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USA will Google-Android- und Apple-Smartphones knacken

31.03.2016 | 10:58 Uhr |

In mindestens 63 Fällen haben US-Behörden von Apple oder Google verlangt, dass diese dabei helfen, Zugang zu gesperrten Mobilgeräten zu erlangen. Der Streit um das iPhone 5C des San Bernardino-Attentäters ist also kein Einzelfall.

Der spektakuläre Streit zwischen Apple und der US-Bundespolizei FBI zur Entschlüsselung eines iPhone 5C eines der San Bernardino-Attentäters ist anscheinend kein Einzelfall. Wie beispielsweise Reuters berichtet, forderten US-Sicherheitsbehörden in der Vergangenheit immer wieder Zugang zu gesperrten Smartphones - nicht nur von Apple, sondern auch von Google.

Die American Civil Liberties Union ACLU hat bis jetzt 63 Anfragen zusammengetragen, bei denen US-Sicherheitsbehörden unter Berufung auf ein 230 Jahre altes Gesetz einen Gerichtsbeschluss beantragten, damit Apple oder Google ihnen Zugang zu gesperrten Mobilgeräten geben. Die Anträge kamen vom Justizministerium, vom FBI, dem Secret Service, der Homeland Security-Behörde und von der Drug Enforcement Administration (DEA). Sie beriefen sich immer auf den „All Writes Act” von 1789.

Interaktive Karte zeigt Anfragen an Apple und Google

Diese interaktive Karte der ACLU zeigt, in welchen US-Bundesstaaten es entsprechende Anfragen gab. Aus der Karte und der darunter befindlichen detaillierten Liste geht hervor, wann welche Anfrage (zum Beispiel Sperrbildschirm umgehen oder Passwort zurücksetzen) von welcher Behörde an welches Unternehmen (Apple oder Google) gerichtet wurde. In einigen Fällen steht auch dabei, um welches Mobilgerät es sich konkret handelte. In den meisten Fällen ging es um Drogendelikte.

Zu diesen 63 bestätigten Fällen sollen noch mindestens 13 weitere unbestätigte Vorgänge kommen. Über 30 der von der ACLU erfassten Vorgänge stammen aus den Jahren 2015 und 2016.

Eliza Sweren-Becker, Rechtsanwältin der ACLU, spricht in diesem Zusammenhang von routinemäßigen Anträgen. Der Wunsch des FBI, dass Apple beim Entschlüsseln des iPhone 5C des San Bernardino-Attentäters helfe, sei also keine außergewöhnliche Bitte und kein Einzelfall, sondern so etwas käme regelmäßig vor , wie Sweren-Becker schreibt.

Behörden klopfen immer wieder bei Apple und Google an

Das US-Justizministerium hatte erst kürzlich mitgeteilt, dass es seit 2008 in 70 Fällen Apple um Unterstützung gebeten und diese von Apple auch problemlos bekommen habe. Im Oktober 2015 lehnte Apple aber eine solche Anfrage bei einem Drogendelikt in Brooklyn ab. In dem Urteil im Februar 2016 hatte das Gericht in Brooklyn den Standpunkt von Apple gestärkt und entschieden, dass Apple nicht dazu gezwungen werden könne, das iPhone zu knacken. 

Seit Apple mit iOS8 die Verschlüsselung seiner mobilen Geräte verbessert hat, hat das kalifornische Unternehmen laut eigenen Angaben nicht mehr die Möglichkeit, Behörden den Zugang zu gesperrten Geräten zu ermöglichen, wenn der Passcode des iPhone-Benutzers fehlt. Apple kann ohne Passcode auch nicht die auf iPhone oder iPad gespeicherten Informationen wie Kurznachrichten, Fotos, Kontakte und Anruflisten auslesen. Daran ändert auch das Vorliegen eines Gerichtsbeschlusses nichts, Apple fehlen einfach die technischen Möglichkeiten für das Knacken der iOS-Geräte ab Version 8.

Sowohl Apple als auch Google sehen sich immer wieder mit Auskunftsanfragen von Behörden konfrontiert. Bei Apple liefen so viele Anfragen zum Entsperren beziehungsweise Entschlüsseln von iPhones ein, dass Apple eine Warteliste einrichten musste.

Außerdem hat Apple eine Webseite eingerichtet, auf der es über die Inhalte dieser Behördenanfragen informiert. Einen ähnlichen Transparenzbericht veröffentlicht auch Google.



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