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Trump unterzeichnet TikTok-Dekret - droht Fortnite-Bann?

07.08.2020 | 12:49 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Der US-Präsident Donald Trump hat ein Dekret unterzeichnet, das ein Verbot von TikTok und WeChat in den USA vorsieht. Mit möglicherweise massiven Folgen auch für das Gaming. Es bleiben viele offene Fragen.

Der US-Präsident Donald Trump macht seine Drohung gegen TikTok und andere chinesische Apps wahr und hat eine sogenannte "Executive Order" unterzeichnet. In dem Dekret mit der Überschrift "Executive Order on Addressing the Threat Posed by TikTok" wird die Nutzung chinesischer Apps wie TikTok in den USA durch den US-Präsidenten offiziell zum "nationalen Notstand" erklärt, der so schnell wie möglich behoben werden müsse.

Konkret heißt es in dem Dekret:

Insbesondere die Verbreitung mobiler Anwendungen in den Vereinigten Staaten, die von Unternehmen in der Volksrepublik China (China) entwickelt wurden und sich in deren Besitz befinden, bedroht weiterhin die nationale Sicherheit, die Außenpolitik und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um der Bedrohung zu begegnen, die insbesondere von einer mobilen Anwendung ausgeht: TikTok.

In dem Dekret wird deshalb angeordnet, dass in 45 Tagen jegliche Transaktion mit ByteDance (dem Anbieter von TikTok) und allen Tochtergesellschaften verboten ist.

Über die genaue Auslegung des Dekrets wird zum Teil noch gerätselt. Derzeit wird davon ausgegangen, dass nach Ablauf der 45 Tage es Google und Apple nicht mehr gestattet ist, die TikTok-App über ihre App-Stores an die Nutzer auszuliefern. Unklar ist, wie  unter Android die Verbreitung der TikTok-App über andere Wege gestoppt werden könnte.

Der Betrieb von TikTok in den USA wäre weiterhin möglich, wenn Microsoft den Service von TikTok komplett übernehmen würde. Die entsprechenden Gespräche führte Microsoft bereits, dann aber erklärte der US-Präsident plötzlich, dass die US-Regierung finanziell an dem Deal beteiligt werden müsse. Siehe unseren Bericht: Trump fordert Geld von Microsoft für Tiktok-Deal

Dekret auch gegen WeChat von TenCent - mit möglicherweise massiven Folgen für das Gaming

Nach dem Android-Verbot für Huawei nimmt der US-Präsident Trump damit TikTok noch stärker ins Visier. Der Präsident hat aber auch noch ein zweites Dekret unterzeichnet, welches sich ausdrücklich gegen den chinesischen Messenger WeChat richtet, der ebenfalls nach Ablauf der 45 Tage in den USA verboten werden soll. WeChat gehört zu Tencent Holdings und ist eigentlich vor allem in China weit verbreitet.

In dem Dekret wirft US-Präsident Trump TikTok (und auch WeChat) vor, "riesige Mengen an Informationen" über US-Bürger zu sammeln, inklusive deren Daten über Internet- und Netzwerkaktivitäten, Standortdaten und Browsing- und Suchhistorien. Diese Informationen könnten der Kommunistischen Partie Chinas möglicherweise dabei helfen, die Standorte von Bundesangestellten und Auftragnehmern zu verfolgen, um unter anderem damit persönliche Dossiers für Erpressungen zu erstellen oder Unternehmensspionage zu betreiben. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Kommunistische Partei Chinas die über die Apps verbreiteten Inhalte zensiere, wenn es sich um für sie politisch heikle Informationen handle. Etwa wie im Zusammenhang mit den Protesten in Hongkong oder dem Umgang der chinesischen Regierung mit muslimischen Minderheiten.

Droht Spielverbot für League of Legends und Epic Games?

In dem zweiten Dekret ist bisher nur WeChat von Tencent betroffen. Sollte Trump allerdings das Verbot auf weitere Produkte des chinesischen Unternehmens Tencent ausweiten, dann wären die Folgen für das Gaming massiv.

Direkt betroffen wäre etwa das äußerst beliebte League of Legends, welches von Riot Games stammt. Die Entwickler gehören zu Tencent. Und da wäre noch Epic Games: Tencent hält eine Beteiligung von etwas über 40 Prozent an Epic Games und ist an der Entwicklung von Fortnite damit beteiligt. Die Mehrheit an Epic Games hält allerdings der Gründer Tim Sweeney mit über 50 Prozent.

 

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