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Ver.di und DGB sind gegen Hakenkreuze in Ego-Shootern

05.07.2019 | 10:15 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ver.di und DGB kritisieren die Entscheidung der USK, Computerspiele mit Hakenkreuzen freizugeben. Hakenkreuze in „Gewaltspielen“ (O-Ton Ver.di) seien keine „staatsbürgerliche Aufklärung“. Aktueller Anlass für die Kritik ist das demnächst erscheinende Wolfenstein Youngblood.

Seit August 2018 ist es grundsätzlich möglich, dass in Deutschland Spiele mit nationalsozialistischen Symbolen wie dem Hakenkreuz erscheinen. Die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) hatte damals das generelle „Hakenkreuz-Verbot“ aufgehoben und will seitdem von Fall zu Fall unter Berücksichtigung der Sozialadäquanz entscheiden. Sozialadäquat bedeutet, dass zum Beispiel ein Hakenkreuz verwendet werden kann, wenn es der Kunst, der Wissenschaft oder der Darstellung von geschichtlichen Vorgängen dient. Das ist beispielsweise schon immer bei Kinofilmen der Fall.

Der Spiele-Publisher Bethesda beruft sich auf diese Entscheidung der USK und bringt deshalb seinen neuesten Wolfenstein-Ableger „Wolfenstein Youngblood“ auch in einer ungeschnittenen internationalen Fassung in Deutschland ab dem 26. Juli 2019 auf den Markt. Auch der VR-Ableger Wolfenstein Cyberpilot erscheint mit Nazi-Symbolen.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) halten die Entscheidung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für falsch, Computerspiele mit nationalsozialistischen Symbolen freizugeben. Sie kritisieren insbesondere, dass die oben genannten Ego-Shooter erstmals in Deutschland mit Nazi-Symbolen zu sehen sind.

Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender: „Aggressive Computerspiele mit pseudo-historischen Bezügen nutzen Nazi-Symbole nur als zusätzlichen ‚Trigger-Faktor‘. Eine kritische Aufarbeitung des Zeitgeschehens - als ein Kriterium für Kunstfreiheit - kann ich nicht entdecken. Es sollte also bei geltendem Recht bleiben: Die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ist eine Straftat.“

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied: „Wir müssen eine schleichende Akzeptanz von Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen verhindern. Unsere Gesellschaft sollte es nicht der USK überlassen, das Selbstbild der Games-Branche zu definieren und die roten Linien des Rechtsstaates zu verschieben.“

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