2508307

US-Militärraumschiff startet ins All mit geheimer Mission

18.05.2020 | 13:49 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die X-37B ist wieder ins All gestartet. Wie immer unterliegen die Aufgaben des US-Militärraumschiffes der Geheimhaltung.

X-37B, der geheime Raumgleiter der US-Luftwaffe, ist am gestrigen Sonntag erneut ins All gestartet. Das ist bereits die sechste Mission des geheimnisumwitterten US-Militärraumschiffes, wie The Verge berichtet . Um mehr Experimente als bisher durchführen zu können, wurde erstmals ein zusätzliches Service-Modul am Raumschiff angebracht.

Die X-37B startete dieses Mal nicht auf einer Falcon-9-Rakete von Space X, sondern auf einer Atlas-V-Rakete. Die Atlas V ist die Standardrakete für Starts der X-37B. Die X-37B gehört zwar zur US-Luftwaffe, die gestern gestartete Mission wird aber von der neuen Space Force überwacht. Unter anderem befindet sich der kleine Satellit FalconSat-8 an Bord. Er soll fünf Experimente ausführen. Die US-Raumfahrtbehörde NASA wiederum führt zwei Experimente durch, bei denen untersucht wird, wie die Strahlung im Weltall bestimmte Materialien schwächt. Die US-Luftwaffe sagt zudem, dass ihre Experimente die USA in die Lage versetzen sollen besonders effektiv Fähigkeiten für das Weltall zu entwickeln, um im All die Überlegenheit zu behalten.

Was X-37B aber genau im Erdorbit macht, ist wie immer unbekannt. Die US-Luftwaffe äußert sich nicht detailliert zu den Flügen ihres Raumschiffes. Grundsätzlich sollen die Flüge der X-37B aber (auch) dazu dienen Techniken und Materialien für Raumflüge mit wiederverwendbaren Raumfahrzeugen zu testen: Thermische Belastung, Haltbarkeit der Materialien, Navigation im Weltall, Antriebssysteme und ähnliche Fragestellungen. Also für Fahrzeuge, die vielleicht die Tradition des Space Shuttle fortführen werden. Denkbar und sogar wahrscheinlich sind aber auch militärische Experimente und Spionagetätigkeiten.

Die NASA startete das X-37-Programm im Jahr 1999. Damals war das Space Shuttle noch im Einsatz, weshalb ursprünglich vorgesehen war, dass ein Space Shuttle die X-37 ins All bringen sollte. Nach dem Ende des Space-Shuttle-Einsatzes (wegen zweier Katastrophen, bei denen jeweils die gesamte Besatzung des Space Shuttle ums Leben kam) wurde die X-37 so umgebaut, dass sie nun von einer konventionellen Rakete ins All gebracht werden kann. Die X-37 landet dann aber wie ein Flugzeug oder eben wie das Space Shuttle auf einer Landebahn auf der Erde. 2004 wechselte zudem die Zuständigkeit für die X-37 von der NASA zur DARPA, der Forschungsabteilung der US-Armee.

Das X-37B sieht wie ein geschrumpftes Space Shuttle aus. Die US-Luftwaffe hat mindestens zwei X-37B im Einsatz. Boeing hat das X-37B Orbital Test Vehicle (OTV) entwickelt. Es fliegt ohne Besatzung. Das Fahrzeug kann autonom den Landeanflug durchführen, in die Erdatmosphäre eindringen und wie ein Flugzeug auf einer Landebahn aufsetzen. Die Stromversorgung während des Flugs übernehmen Solarzellen. X-37B ist 8,8 Meter lang, 2,9 Meter hoch und hat 4,6 Meter Flügelspannweite.

Am 27. Oktober 2019 war X-37B von seinem letzten Raumflug zurückgekehrt. Damals war X-37B 780 Tag ununterbrochen im All gewesen. Das war die bisher längste Mission von X-37B. Insgesamt hat X-37B bisher sieben Jahre und zehn Monat im Orbit verbracht.

Falcon 9 fliegt geheimen Raumgleiter der US-Luftwaffe ins All

X-37B: Geheimes US-Raumfahrzeug stellt Langzeit-Rekord im All auf

PC-WELT Marktplatz

2508307