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Verdi kritisiert Telefonica Deutschland wegen Standortschließungen (Update)

24.05.2019 | 13:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Verdi kritisiert die geplanten Standortschließungen von Telefonica Deutschland (O2) in Hannover, Köln und Frankfurt. Update: Das sagt Telefonica!

Update 24.5., 13.45 Uhr: PC-WELT fragte bei Telefonica Deutschland um eine Stellungnahme nach. Guido Heitmann von Telefónica Germany GmbH & Co. OHG antwortete uns folgendes: "Die Standortorganisation der Telefónica Deutschland ist historisch bedingt sehr komplex. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen entschieden, die Standorte stärker zu bündeln und die Mietverträge für drei kleinere Standorte nicht zu verlängern. Um es klar zu herauszustellen: Das Unternehmen will jeden derzeit an den Standorten beschäftigten Mitarbeiter halten, ihre Arbeitsplätze bleiben erhalten und werden an den nächstgelegenen Standort verlagert." Zitat Ende.

Telefonica Deutschland will die betroffenen Mitarbeiter also halten und verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat über „Umzugshilfen“. Wie diese Hilfen im Einzelfall aussehen, ist noch offen. Hier könnte man zum Beispiel an einen Pendelservice zwischen Wohnort und neuem Arbeitsort oder einem verstärkten Einsatz im Home Office vorstellen. Heitmann betonte uns gegenüber, dass es sich bei den Standortschließungen nicht um eine Maßnahme zur Senkung der Personalkosten handle. Die betroffenen drei Standorte sind Heitmann zufolge die kleinsten von Telefonica in Deutschland. Dort arbeiten jeweils zwischen 35 und 100 Mitarbeiter, die von ver.di genannte Gesamtzahl von 250 betroffenen Mitarbeitern erscheint also plausibel. Update Ende

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisiert die geplanten Standortschließungen des Telekommunikationsunternehmens Telefonica Deutschland. Telefonica Deutschland, das in Deutschland vor allem durch O2 vertreten ist, will laut ver.di die operativen Standorte Hannover, Köln und Frankfurt/Main mit insgesamt rund 250 Beschäftigten -  von denen rund 180 im Netz-Technikbereich beschäftigt sind - schließen.

Telefonica Deutschland will im Netz-Technikbereich rund ein Zehntel der Kosten einsparen. "Ein modernes, leistungsstarkes Mobilfunknetz ist die Hauptschlagader des Unternehmens. Wer diese für einen Aderlass öffnet, um Kosten zu sparen, spielt mit seiner Existenz", kritisiert ver.di-Konzernbetreuer Christoph Heil. Telefonica Deutschland habe laut ver.di seit der Fusion mit E-Plus vor fünf Jahren von rund 12.000 Arbeitsplätzen bereits mehr als 1.600 gestrichen. "Das ist eine Belastung für Kunden und Beschäftigte. Werden immer noch weitere Stellen gestrichen, beschneidet Telefonica die operative Leistungsfähigkeit des Unternehmens", so Heil.

Ver.di fordert, dass Telefonica Deutschland die Pläne zur Schließung der Standorte aufgibt und alle weiteren Maßnahmen zur Reduzierung von Arbeitsplätzen aussetzt. Zumindest so lange, bis Telefonica die Verpflichtungen zum Netzausbau im LTE- und später auch im 5G-Netz erfüllt habe – hierzu hatte Telefonica-Chef Markus Haas bereits angedeutet, dass die Lizenzkosten für die 5G-Frequenzen den zügigen Ausbau des 5G-Netzes beeinträchtigen könnten.

Geht es nach ver.di, dann sollen frühestens ab dem Jahr 2023 Arbeitgeber, Betriebsräte und Gewerkschaften gemeinsam neue Strategien für das Unternehmen entwickeln. "Jetzt geht es darum, sich auf die Stärkung der Kernkompetenz zu besinnen, nämlich eine stabile und zufriedene Kundenbasis zu sichern und ein hochwertiges Mobilfunknetz zu betreiben", legt Heil nach.

Ver.di ist vor allem die Schließung des Standorts Hannover zum Jahresende 2019 ein Dorn im Auge. Die Arbeitsplätze aus Hannover will Telefonica Deutschland nach Hamburg verlagern. "Das ist viel zu kurzfristig, um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die betroffenen Beschäftigten auszuhandeln", fürchtet Heil. Zudem sei ver.di zufolge zu befürchten, dass diese Maßnahme zu einem kalten Abbau von Arbeitsplätzen führe, da sicher nicht alle Beschäftigten von Hannover nach Hamburg umziehen oder pendeln können.

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