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TrutzBox als Chat-Server und für Web-Konferenz nutzbar

03.06.2016 | 09:28 Uhr |

Mit dem neuesten System-Update versehen, kann die TrutzBox nun auch als Server für Videokonferenzen sowie für XMPP-Chats dienen. Die TrutzRTC genannte Erweiterung befindet sich derzeit noch im Beta-Teststadium.

Die TrutzBox des hessischen Herstellers Comidio ist ein Heim-Server zum Schutz der eigenen Privatsphäre bei der Nutzung des Internet. Wir haben sie Ihnen bereits in einem ausführlichen Testbericht vorgestellt. Seitdem haben die Entwickler um Geschäftsführer Hermann Sauer weiter an den bereits angekündigten Funktionserweiterungen gearbeitet. Inzwischen betrachten sie TrutzRTC, eine Implementierung des Internet-Standards WebRTC, als so weit ausgereift, dass es per Software-Update für einen Benutzertest an alle TrutzBox-Kunden ausgeliefert worden ist.

Auf der TrutzBox läuft ein Linux auf Debian-Basis (Debian 8 „Jessie“), der Prozessor ist eine x86-kompatible CPU aus AMDs G-Serie. Soweit, so Standard – TrutzRTC ist jedoch zumindest in Teilen eine Comidio-Eigenentwicklung. Es implementiert zwei voneinander weitgehend unabhängige Funktionen. Die erste neue Funktion ist die als Chat-Server nach dem XMPP-Standard (auch als „Jabber“ bekannt). Die zweite hinzu gekommene Möglichkeit ist ein Service, der für Videokonferenzen per Browser genutzt werden kann. Beide kommen im Gegensatz zu anderen Lösungen ohne die Dienste eines fremden Anbieters aus, der zumindest feststellen könnte, wer da mit wem kommuniziert.

Der XMPP-Server der TrutzBox kann im Grunde mit beliebigen XMPP-Clients genutzt werden, die es für alle gängigen Betriebssysteme gibt, einschließlich Android und iOS. Alle Teilnehmer müssen jedoch über eine TrutzBox verfügen. Die Chat-Partner können im Heimnetz der als Server dienenden TrutzBox sitzen oder irgendwo auf der Welt. Die Verbindung mit einer anderen TrutzBox erfolgt über Hidden Services des Tor-Netzwerks, die Verbindungen sind TLS-/SSL-verschlüsselt, die Nachrichten werden mit PGP verschlüsselt. Die Kommunikation ist also gleich mehrfach vor Abhörversuchen geschützt.

Für eine Web-Konferenz (Audio- und Videokonferenz) wird hingegen nur eine TrutzBox benötigt, die als Server dient. Weitere Teilnehmer brauchen lediglich einen Web-Browser, der WebRTC unterstützt. Prinzipiell geeignet sind Firefox sowie Chrome, Opera und weitere auf Chromium basierende Browser. Firefox macht zuweilen noch Probleme, obwohl die aktuelle Version 46 mehr als 40 Bug-Fixes allein bei der WebRTC-Unterstützung mit auf den Weg bekommen hat. Die Teilnehmer können sich gegenseitig hören und sehen sowie einen Text-Chat nutzen. Auch die Freigabe des eigenen Bildschirminhalts (Screen-Sharing) für Demonstrationszwecke ist möglich.

Wir testen die neuen Features zurzeit und werden Ihnen in Kürze berichten, wie sich die TrutzBox als Kommunikations-Server macht. Soviel vorweg: die neuen Funktionen machen, trotz Beta-Testbetrieb, bereits einen recht stabilen und ausgereiften Eindruck. Die Testphase der TrutzBox als solcher ist seit Anfang April beendet. Der Preis liegt nunmehr bei 239,– Euro, hinzu kommt (wie schon bislang) eine Jahresgebühr von 60 Euro für die Dienste wie TrutzMail sowie für die Pflege der Filterlisten und die Update-Versorgung.


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