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Tesla rudert zurück: Keine Spiele mehr während der Fahrt

27.12.2021 | 10:55 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Tesla gibt dem Druck nach und unterbindet das Spielen während der Fahrt per Software-Update.

Update 27.12.: Tesla stoppt das Spielen während der Fahrt

Die Washington Post berichtet , dass Tesla die US-Behörde National Highway Traffic Safety Administration darüber informiert habe, dass Fahrer und Beifahrer nicht mehr länger während der Fahrt auf dem Touchscreen im Fahrzeug spielen können. Tesla werde die entsprechende Funktion mit einem Software-Update ändern. Die Funktion „Passenger Play“ würde dann nur noch bei stehendem Auto das Spielen erlauben.

Die National Highway Traffic Safety Administration führt ihre Untersuchung aber fort. Deutsche Behörden dagegen hatten auf dieses ernste Problem nicht reagiert. Das Kraftfahrtbundesamt KBA verwies darauf (siehe unten), dass die entsprechende niederländische Behörde zuständig sei. Das Bundesverkehrsministerium wiederum hatte sich überhaupt nicht zu dem Problem geäußert.

Update 23.12.: 580.000 Tesla-Fahrzeuge können betroffen sein

Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) untersucht über eine halbe Million in den USA zugelassene Tesla-Fahrzeuge auf das Problem/Risiko, dass der Fahrer während der Fahrt auf dem Touchscreen spielen kann. Die fraglichen Fahrzeuge wie beispielsweise dieses Model 3 wurden seit 2017 verkauft. Konkret handelt es sich um zirka 580.000 Tesla Model 3, Model S, Model X und Y der Modelljahre 2017 bis 2022, in denen der Fahrer während der Fahrt auf dem Touchscreen spielen kann.

Neben dem Spielen ist dem Fahrer wohl auch die Benutzung des Internet-Browsers während der Fahrt möglich. Voraussetzung ist, dass in dem Tesla „Passenger Play“ vorhanden ist. Durch ein Software-Update im Sommer 2021 wurde diese Funktion anscheinend so verändert, dass nun auch der Fahrer während der Fahrt spielen und surfen kann - bis zu diesem Update ließen sich die Spiele und der Browser nur bei stehendem Fahrzeug starten.

Während die US-Aufsichtsbehörde diesem Problem nachgeht, passiert in Deutschland nichts. Das Kraftfahrtbundesamt KBA sieht sich als nicht zuständig und verweist auf die entsprechende Behörde in den Niederlanden. Und das mittlerweile von der FDP geführte Bundesverkehrsministerium reagiert auf unsere diesbezüglichen Anfragen nicht.

Tesla selbst gab auf unsere Anfrage keine Stellungnahme ab.

Update 13.12.: Kraftfahrtbundesamt KBA antwortet lange, bleibt aber vage

Wir haben das Kraftfahrtbundesamt KBA und das Bundesverkehrsministerium um eine Stellungnahme dazu gebeten, dass Tesla es jetzt ermöglicht drei Spiele während der Fahrt zu spielen - auch vom Fahrersitz aus. Das Verkehrsministerium hat noch nicht geantwortet, was möglicherweise am Regierungswechsel in Berlin liegt. Das KBA dagegen hat uns heute eine Antwort geschickt. Diese geben wir im vollen Wortlaut wieder:

"Im europäischen Typgenehmigungssystem agieren die europäischen Typgenehmigungsbehörden auf Basis der selben Rechtsnormen (EU Verordnungen). Eine von einer europäischen Typgenehmigungsbehörde erteilte Typgenehmigung ist von allen anderen Mitgliedstaaten anzuerkennen. Tesla hat seine Typgenehmigung von der Niederländischen TG-Behörde erhalten. Die Fahrzeuge entsprechen damit insofern den geltenden Genehmigungsanforderungen. Die Fahrzeuge beinhalten Fahrerassistenzsysteme, die dem Level 2 zuzuordnen sind. Das bedeutet, dass der Fahrer jederzeit in der Verantwortung bzgl. der Fahraufgabe steht. Das KBA hat jüngst erstmals ein automatisches Spurhaltesystem genehmigt, das dem Level 3 entspricht (damit meint das KBA diese Meldung: Mercedes-Fahrer darf Mails lesen und Film anschauen während der Fahrt, Anm. der Redaktion).
 
Der Hersteller seinerseits ist grundsätzlich verpflichtet, produktionsseitige Veränderungen an einem typgenehmigten Fahrzeug zu melden und ggfs. einen Nachtrag für die entsprechenden Veränderungen zu beantragen. Er muss sicherstellen, dass die Fahrzeuge, die er hergestellt hat und die in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wurden, gemäß den genehmigungsrechtlichen Anforderungen hergestellt und genehmigt worden sind.
 
Darüber hinaus werden Änderungen an Fahrzeugen nach Erstzulassung in Deutschland unter dem Blickwinkel des §19 der StVZO betrachtet. In diesem Zusammenhang wird dort u.a. ausgesagt, dass die Betriebserlaubnis nach Änderungen erhalten bleibt, solange dadurch keine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist oder das Geräuschverhalten verschlechtert wird. Die Ausführung dieser Vorschrift obliegt grundsätzlich nationalen Behörden.
 
Für Veränderungen am Fahrzeug nach Erstzulassung sind grundsätzlich die jeweils nach Landesrecht zuständigen Behörden zuständig. Diese setzen dies mit ihren Zulassungsbehörden durch und betrauen die Überwachungsorganisationen mit Untersuchungen der Fahrzeuge z.B. in zweijährlichen Hauptuntersuchungen.

Unbenommen dieser Zuständigkeit führt das KBA als Marktüberwachungsbehörde regelmäßige Kontrollen durch, um nachzuprüfen, ob Fahrzeuge die einschlägigen Anforderungen der Vorschriften erfüllen. Diese Kontrollen werden in angemessenem Umfang d.h. unter Berücksichtigung von Risiken und Beschwerden durch Überprüfung der Unterlagen sowie ggf. durch Prüfungen im Labor und auf der Straße stichprobenartig durchgeführt.
 
Das KBA als Typgenehmigungs- und Marktüberwachungsbehörde befindet sich derzeit im Austausch mit RDW (das Rijksdienst voor het Wegverkeer , Anm. der Redaktion) sowie dem betroffenen Hersteller und hat in diesem Zusammenhang weitere Informationen zu der Thematik angefordert. Zudem führt das KBA zurzeit Prüfungen zu verschiedenen Funktionalitäten an Teslafahrzeugen durch. " Zitat Ende

So weit die ausweichende und an entscheidenden Stellen wenig hilfreiche Antwort des KBA, das auf die zuständige niederländische Zulassungsbehörde verweist. Man spürt deutlich, dass die deutschen Behörden von dem Vorgehen von Tesla überrascht werden. Als wir nachgefragt haben, ob das KBA denn nun konkret sich einige Teslas besorgen werde und diese daraufhin überprüfen werde, ob die drei Spiele sich während der Fahrt spielen lassen, blieb uns das KBA erneut eine konkrete Antwort schuldig. Wir wissen also nicht, ob das KBA einige Teslas auf diesen Sachverhalt hin überprüft oder sich hier ganz auf die Niederländer verlässt. Ingesamt machen die deutschen Behörden einen ziemlich überforderten Eindruck: Das KBA verweist auf die niederländischen Behörden und lehnt es ab zu sagen, ob und wie es konkret nachprüft, ob man die besagten drei Spiele in einem in Deutschland zugelassenen Tesla spielen kann. Und das Verkehrsministerium antwortet überhaupt nicht.

Update Ende

Update 9.12.: Die U.S. National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) reagiert laut Reuters auf die Berichte, wonach Tesla-Fahrer tatsächlich während der Fahrt auf dem Touchscreen ihres Fahrzeugs eines von drei Spielen (siehe unten) zocken können. Die US-Behörde bringt gegenüber Tesla ihre sicherlich berechtigte Sorge darüber zum Ausdruck, dass der Fahrer durch das Spielen während der Fahrt abgelenkt werden könnte. Die NHTSA erklärte, dass sie dieses „Feature“ mit Tesla jetzt besprechen würde.

Tesla hatte gegenüber Reuters zuvor erklärt, dass die Spiele über ein Over-The-Air-Update im Sommer 2021 auf die meisten Fahrzeuge gelangt seien.

Zwar erscheine nach dem Start eines der drei Spiele ein Warnhinweis, wonach das Spielen nur für die Mitfahrer erlaubt sei. Doch diesen Warnhinweis könne auch der Fahrer wegklicken, indem er einfach auf dem Button klickt, mit dem er bestätigt, dass er nur ein Mitfahrer sei.

Die US-IT-Nachrichtenseite The Verge hat die Vorwürfe in den USA an einem Tesla Model 3 überprüft und laut eigenen Angaben festgestellt: Die drei Spiele Sky Force Reloaded, Solitaire und The Battle of Polytopia lassen sich tatsächlich während der Fahrt vom Fahrersitz aus spielen. Der vorher angezeigte Hinweis, dass man nur ein Mitfahrer sei, lässt sich problemlos vom Fahrer antippen. The Verge weist außerdem daraufhin, dass man schon länger andere Anwendungen wie ein Malprogramm und den Karaoke-Modus während der Fahrt nutzen kann. Auch dort erscheint nur ein Hinweis, dass man diese nicht als Fahrer während der Fahrt nutzen dürfe.

Update Ende

Ursprüngliche Meldung vom 8.12.2021

Jeder Tesla hat eine Reihe von Spielen an Bord, mit denen sich die Insassen die Zeit vertreiben können, während der Tesla beispielsweise am Supercharger aufgeladen wird. Diese Spiele haben wir in unseren Testberichten zum Tesla Model 3 und Tesla Model Y sowie in unserem Testvideo zum Tesla Model 3 vorgestellt. Wir haben diese Spiele selbstverständlich nur gespielt, wenn unsere Testfahrzeuge geparkt waren:

Für rund 64.000 Euro bekommt ihr im neuen Tesla Model 3 Performance jede Menge Technik-Schnickschnack. Und in unserem Test stellen wir schnell fest: Tesla nimmt sich selbst nicht allzu ernst und spendiert dem E-Auto jede Menge Features, über die man nur lachen kann: Blinker mit Furzgeräuschen, Videospiele oder ein Lagerfeuer für "romantische" Stunden auf der Autobahn. Was der Wagen noch so kann, erfahrt ihr in diesem Video.

► Hier geht's zum Test-Bericht:
www.pcwelt.de/produkte/Tesla-Model-3-im-Test-Irre-Beschleunigung-rasanter-15-Zoeller-und-always-online-10643706.html

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Doch nun wurde entdeckt, dass der Fahrer drei dieser Spiele auf seinem großen Fahrzeug-Touchscreen spielen kann, während der Tesla fährt! Das berichtet die New York Times und darauf basierend auch Engadget. Das sei laut den Berichten möglich, seit Tesla im Sommer 2021 ein Software-Update auf die Fahrzeuge ausgespielt hat. Vor diesem Update erlaubte der Tesla das Spielen während der Fahrt nicht, doch seit dem Sommer-Update soll es möglich sein, dass der Fahrer

  • Solitaire

  • Sky Force Reloaded

  • The Battle of Polytopia: Moonrise

während der Fahrt spielen könne.

Zwar zeige der Touchscreen beim Start zum Beispiel von Solitaire die Warnung an, dass das Spielen während der Fahrt nur für die Mitfahrer erlaubt sei. Und die Spieler müssen danach ausdrücklich bestätigen, dass sie nur Mitfahrer seien. Doch auch der Fahrer kann den entsprechenden Bestätigungs-Button antippen und danach das Spiel spielen, während der Tesla unterwegs ist. Zudem geht aus diesem Hinweis hervor, dass Tesla sich dieser Tatsache bewusst ist. Denn anders würde dieser Warnhinweis keinen Sinn ergeben.

Ablenkung während der Fahrt ist ein Killer

Doch selbst wenn tatsächlich nur die Person auf dem Beifahrersitz spielt, kann das Geschehen auf dem Touchscreen den Fahrer ablenken. Ablenkung wiederum ist einer der Hauptgründe für schwere Verkehrsunfälle. Zwar denkt man dabei in erster Linie an Fahrer und Fahrerinnen, die von einem Handy während der Fahrt abgelenkt werden: Mehr Verkehrs-Tote wegen Handys – aktueller Fall vor Gericht und Ablenkung am Steuer ist ähnlich gefährlich wie Alkohol . Doch der fest im Fahrzeug verbaute Bildschirm kann den Fahrer genauso ablenken. Insbesondere dann, wenn auf dem Bildschirm ein spannendes Spiel läuft. Oder der Fahrer selbst spielt.

Die New York Times schreibt, dass weder Tesla noch Elon Musk bisher auf eine entsprechende Anfrage der Zeitung eine Stellungnahme abgegeben haben.

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