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Tomtom entlässt jeden 10ten Mitarbeiter – die Gründe

02.06.2022 | 17:13 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Nach Klarna nun also Tomtom: Der niederländische Navigationsspezialist entlässt 10 Prozent seiner Mitarbeiter. Ist Deutschland betroffen?

Tomtom hat in einer Pressemitteilung in einem einzigen Satz fast schon beiläufig erwähnt, dass der niederländische Navigationsspezialist 10 Prozent seiner Mitarbeiter weltweit entlässt ( erst vor wenigen Tagen hat auch Klarna 10 Prozent seiner Mitarbeiter weltweit entlassen ). Dieser Satz lautet: „Bedauerlicherweise wird sich dies auf etwa 500 Mitarbeiter in unserer Kartenabteilung auswirken, was etwa 10 % unserer gesamten weltweiten Mitarbeiterzahl entspricht.“

Welche Standorte sind betroffen?

Tomtom gibt in seiner Pressemitteilung keine Angaben dazu, welche Standorte in welchen Ländern konkret wie stark betroffen sind. Es dürften aber wohl Menschen in 20 Ländern weltweit betroffen sein, wie in der Szene gemunkelt wird. In Deutschland arbeitet Tomtom wohl am Standort Hannover am Thema Karten. Dort könnte es demnach zu einem Stellenabbau kommen. Das ist aber eine reine Vermutung von uns und von Tomtom nicht bestätigt. Insgesamt befinden sich die Karten-relevanten Standorte aber eher nicht in Deutschland. Deutschland dürfte von dem Stellenabbau also vermutlich weniger stark betroffen sein.

Diesen Grund nennt Tomtom

In der restlichen Pressemitteilung vermeidet Tomtom Worte wie "Entlassungen" oder "Stellenabbau" und spricht dagegen nur von einer Verbesserung der Kartenerstellungstechnologie und von einer Neuausrichtung. Eine Begründung für die Entlassungen nennt Tomtom aber durchaus: "Technische Investitionen haben zu einer fortschrittlichen automatisierten Kartenerstellungsplattform geführt, die eine wesentliche Veränderung der Kartenerstellungsaktivitäten zur Folge hat." Und weiter: "Ein höherer Automatisierungsgrad und die Integration einer Vielzahl digitaler Quellen werden zu frischeren und reichhaltigeren Karten mit größerer Abdeckung führen. Diese besseren Karten werden unser Produktangebot verbessern und es uns ermöglichen, einen breiteren Markt anzusprechen, sowohl im Automobil- als auch im Unternehmensbereich."

Dann folgt der entscheidende Satz: "Die Verbesserung unserer Kartenerstellungstechnologie wird zu erheblichen Effizienzsteigerungen führen." Mit anderen Worten: Tomtom benötigt zum Erstellen seiner Karten nicht mehr so viele Menschen wie früher und entlässt dementsprechend Mitarbeiter.

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Analysten vermuten laut Reuters, dass vor allem schlechter bezahlte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen.

Mögliche weitere Gründe

Tatsächlich dürften aber noch ganz andere Gründe eine Rolle spielen bei diesem massiven Stellenabbau. Denn die Zeit der Stand-Alone-Navigationsgeräte neigt sich dem Ende zu. Diese auch als PND bezeichneten Geräte kauft kaum noch jemand. Immer leistungsfähigere Smartphones mit immer besseren Navigations-Apps wie Google Maps ( ausführlicher Test ) verdrängen die klassischen Navigationsgeräte immer mehr vom Markt. Zumal im direkten Vergleich jedes Smartphones reaktionsschneller und leistungsfähiger als ein PND ist, wie auch unser Test immer wieder zeigt: Tomtom Go Camper im Dauertest.

Ausgenommen von dem Rückgang der Verkaufszahlen sind natürlich die Festeinbauten in den Fahrzeugen ab Werk. Doch wenn Tomtom-Kunden wie VW oder Renault wegen ihrer Lieferschwierigkeiten weniger Autos ausliefern können, schlägt das auch auf Tomtom zurück. Ebenso könnten Lieferengpässe bei den Chips Tomtom die eigene Fertigung erschweren. Darauf weist die FAZ hin.

Tomtom-Apps

Tomtom bietet übrigens auch Navigations-Apps an, die teilweise sogar kostenpflichtig sind. Wir stellen die Tomtom-Apps hier vor: Diese Tomtom-Navi-Apps gibt es - gratis, kostenpflichtig, Vor- und Nachteile.

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