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US-Armee: Militär-Rechner sind zu alt für Windows 10

13.05.2016 | 13:59 Uhr |

Die USA wollen die Rechner ihrer Armee auf Windows 10 umstellen. Doch es gibt Riesenprobleme: Die Hardware der US-Militär-PCs ist zu alt, oft läuft noch Windows XP auf den Maschinen.

Die Marines, also die Soldaten des Marineinfanteriekorps der US-Armee, sind die wirklich harten Kerle der US-Armee. Diese Haudegen sind immer da im Einsatz, wo es richtig weh tut. So eroberten Marines in blutigen Kämpfen die Insel Okinawa von den Japanern im zweiten Weltkrieg. Auch im Vietnamkrieg waren die US-Marinesoldaten schwer im Einsatz – der berühmte Antikriegsfilm Full Metal Jacket setzte dem Vietnameinsatz der Marines ein cineastisches Denkmal. Doch die berühmte Elitetruppe hat ein kurioses und ganz unmilitärisches Problem – veraltete Computer.

Windows-10-Update per Remote scheitert an alter Hardware

Wie verschiedene US-Medien berichten, kann das US Marinekorps nicht so schnell wie gewünscht auf Windows 10 umsteigen, weil die Computer der Marines teils völlig veraltete Hardware sind. Das Update-Desaster ist umso peinlicher für die nach Selbstdarstellung schlagkräftigste Armee der Welt (zahlenmäßig ist übrigens die Armee der Volksrepublik China größer), weil das Marinekorps die erste Teilstreitkraft der USA sein soll, die das Update auf Windows 10 durchführt. Bis 2017 sollen nach dem ursprünglichen Plan des US-Verteidigungsministeriums die meisten Militär-Rechner, auf den anscheinend noch Windows XP läuft, auf Windows 10 aktualisiert sein. Unter anderem auch deswegen, weil Windows 10 einen höheren Sicherheitsstandard als andere uralte Windowssysteme verspricht. Weil das Marinekorps deutlich kleiner als Heer, Luftwaffe und Marine ist, sollte dessen IT als erste umgerüstet werden. Zudem nehmen die Marines traditionell das Motto für sich in Anspruch, immer die ersten (im Angriff) zu sein – das passt also auch.

Doch jetzt sind die Marines erst einmal in der Defensive. Denn das Windows-10-Update auf die meisten im Einsatz befindlichen Windows-Rechner (Marine Corps Enterprise Network, MCEN) muss aus Zeitgründen per Fernzugriff erfolgen. Doch wie sich nun nach einer ersten Bestandsaufnahme herausstellte, können wahrscheinlich nur rund zehn Prozent der Rechner via Remote-Zugriff aktualisiert werden. Weil die Hardware bei den übrigens 90 Prozent dermaßen veraltet ist, dass man Windows 10 nicht einfach mal so eben aufspielen kann, sondern direkt am PC Hand anlegen beziehungsweise diesen komplett ersetzen muss. Sollten aber bei diesen vielen veralteten Rechnern hochbezahlte IT-Experten zusätzliche Maßnahmen direkt am PC durchführen müssen, so steigen dadurch auch erheblich die Kosten für das Update. Dem Verteidigungsministerium fehlt offensichtlich das Geld für diese Mehrkosten.

Das Verteidigungsministerium verhandelt nun mit Microsoft über eine Lösung des Problems. Anfang 2016 hatten das Verteidigungsministerium und Microsoft einen Vertrag über die Aktualisierung von vier Millionen Rechnern auf Windows 10 abgeschlossen. 2017 soll das Update eigentlich komplett durchgeführt sein.

Bei der Berechnung der voraussichtlichen Kosten könnte durchaus das Ergebnis herauskommen, dass es für die USA günstiger kommt, wenn die alten Rechner gleich ganz ausgemustert und durch neue Windows-10-PCs ersetzt werden. Es könnte also darauf hinauslaufen, dass rund zehn Prozent der vorhandenen PCs wie geplant via Remote-Update auf Windows 10 gehievt werden, viele andere durch einen IT-Support-Mitarbeiter (erst aufgerüstet und dann) von Hand mit Windows 10 versorgt werden und wieder etliche andere PC-Oldies durch neue Windows-10-Rechner ersetzt werden.

Diese Vorgehensweise müssen dann auch Heer, Luftwaffe und Marine sowie das Verteidigungsministerium umsetzen, nur eben mit viel mehr betroffenen Rechnern. Möglicherweise führt das dazu, dass die US Armee einen Teil ihrer bisherigen Desktop-Rechner durch schlanke Systeme ersetzt, die nur noch in der Cloud arbeiten und virtuelle Desktops verwenden.

Windows XP noch weitere 10 Jahre im Einsatz

Erschwert wird die Umrüstung der Rechner auch noch dadurch, dass teilweise spezielle Software zur Steuerung von Waffensystemen darauf läuft und dass viele Rechner rund um den Globus unterwegs sind – auf Kriegsschiffen und in U-Booten oder im militärischen Einsatz in irgendeinem Krisengebiet wie zum Beispiel Afghanistan. Auf vielen dieser rund um den Globus, zu Wasser und unter Wasser befindlichen Rechnern würde noch Windows XP oder sogar ein noch älteres Windows laufen. Diese Geräte - bis zu 20 Prozent des gesamten PC-Bestandes der US-Armee - würden täglich gebraucht und könnten nicht einfach mal so eben zurück in die USA gebracht werden. Deshalb gehen Experten der US-Armee davon aus, dass der Umstieg auf ein neueres Windows-System bei diesen 20 Prozent noch bis zu zehn Jahre dauern dürfte.

Windows XP und Windows 3.1

Übrigens ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass uralte Windowssysteme noch für produktive oder sogar sicherheitsrelevante Zwecke verwendet werden. So sind vier Atom-U-Boote der britischen Marine mit Windows XP unterwegs. Ein Flughafen in Paris arbeitet sogar noch mit Windows 3.1. Kurioserweise konnte Windows 3.1 kürzlich sogar an Verbreitung gewinnen.

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