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VW startet eigene Batteriezellen-Fabrik in Salzgitter

23.09.2019 | 12:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Volkswagen hat heute die Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen gestartet. Eine Gigafabrik soll folgen. Standort: Salzgitter.

Der Volkswagen-Konzern startet eine eigene Batteriezellen-Entwicklung und -Fertigung in seinem Werk in Salzgitter, wo VW bis jetzt Verbrennungsmotoren produziert. Im niedersächsischen Salzgitter sollen bis 2023/24 mehr als 1000 Arbeitsplätze entstehen – 300 im Volkswagen-Entwicklungszentrum mit Pilotanlage, 700 in einem Joint Venture zwischen Northvolt und Volkswagen zum Aufbau und Betrieb einer Batteriezellen-Fabrik. Mehr als eine Milliarde Euro sollen im gleichen Zeitraum in die Batteriezellen-Aktivitäten des Volkswagen-Konzerns investiert werden, wie VW mitteilt.

Schlüsseltechnik Batteriezelle: Damit schließt VW eine schmerzliche, aber auch kostspielige Lücke der deutschen Automobil-Hersteller. Denn alle deutschen Elektro-Auto-Produzenten kaufen die Zellen für die Auto-Batterien im Ausland ein, besonders bei Lieferanten aus Fernost: bei Samsung, LG und CATL. BMW zum Beispiel will daran bis auf weiteres nichts ändern und kauft seine Batteriezellen weiterhin von dem chinesischen Unternehmen CATL. Elektro-Auto-Vorreiter Tesla bezieht seine Batteriezellen wiederum von Panasonic.

Im Unterschied zu BMW, das sich derzeit nicht so sehr auf Elektro-Autos fokussiert und stattdessen auf Plug-in-Hybride setzt und auch sein E-Auto BMW i3 offensichtlich nicht mehr weiterentwickelt , hat Volkswagen mit dem ID.3 eine umfangreiche Elektro-Auto-Offensive gestartet. Eine eigene Batteriezellen-Produktion erscheint da nur konsequent. Schließlich geht es darum, das Know-how für die Schlüsseltechnologie aller Elektro-Autos, nämlich die Batterie, im Haus zu behalten und sich dabei nicht von externen Lieferanten abhängig zu machen.

Mit einer Pilotanlage geht es los: In Salzgitter wurde heute im sogenannten Center of Excellence (CoE) eine Pilotanlage zur Batteriezellen-Produktion für Kleinserien eröffnet. Sie soll 2020 in den Betrieb überführt werden. Rund 300 Experten entwickeln, erproben und pilotieren am Standort Fertigungsverfahren zur Produktion von Lithium-Ionen-Akkus. Mehr als 100 Millionen Euro investiert Volkswagen im ersten Schritt in die eigenen Entwicklungs- und Fertigungskompetenzen.

Gigafabrik ab 2023/24: Hinzu kommen rund 900 Millionen Euro an Investitionsvolumen, die Volkswagen für gemeinsame Batterie-Aktivitäten mit dem schwedischen Batterie-Hersteller Northvolt bereitstellt. Ab 2020 soll in Salzgitter eine 16-Gigawattstunden-Batteriezellen-Fabrik entstehen. Der Start der Produktion von Batteriezellen in dieser Gigafabrik ist für den Jahreswechsel 2023/2024 geplant. Dazu hat Volkswagen jüngst ein 50/50-Joint-Venture mit Northvolt gegründet. In diesem eigenständigen Unternehmen sollen mittelfristig 700 Arbeitsplätze entstehen.

Volkswagen will zusammen mit Zulieferern die Batteriezelle für den künftigen Einsatz in den E-Modellen des Konzerns verbessern: Erhöhung der Kapazität für mehr Reichweite, Reduzierung seltener Rohstoffe und die Optimierung nachhaltiger Fertigungsprozesse bis zum Recycling der Batteriesysteme. Damit will VW alle Bestandteile des E-Auto-Antriebs im eigenen Unternehmen entwickeln: Leistungselektronik, Batteriesysteme, E-Motoren und Ladesysteme, Recycling-Kompetenz für Batterien und nun eben auch die Batteriezellen.

Für Volkswagen rechnet sich eine eigene Batteriezellen-Produktion vermutlich schon deshalb eher als für BMW oder Daimler, weil VW alle seine Konzerntöchter mitversorgen kann.

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