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Unkontrollierbare Satelliten stoßen anscheinend nicht zusammen

30.01.2020 | 08:55 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Heute Nacht um 0:39 Uhr deutscher Zeit haben sich zwei ausrangierte und nicht mehr kontrollierbare Satelliten in 900 Kilometern Höhe anscheinend knapp verfehlt.

Update 30.1.: Die beiden Satelliten haben sich anscheinend knapp verfehlt. Wie Leolabs schreibt, konnte das Unternehmen keinen neuen Weltraumschrott feststellen. Leolabs werde beide Satelliten weiter beobachten. Die beiden Satelliten seien mit 47 Meter Abstand aneinander vorbei geflogen, ergänzt die Frankfurter Rundschau . Update Ende

Heute Nacht (also in der Nacht vom 29.1. auf den 30.1.2020) könnten zwei ausrangierte Satelliten zirka 900 Kilometer über der Erde mit einer Geschwindigkeit von rund 52.786 Kilometern pro Stunde zusammenstoßen. Dabei könnte ein Trümmerregen entstehen, der andere Satelliten und Raumfahrzeuge ernsthaft gefährdet. Der Zusammenstoß würde um 0:39 Uhr deutscher Zeit über der US-Großstadt Pittsburgh erfolgen, wie das auf Raumfahrt-Nachrichten spezialisierte Portal Space.com berichtet.

Zu den beiden Satelliten besteht kein Funkkontakt mehr. Somit lässt sich deren Flugbahn nicht mehr beeinflussen. Leolabs, ein Unternehmen, das den Kurs von Satelliten überwacht, hat den Abstand berechnet, mit dem die beiden Satelliten im Idealfall aneinander vorbei rasen: Dieser beträgt zwischen 13 und 87 Meter (ursprünglich hatte Leolabs von 15 bis 30 Meter gesprochen). Leobals gibt die   Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes mittlerweile mit 1:1000 an. Ursprünglich hatte Leolabs diese Gefahr mit 1:100 angegeben .

Der eine der beiden Satelliten heißt „Infrared Astronomical Satellite“ (IRAS). Er wurde 1983 in den Orbit geschickt und war damals das erste Infrarot-Weltraum-Teleskop zur Beobachtung des Weltalls. IRAS arbeitete aber nur weniger als ein Jahr lang.

Der andere Satellit hört auf den Namen „Gravity Gradient Stabilization Experiment“ (GGSE-4). Die US-Luftwaffe schoss ihn 1967 ins All, um Design-Prinzipien eines Raumfahrzeugs zu testen.

Leolabs hält es zwar für unwahrscheinlich, dass die beiden ausrangierten Satelliten tatsächlich heute Nacht zusammenstoßen. Doch sicher ausschließen lässt sich das angesichts des extrem knappen Abstands beim Vorbeiflug nicht: 13 bis 87 Meter Abstand sind eben fast nichts bei einer Geschwindigkeit von 52.786 km/h. Sollten sie aber doch kollidieren, würden dabei Tausende von Trümmerteilen entstehen, die für Jahrzehnte unkontrolliert durch den von immer mehr Satelliten genutzten Orbit fliegen würden. Die Trümmer würden aber nicht nur die immer zahlreicher werdenden Satelliten gefährden, sondern auch alle Raumschiffe, die von der Erde starten. Ein regelrechter Trümmergürtel würde sich damit um die Erde legen, so Leolabs.

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