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Ver.di: IBM entlässt fast 1000 Mitarbeiter in Deutschland (Update)

20.01.2021 | 11:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

IBM will in Deutschland fast 1000 Menschen entlassen. Das berichtet Ver.di. Grund sei eine Umstrukturierung. Update: Ausweichende Stellungnahme von IBM.

IBM plant in Deutschland fast 1.000 Kündigungen. Das teilt die Gewerkschaft Ver.di mit. Demnach habe IBM am Abend des 18. Januar die Aufsichtsratsgremien und im Laufe des 19. Januar die zuständigen Betriebsratsgremien über Pläne informiert, fast 1000 IBM-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern die Kündigung auszusprechen. IBM begründet die geplanten Entlassungen mit „dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und einer Neuausrichtung der Organisation und der Skills“. IBM wolle nun Verhandlungen über Sozialpläne aufnehmen.


Update: Ausweichende Stellungnahme von IBM

IBM sagte uns auf Nachfrage: "Unsere Personalentscheidungen werden getroffen, um unsere Kunden auf ihrem Weg zur Einführung einer offenen Hybrid-Cloud-Plattform und KI-Fähigkeit bestmöglich zu unterstützen. Außerdem investieren wir neu in unser Geschäft. Wir werden auch weiterhin signifikante Investitionen in Aus- und Weiterbildung der Kenntnisse von IBMern vornehmen, um den Anforderungen unserer Kunden besser gerecht zu werden."

Auf unsere konkrete Nachfrage, ob die Zahl von 1000 Entlassungen zutrifft, bis wann der Stellenabbau durchgezogen werden soll und welche IBM-Gesellschaften und Standorte betroffen sind, antwortete uns IBM nicht. Update Ende

Die Vorstände der Ver.di-Betriebsgruppen und die Mitglieder der Ver.di-Tarifkommission im IBM-Konzern fordern IBM auf, die Kündigungspläne zurückzunehmen. Ver.di ist der Meinung, dass der Konzernumbau „auch mit qualifizierten IBMerinnen und IBMern gelingen könne, die gerade in Zeiten der Pandemie ihr Engagement für das Unternehmen bewiesen“ hätten. Laut Ver.di gebe es Alternativen zum Stellenabbau. Drohende Kündigungen würden ein Klima der Unsicherheit und der Angst erzeugen. Ver.di fürchtet, „dass Tarifverträge und gesetzliche Regelungen ignoriert werden und auch Mitglieder von Betriebsratsgremien und Schwerbehindertenvertretungen eine Kündigung erhalten sollen“.

Ver.di zählt in diesem Zusammenhang verschiedene Entlassungswellen bei diversen IBM-Unternehmen in der Vergangenheit auf: "2005 traf es die IBM D BS GmbH, 2015 war die IBM D EAS GmbH an der Reihe, 2016 wurde bei der IBM D B&TS GmbH, der IBM D GBS GmbH und der IBM D MBS GmbH gekündigt und 2020 waren die IBM D AIS GmbH und die IBM D AIWS GmbH betroffen". Im Jahr 2021 würde es laut Ver.di bei allen IBM-Gesellschaften zu Kündigungen kommen, wenn IBM seine Pläne umsetze.

Hinweise auf einen kommenden Stellenabbau bei IBM gab es bereits 2020. So berichtete das Handelsblatt im Oktober 2020 von 2300 Stellen, die in Deutschland wegfallen sollen. Im November 2020 war dann von rund 8000 bis 10.000 Kündigungen in Europa die Rede. Der Stellenabbau soll in Verbindung stehen mit einer Umstrukturierung. So will IBM sein Geschäft mit Infrastrukturservices in ein separates Unternehmen ausgliedern, wie CIO berichtet und sich künftig verstärkt auf Clouddienste konzentrieren. Zu dem Bereich Cloud gehört auch das bekannte Linux-Unternehmen Red Hat, das IBM übernommen hat.

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