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Urteil: Online-Casino muss Spielverluste zurückzahlen

15.03.2021 | 13:46 Uhr | René Resch

Ein Online-Casino muss per Gerichtsurteil einem Spieler seine kompletten Spielverluste zurückzahlen. Das Urteil könnte wegweisend sein und eine Klagewelle nach sich ziehen.

Das Landgericht in Gießen hat einen Online-Casino-Betreiber dazu verurteilt, die Spielverluste eines Kunden in Höhe von knapp 12.000 Euro zurückzuzahlen. Das noch nicht rechtskräftige Urteil könnte wegweisend sein, dem Online-Glücksspiel drohe eine Klagewelle, berichtet die Tagesschau.

Bei dem Glücksspielanbieter handele es sich um einen zur Firmengruppe Entain gehörenden Anbieter, der in Deutschland vor allem durch den Wettanbieter Bwin bekannt ist. Laut Anwalt des Spielers war das Online-Casino-Angebot in Deutschland nicht zugelassen und daher habe es sich um illegales Glücksspiel gehandelt. Seinem Mandanten sei das komplette verspielte Geld in Höhe von rund 12.000 Euro zurückzuerstatten.

Das Gericht schloss sich der Argumentation des Anwalts an. Der Vertrag zwischen den Parteien über die Glücksspiel-Teilnahme sei nicht gültig, da dieser ohne rechtlichen Grund getätigt wurde - auch wenn der Spieler erst gar nicht an illegalem Glücksspiel teilnehmen hätte dürfen. Der Glücksspielvertrag solle Teilnehmer davor auch schützen.

Online-Casinos bewegen sich bis Juli 2021 in einer rechtlichen Grauzone

Die Firma besitze zwar für Malta eine Lizenz, diese gelte allerdings nicht für Deutschland und reiche somit keinesfalls aus. Durch den neuen Staatsvertrag, der im Juli 2021 in Kraft treten soll, werden Sportwetten und Online-Casinos unter strengen Auflagen legal. Bis zum Inkrafttreten des Vertrages sollten Übergangsregeln die Zulässigkeit regeln. Diese wurden vom Gericht in Gießen allerdings nicht akzeptiert. Neben den Einsätzen des Klägers muss der Glücksspielanbieter auch die Prozesskosten tragen.

Urteil könnte Klagen in Milliardenhöhe nach sich ziehen

Das Urteil könnte gravierende Auswirkungen für die Online-Casino-Branche nach sich ziehen. Nach Einschätzungen der Glücksspielaufsichten der Länder haben Spielerinnen und Spieler in den letzten Jahren Milliarden-Beträge in lizenzlosen Online-Casinos ausgegeben. Nach dem Urteil aus Gießen wären alle Verluste einklagbar.

Der nun vom Gericht begünstigte Spieler hatte angegeben, spielsüchtig zu sein und habe das Geld vor allem im Jahr 2017 beim Roulette in dem Online-Casino verzockt.

Der Anwalt des Klägers, Patrick Redell, sagte gegenüber dem NDR, das Urteil sei "ein Meilenstein" und sei in diesem Kontext bundesweit das erste Urteil, nach einer mündlichen Verhandlung, bei der offenen Rechtsfragen erörtert worden seien. Das Urteil verdeutliche "unmissverständlich, dass sich Betreiber von illegalen Online-Glücksspielangeboten in Deutschland seit Jahren gesetzwidrig auf Kosten von Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes bereichert haben" , so Redell.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Bis Anfang April 2021 hat das Online-Casino noch Zeit, dagegen in Berufung zu gehen. Gegenüber der Tagesschau gab ein Sprecher des Unternehmens an, keine zivilrechtlichen Verfahren mit "Kunden" kommentieren zu wollen. Betonte aber, dass das derzeitige Glücksspiel-Angebot von Bwin in Deutschland "den Anforderungen der von den Bundesländern verabschiedeten Kriterien bis zum Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Juli dieses Jahres entsprechen." Man sei zudem der Auffassung, dass man die Angebote "rechtmäßig nach den einschlägigen Bestimmungen des Unionsrechts veranstaltet" habe.

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