncroChat verschickten Nachrichten waren dementsprechend sicher vor der Entschlüsselung durch Sicherheitsbehörden. Eigentlich.

Denn der Polizei gelang es Anfang 2020 Malware in das EncroChat-System einzuschleusen. Danach konnten die Sicherheitsbehörden alle verschlüsselten Nachrichten lesen und auch die mitgeschickten Abbildungen und Fotos anschauen. Da die Verbrecher auf die Sicherheit von EncroChat vertrauten, besprachen sie Drogengeschäfte, Morde und andere Verbrechen ganz offen in diesem Chat. Von 60.000 kriminellen Nutzern ist laut Spiegel die Rede. Und die Polizisten konnten nun einfach mitlesen.

Erst im Mai/Juni 2020 bemerkten die Macher von EncroChat, dass sie gehackt wurden und wollten ihre Nutzer warnen und ein Update aufspielen, das die Lücke schloss. Jetzt schlugen die Polizeibehörden zu. Die umfangreichsten Polizeimaßnahmen erfolgten in Frankreich und den Niederlanden sowie in Großbritannien. Von 747 Festnahmen ist allein in Großbritannien die Rede. Dabei stellten die britischen Polizisten auch 77 Schusswaffen, etliche Tonnen Drogen und erhebliches Bargeld sicher. In den Niederlanden wurden auch Drogenlabore ausgehoben. Zudem lassen sich durch die Chatverläufe wohl auch Kontakte in die Führungskreise der organisierten Kriminalität festmachen. Den wohl ausführlichsten Bericht über diesen Schlag gegen die organisierte Kriminalität liefert the Vice.

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