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Verkehrstote 2020: Fußgänger & Radfahrer flop, Auto- & Motofahrer top

10.12.2020 | 14:12 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

2020 sterben vermutlich so wenig Menschen im Straßenverkehr wie noch nie zuvor. Doch es gibt auch einen traurigen Trend.

Im Jahr 2020 werden nach einer aktuellen Prognose des ADAC 2.780 Menschen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sein. Das wären im Vergleich zum Jahr 2019 266 bzw. 8,7 Prozent weniger Verkehrstote. Bereits 2019 waren mit 3.046 Menschen so wenige wie nie zuvor auf deutschen Straßen gestorben.

Die Zahl der Verkehrstoten ist trotz immer größerer Verkehrsdichte schon seit langem rückläufig. Denn Autos werden immer crash-sicherer gebaut (leistungsfähigere Knautschzonen, verstärkte Fahrgastzellen aus hochfestem Stahl, rundum immer mehr Airbags) und zunehmend verhindern immer leistungsfähigere Assistenzsysteme viele Unfälle von vornherein.

Doch der signifikante Rückgang im Jahr 2020 dürfte einen anderen, nichttechnischen Grund haben: Wegen der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Verlagerung ins Home Office sind einfach deutlich weniger Pendler auf den Straßen unterwegs und es fuhren auch weniger Menschen mit dem Auto in den Urlaub. Damit gibt es zwangsläufig weniger Unfälle und also auch weniger Tote. Das ist eine der wenigen guten Seiten der Coronakrise.

Nimmt man alle im Straßenverkehr Verunglückten zusammen. so kommt man laut ADAC für 2020 vermutlich auf 336.000 Opfer. Das wäre gegenüber 2019 ein Minus von 13,2 Prozent. Insgesamt soll es 2020 rund 2.270.000 polizeilich erfasste Unfälle geben - ein Rückgang von 15,5 Prozent.

Doch es gibt nicht bei allen Verkehrsarten Grund zum Jubeln wie der ADAC betont: Zwar sinkt die Zahl der im PKW Getöteten um 14 Prozent und es kommen etwa 10 Prozent weniger Motorradfahrer bei Unfällen ums Leben - bei letzterer Zahl spielt sicherlich der Lockdown im Frühjahr 2020 eine große Rolle, der Ausflüge mit dem Motorrad eine Zeitlang verboten hat.

ADAC-Prognose mit Mängeln

Doch die Zahl der Getöteten bei Fußgängern und Radfahrern steigt um jeweils vier Prozent. Laut ADAC dürfte hier eine Rolle spielen, dass 2020 mehr Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wurden. Inwieweit E-Bikes und die damit verbundenen höheren Geschwindigkeiten ebenfalls dazu beitragen, dass mehr Radfahrer und vielleicht auch Fußgänger (die von E-Bikes angefahren werden) sterben, sagt der ADAC jedoch nicht! Da aber bereits 2019 entgegen des bereits damals ingesamt rückläufigen Trends mehr Radfahrer gestorben sind, liegt der Verdacht nahe, dass E-Bikes hier eine Rolle spielen.

Der ADAC lässt diesen Aspekt aber völlig außer Acht. Das erstaunt umso mehr als der ADAC 2019 bei seiner Prognose noch explizit auf die E-Bikes/Pedelecs als mögliche Ursache für die Zunahme bei der Zahl der toten Fahrradfahrer hingewiesen hatte.

Ebenso fehlt in der ADAC-Prognose jeder Hinweis auf tote E-Scooter-Nutzer. Dabei gibt es schon länger Hinweise, dass E-Scooter eine zunehmende Rolle bei Verkehrsunfällen spielen:

Unfallstatistik: E-Scooter bekommen eigene Kategorie

Erste Unfall-Statistik: So viele tote und verletzte E-Scooter-Fahrer

Polizei besorgt: Schwere E-Scooter-Unfälle

Allianz will eigene Kategorie für Unfälle mit E-Scootern

Deutschland: Kritische erste Bilanz für E-Scooter

Unfall-Welle durch E-Tretroller-Trend

So entwickelten sich die Verkehrstotenzahlen in den letzten Jahren:

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Mehr Verkehrs-Tote wegen Handys - aktueller Fall vor Gericht

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