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Umweltbundesamt: E-Scooter sind meist schlecht für die Umwelt

03.09.2019 | 15:42 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Das Umweltbundesamt kritisiert E-Scooter: Sie entlasten keineswegs die Umwelt und sorgen sogar für neue Umweltprobleme. Und schlimmstenfalls führen E-Scooter sogar zu Kinderarbeit.

Schlecht für die Umwelt hierzulande: Laut dem Umweltbundesamt (UBA) sind E-Scooter (auch E-Stehroller oder E-Tretroller genannt) momentan kein Beitrag zur Verkehrswende. Und sie bringen in den meisten Fällen auch nichts für die Umwelt. Denn erste Zahlen würden zeigen, dass die strombetriebenen E-Scooter oft den umweltfreundlicheren Fuß- und Radverkehr ersetzen. Zudem machen sie in den Innenstädten dem öffentlichen Nahverkehr Konkurrenz. Obendrein drohen die E-Scooter als zusätzlicher Nutzer der bereits unzureichend ausgebauten Infrastruktur das Zufußgehen und Fahrradfahren unattraktiver zu machen.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „In der Ökobilanz sind E-Scooter natürlich deutlich besser als das Auto. Aber gegenüber dem bewährtem Fahrrad, mit dem sich Strecken ebenso schnell bewältigen lassen und Gepäck besser transportieren lässt, sind E-Scooter die deutliche umweltschädliche Variante und aus meiner Sicher daher keine gute Alternative.“ Und weiter: „Verleiher sollten E-Scooter statt in Innenstädten in den Außenbezirken aufstellen. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die zu lange Strecke zur Bahn schnell mit dem E-Scooter anstatt mit dem Auto zu überbrücken.“

Schlecht für die Gesundheit: E-Scooter sind also nur dann umweltfreundlich, wenn sie Auto- oder Motorrad-Fahrten ersetzen und keine weiteren zusätzlichen Fahrten mit kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen stattfinden. Wird der E-Scooter aber anstatt der eigenen Füße oder des Fahrrades benutzt, ist das schlecht für Umwelt und Gesundheit. Gerade letzterer Aspekt wird im Hype um die E-Scooter gerne übersehen: Die Deutschen stehen nicht gerade im Verdacht sich zu viel zu bewegen. Wenn nun aber Fußmärsche und Radfahrten (die nicht mit einem E-Bike zurückgelegt werden) durch E-Scooter-Fahrten ersetzt werden, bewegen sich die Deutschen noch weniger. Mit entsprechenden Konsequenzen für Fitness, Gesundheit und Körpergewicht.

Schlecht für Umwelt und Menschen in Afrika: Für die Lithium-Ionen-Akkus in den E-Scootern werden unter anderem Lithium und Kobalt benötigt. Der Abbau von Kobalt in Afrika und Lithium in Südamerika ist häufig mit erheblichen Belastungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt verbunden. Außerdem kommt es dabei oft zu Kinderarbeit.

Bei der Umweltbelastung, die durch E-Scooter entsteht, müssen auch die Aktivitäten der sogenannten „Juicer“ betrachtet werden. Diese transportieren die E-Scooter nachts mit (ihren eigenen, alten) Pkws oder Kleintransportern zum Aufladen zu den Ladepunkten. Nur wenn E-Scooter nicht mehr zusätzliche Wege mit Benziner- oder Diesel-betriebenen Fahrzeugen generieren, als die E-Scooter bei ihrer Nutzung einsparen, können sie überhaupt als umweltfreundlich bezeichnet werden. Wechsel-Akkus in den E-Scootern könnten dieses Problem mittelfristig lösen, so das Umweltamt.

Außerdem kritisiert des Umweltbundesamt, dass die Lebensdauer der Leih-Roller und Akkus offenbar gering sei. Erste unbestätigte Zahlen aus Kentucky, Louisville (USA) deuten bei Verleihern von E-Scootern auf eine erschreckend kurze Nutzungsdauer von 28 bis 32 Tagen hin. Andere Quellen gehen von drei Monaten aus, obwohl manche Verleiher für neue Modelle inzwischen auch schon eine Lebensdauer von über 12 Monaten angeben. Sollten die Geschäftsmodelle der Verleiher von E-Scootern tatsächlich auf einer Lebensdauer von nur ein bis drei Monaten basieren, wäre dies äußerst bedenklich, warnt das Umweltbundesamt.

Wichtig: Ein defekter E-Scooter beziehungsweise dessen Akku müssen als Elektrogerät entsorgt werden und dürfen nicht in den Hausmüll gegeben werden.

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