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VW testet vollautomatisiertes Fahren mitten in Hamburg

03.04.2019 | 11:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Volkswagen erprobt das vollautomatisierte Fahren im Großstadtverkehr von Hamburg. Mit speziell ausgerüsteten E-Golfs. Jeder bestückt mit elf Laserscannern, 14 Kameras, Ultraschallsensoren und sieben Radaren.

Volkswagen erprobt das vollautomatisierte Fahren im  Großstadtverkehr von Hamburg. Mit speziell ausgerüsteten E-Golfs.

Für Volkswagen sind das die ersten Testfahrten unter den realen Bedingungen in einer deutschen Großstadt. Dazu muss man wissen, dass die meisten Automobil-Hersteller ihre Versuchsfahrten für das automatisierte Fahren auf Fernstraßen und besonders auf Autobahnen durchführen. So lässt zum Beispiel BMW seine Testfahrzeuge für das autonome Fahren bevorzugt auf der A9 und der A92 fahren. Denn auf Autobahnen müssen die autonomen Testfahrzeuge mit deutlich weniger komplexen Verkehrssituationen klarkommen als in einer Großstadt. Das autonome Fahren im Großstadtverkehr ist sozusagen die Königsklasse und dementsprechend langsam sind die autonomen Fahrzeuge in Städten unterwegs. Ein Google-Auto wurde seinerzeit sogar von der Polizei angehalten, weil es mit seiner langsamen Fahrweise den Verkehr behindert hat.

Die speziell ausgerüstete E-Golf-Flotte soll in der Hansestadt das vollautomatisierte Fahren bis Level 4 (siehe die Erklärung dazu unten) erproben. Ab sofort fährt eine E-Golf Flotte von fünf Fahrzeugen, jedes bestückt mit elf Laserscannern, 14 Kameras, Ultraschallsensoren und sieben Radaren auf einem drei Kilometer langen Teilabschnitt der Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren (TAVF) in der Hansestadt. Bis zu fünf Gigabyte beträgt laut VW der Datenaustausch pro Minute bei den regelmäßigen Testfahrten, die sich jeweils über mehrere Stunden erstrecken. Dafür steckt die Rechenleistung von rund 15 Laptops im Kofferraum des E-Golf, wie VW erklärt.

Die Teststrecke für das autonome Fahren in Hamburg.
Vergrößern Die Teststrecke für das autonome Fahren in Hamburg.
© Volkswagen

Aus Sicherheitsgründen sitzt bei den Testfahrten in Hamburg durchgehend ein besonders geschulter Testfahrer am Lenkrad, der alle Fahrfunktionen fortwährend überprüft und im Notfall eingreifen kann.

Das Cockpit des autonomen Test-Fahrzeugs e-Golf.
Vergrößern Das Cockpit des autonomen Test-Fahrzeugs e-Golf.
© Volkswagen

Bei den Testfahrten steht nicht nur die Technik in den E-Golfs im Mittelpunkt, sondern auch die für das autonome Fahren zwingend erforderlichen speziell angepassten Ampeln und Verkehrsleitsysteme, die untereinander und mit den autonomen Fahrzeugen kommunizieren.

In der Hamburger City entsteht derzeit eine neun Kilometer lange Teststrecke für das automatisierte und vernetzte Fahren (TAVF), die im Jahr 2020 vollständig ausgebaut sein soll. Hamburg rüstet hierfür sukzessive Ampelanlagen für die Infrastruktur-zu-Fahrzeug (I2V) und Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation (V2I) auf.



Die einzelnen Level des automatisierten Fahrens laut VW und BMW:

  • Level 1: Assistiertes Fahren. Beispiel: ACC (automatische Distanzregelung). Der Fahrer fährt selbstständig, wird aber durch Fahr- und Sicherheitsassistenten unterstützt. Hier sind ACC, Totwinkel-Assistent und Spurhalte-Assistent sowie zunehmend auch Notbrems-Assistenten als typische Beispiele zu nennen.

  • Level 2: Teilautomatisiertes Fahren. Beispiel: Travel Assist (kombinierte Distanzregelung und Spurführung). Der Fahrer fährt teilautomatisiert mit deutlichen Eingriffen der Technik. Ein typisches Beispiel ist die Stop-and-go-Funktion für Staus auf der Autobahn. Doch immer noch muss der Fahrer die Hände am Lenkrad haben und das Fahrzeug führen. 

  • Level 3: Hochautomatisiertes Fahren. Beispiel: Stau-Pilot. Hier fährt das Fahrzeug bis zu einem bestimmten Grad selbstständig, man muss ihm nur noch die Geschwindigkeit und das Ziel vorgeben. Der Fahrer kann die Hände vom Lenkrad nehmen und beispielsweise auf dem Bildschirm im Armaturenbrett seine Mails checken. Er muss aber innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums auf ein Warnzeichen des PKWs hin jederzeit und sofort eingreifen können. Der Fahrer kontrolliert also immer noch das Fahrzeug. 

  • Level 4: Vollautomatisiertes Fahren. Beispiel: Parkhauspilot. Hier kann der Fahrer im Prinzip auf der Rücksitzbank bequem sich hinlegen und etwas schlafen. Er muss seinen PKW nicht mehr überwachen. Das ist aber noch völlige Zukunftsmusik, daran ist derzeit nicht zu denken.

  • Level 5: Autonomes Fahren. Beispiel: Vollständig fahrerloser Transport.

Hände weg vom Lenkrad und sich auf der Autobahn entspannt zurücklehnen. An genau dieser Technologie, dem sogenannten hochautomatisierten Fahren, forscht derzeit BMW. Wie weit diese Forschung bereits ist, haben wir uns auf einer Testfahrt über die A9 und die A92 zum Münchner Flughafen angeschaut. Die Technik übernahm auf dieser Strecke komplett das Ruder, fuhr eigenständig geradeaus, überholte und brachte uns sicher ans Ziel. Einen genauen Einblick in die Technik des hochautomatisierten Fahrens bekommen Sie in diesem Video.

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