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UMTS-Abschaltung: Spätestens Ende 2021 surfen viele langsamer

24.04.2020 | 08:22 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Spätestens Ende 2021 schaltet die Telekom 3G/UMTS ab. Das könnte für viele Handybesitzer fatale Folgen haben. Deutsche Autofahrer sollen aber nicht betroffen sein.

Die drohende UMTS-Abschaltung rückt näher. Die Deutsche Telekom will ihr UMTS-Netz spätestens Ende 2021 abschalten. Wer dann noch nicht auf LTE oder 5G umgestiegen ist, surft nur noch mit dem lahmen GPRS/Edge/2G-Tempo mobil weiter.

Derzeit nutzt die Deutsche Telekom noch 10 MHz für ihr 3G/UMTS-Mobilfunknetz. Doch 5 MHz will die Telekom jetzt für den Ausbau ihres LTE- und vor allem ihres 5G-Mobilfunknetzes verwenden: Telekom - 5G-Ausbau auf dem Land u.a. mit alten UMTS-Frequenzen. Somit bleiben noch 5 MHz für das doch schon sehr betagte UMTS-Netz übrig. Bei der Flächenabdeckung und dem Versorgungsgrad der Bevölkerung sollen sich laut Telekom aber keine Veränderungen ergeben.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Wegfall von 5 MHz die Qualität des UMTS-Netzes verschlechtert. Die Deutsche Telekom sagte uns dazu auf Nachfrage: „Unsere ausführlichen Tests haben gezeigt, dass trotz der Reduzierung des für 3G eingesetzten Spektrums, eine Geschwindigkeitsveränderung im täglichen Gebrauch kaum spürbar wird. Durch die zunehmende Verlagerung des Datenverkehrs aus dem 3G-Netz zu 4G (und 5G) bleibt die im 3G-Netz erlebbare Geschwindigkeit in der gleichen Größenordnung wie bisher.“

Und wie lange wird die Telekom überhaupt noch ein 3G-Mobilfunknetz anbieten? Dazu schreibt uns die Telekom: „In unseren AGB haben wir die Verfügbarkeit von 3G, vorbehaltlich einer Verlängerung, bis Ende 2020 garantiert. Einen genauen Abschalttermin können wir heute noch nicht nennen, bis spätestens Ende 2021 wollen wir jedoch das bisher für 3G verwendete Frequenzspektrum dann komplett für die leistungsfähigeren Technologien verwenden und 3G endgültig abschalten.“

Vodafone hat bisher keinen konkreten Abschalttermin für sein 3G-Netz in Deutschland genannt. Der Group-Technikchef Johan Wibergh gab 2017 bei einer Veranstaltung in London nur vage die Prognose ab, dass Vodafone „ungefähr 2020 oder 2021 mit der Abschaltung von 3G beginnen werde“.

Telefònica/O2 nennt „bis 2022“ als Zeitraum, in dem es noch 3G anbieten wolle. Auf unsere Nachfrage antwortete uns Telefónica folgendermaßen: "Wir werden unser Mobilfunkangebot auch weiterhin über die drei Netzstandards GSM, UMTS und LTE betreiben, während wir parallel mit dem 5G-Ausbau beginnen. Langfristig wird sich der Datenverkehr auf LTE und 5G konzentrieren. Unsere Pläne sehen daher vor, das 3G-Netz nicht später als 2022 abzuschalten."

Von der 3G/UMTS-Abschaltung sind Nutzer betroffen, die auf ihrem Handy nur 3G und noch nicht LTE nutzen können. Das sind übrigens gar nicht einmal so wenige: 3G-Abschaltung - 53 Prozent der Mobilfunk-Nutzer surfen bald im Schneckentempo . Ende 2018 waren in Deutschland laut Bundesnetzagentur nur 47 Prozent aller ausgegebenen SIM-Karten für Mobilfunknutzer LTE-fähig (50,5 Millionen SIM-Karten). Der Rest, also 53 Prozent oder 57 Millionen, waren damals tatsächlich noch mit 3G-SIM-Karten im Internet unterwegs (5G spielt damals noch keine Rolle)!

Wir haben bei der Bundesnetzagentur um neuere Zahlen für 2019 angefragt, doch die Bundesnetzagentur kann diese noch nicht zur Verfügung stellen. Erst mit dem Erscheinen des Jahresberichts für 2019 voraussichtlich im Mai 2020 werden wir also erfahren, wie viele 3G-SIM-Karten in Deutschland noch im Einsatz sind.

Deutsche Autofahrer sollten keine Auswirkungen bemerken

Auch der eCall im Auto läuft über 2G und 3G. Fällt 3G weg, bleibt nur noch 2G. Doch 2G wollen einige europäische Staaten ebenfalls abschalten. Die deutsche Automobilindustrie fordert deshalb das 2G/3G-Netz verbindlich bis 2035 aufrechtzuerhalten. Der VDA schreibt: „Die geplante Abschaltung hätte zur Folge, dass eine lebensrettende Technologie, die erst 2018 verpflichtend eingeführt worden ist, in bestimmten europäischen Ländern sogar in Neufahrzeugen schon ab 2020 nicht mehr flächendeckend funktionieren würde. Dies ist aus der Sicht der Automobilindustrie – und damit auch mit Blick auf viele Autofahrer - jedoch nicht akzeptabel. Ein Update der bestehenden eCall-Systeme ist in technischer Hinsicht nicht möglich; selbst für die Entwicklung von neuen eCall-Systemen auf Basis von 4G oder 5G fehlen derzeit verbindliche technische Standards.“

In einigen europäische Staaten wie der Schweiz, Schweden und den Niederlanden wird 2G zwar 2020 abgeschaltet und fällt damit als Rückfalllösung für 3G weg. Doch sowohl Telekom als auch Vodafone versicherten gegenüber der PC-WELT, dass sie in Deutschland nicht das 2G/GSM-Netz nicht abschalten wollen. Somit bliebe es für den eCall in PKWs als Ersatz bei einem Wegfall des 3G-Netzes vorhanden. Zumindest in Deutschland.

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