2454916

VW ID.3: 3 Hochleistungs-PCs und Microsoft-Azure-Cloud

11.09.2019 | 11:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

VW schneidet mit dem neuen ID.3 alte Zöpfe ab: Das neue Elektro-Auto von VW besitzt nur noch drei Hochleistungsrechner statt des bisherigen Durcheinanders vieler unterschiedlicher Steuergeräte.

Wenn ein Automobil-Hersteller ein komplett neues Auto mit einer völlig neu entwickelten Technologie-Plattform entwickelt, bietet das die Möglichkeit, alte Zöpfe abzuschneiden und das Nebeneinander unterschiedlicher Techniken zu beenden. Genau das macht Volkswagen bei der neuen ID-Familie. PC-WELT sprach mit Martin Schleicher, Executive Vice President Business Management von Elektrobit, über die IT-Technik im ID.3. Elektrobit, das zu Continental gehört, liefert die Software für den neuen ID.3. Von Continental wiederum stammen die Rechner/Steuergeräte, also die Hardware für den ID.3.
 
Generell kann man sagen, dass bei völlig neu entwickelten Auto-Plattformen zwischen 2 und 5 HPCs (Domänenrechner, auch als HPC High Performance Computer bezeichnet) verbaut werden, die alle via Ethernet und nicht mehr Can-Bus Daten austauschen. So ist das auch beim ID.3, der eine völlig neue Rechnerarchitektur besitzt. Statt vielen über das ganze Auto verstreuten Steuergeräten/Rechnern, wie es nach wie vor bei modernen Autos üblich ist, sind im ID.3 nur noch drei Hochleistungsrechner verbaut: je ein HPC für das digitale Cockpit, für die Fahrerassistenzsysteme und einer als Gateway für diverse Funktionen wie beispielsweise die Fensterheber. Diese HPCs sind via Gigabit-Ethernet vernetzt. Zu diesen drei HPCs kommen aber noch einige Steuergeräte, die klassische Aufgaben im Auto übernehmen, also zum Beispiel die Computer für den Elektromotor und die Energieversorgung aus den Batterien steuern.
 
Im kommenden VW Golf VIII, den Volkswagen im Oktober 2019 vorstellen wird , ist das noch anders als im ID.3. Der Golf VIII basiert auf der Elektronik des Golf VII und setzte dessen IT-Tradition mit vielen unterschiedlichen Rechnern/Steuergeräten an Bord fort. Allerdings fließen natürlich auch in den Golf VIII Neuerungen ein, die sich bei der ID-Entwicklung ergeben. Nur gibt es bei der IT im Golf VIII eben keinen radikalen Umbruch, sondern eine langsame Weiterentwicklung.
  
Auf den Rechnern in modernen Autos laufen diverse (Echtzeit)-Betriebssysteme, teilweise in virtuellen Maschinen (adaptives AutoSAR (Linux) mit Hypervisor). Die Virtualisierung - beispielsweise laufen einige Steuergeräte in virtuellen Maschinen - soll die Sicherheit und Stabilität der IT im Auto garantieren. Stürzt eine Anwendung in so einer virtuellen Maschine ab, lässt sich das Auto trotzdem noch sicher bedienen.
 
Im Falle des ID.3 ist das Auto mit der Microsoft-Azure-Cloud verbunden. Über die Cloud laufen diverse Dienste für den Kunden, beispielsweise kann er darüber auf seinem Smartphone den Batteriestand des ID.3 abfragen oder eine Ladesäulensuche starten oder die Batterie im Winter vorheizen lassen. Auch Car-Sharing-Dienste sind via Azure-Cloud möglich. Und natürlich kann VW Software-Updates über die Cloud-Anbindung an die ID.3s ausliefern oder auch neue Funktionen via Update im Auto freischalten.
 
Beim Thema Sprachsteuerung ist unabhängig vom ID.3 für die künftige Entwicklung zu beachten, dass ein Teil der Sprachbefehle direkt im Auto verarbeitet werden kann und nicht an die Server des Sprachassistenten weitergeleitet werden muss. Das betrifft Sprachbefehle für unmittelbare Funktionen im Auto wie die Bedienung der Fensterheber oder der Sitzheizung. So kennen wir das bereits vom MBUX von Mercedes-Benz.

Besonders spannend ist aber ein anderer Aspekt bei der Sprachsteuerung: Wie kann man mit etablierten Sprachassistenten wie Alexa oder Google Assistant auf interne Funktionen im Auto zugreifen? Bisher nutzen vor allem die deutschen Automobilhersteller ihre eigenen Sprachassistenten für die Bedienung von Auto-Funktionen. Doch der Kunde ist zunehmend Alexa und Google Assistant gewohnt und diese Sprachassistenten sind nun einmal leistungsfähiger als die von Audi/VW, Daimler oder BMW entwickelten Eigenlösungen. Also dürfte der Trend dahin gehen, dass man bald auch autonahe Funktionen wie Fensterheber oder eben Sitzheizung mit einem Sprachbefehl an Alexa bedienen kann. Dabei dürfte es so kommen, das für bestimmte autonahe Funktionen Alexa lokal im Auto genutzt werden kann, ohne dass die Alexa-Befehle alle an die Amazon-Server geschickt werden müssen.
 
In Zusammenhang mit der durchgehenden Vernetzung von Autos mit dem Internet stellt sich natürlich die Sicherheitsfrage. Damit Hacker keine Chance haben und dem (teil)-autonomen Auto keine falschen Informationen unterjubeln oder dieses gar fernsteuern können, kommen verschiedene Sicherheitsmechanismen im Auto zum Einsatz: Firewalls, Intrusion-Detection-Systeme und Virenscanner überwachen ständig den Bus-Traffic, zudem werden alle Daten nur verschlüsselt transportiert. Entdeckt das Intrusion-Detection-System im Auto eine Anomalie, wird diese Information an das Backend zur Analyse geschickt. All das muss natürlich in Bruchteilen von Sekunden passieren.
 
VW stellt ID.3 vor: Der Nachfolger von Käfer und Golf
 
VW stellt Golf VIII im Oktober vor - nach dem ID.3
 
 
 


PC-WELT Marktplatz

2454916