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Tesla darf deutsche Firma ATW übernehmen

21.10.2020 | 11:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Tesla will eine weitere deutsche Firma aufkaufen und damit vor der Schließung retten: ATW. Einen Batterie-Anlagenbauer, der bisher BMW, Daimler und VW beliefert. 210 Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz könnte Tesla damit retten. Das Bundeskartellamt hat jetzt zugestimmt.

Update 21.10.2020: Das Bundeskartellamt hat dem Einstieg von Tesla bei ATW in Neuwied in Rheinland-Pfalz zugestimmt. Das berichtet unter anderem die FAZ. Dabei soll es sich um eine "Fusion" handeln. Update Ende

Wie verschiedene deutsche Medien wie TheEuropean berichten , will Tesla ein weiteres deutsches Unternehmen kaufen. Dabei soll es sich um "Assembly & Test Europe" (ATW) aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied. ATW hat derzeit rund 210 Mitarbeiter. Laut der Welt prüft das Bundeskartellamt derzeit einen so genannten “Kontrollerwerb“: Tesla möchte als zumindest die Mehrheit der Anteile an ATW übernehmen. Denn das deutsche ATW ist nicht selbstständig, sondern gehört dem kanadischen ATS-Konzern („Automation Tooling Systems“). ATS hat laut Welt immerhin bestätigt, dass man eine Vereinbarung geschlossen habe, um „bestimmte Unternehmensteile zu verkaufen und Mitarbeiter eines deutschen Tochterunternehmens an eine dritte Partei zu transferieren“.

ATW ist wirtschaftlich angeschlagen und ATS hatte erst im September 2020 die Schließung des deutschen Tochterunternehmens angekündigt. Da ATW rote Zahlen schreibt, was laut ATW an den hohen Kosten für Investitionen in neue Technologien liege - womit der Batteriefertigungssektor gemeint ist. Die Coronakrise dürfte ebenfalls zur wirtschaftlichen Schieflage von ATW beigetragen haben.

ATW stellt Produktionsanlagen für die Autoindustrie her, vor allem Getriebemontageanlagen. In den letzten Jahren hat sich ATW aber auch auf die Herstellung von Anlagen für die automatisierte Produktion von Batterie-Packs konzentriert. In solchen Batterie-Packs werden die von den asiatischen Zulieferern angelieferten Batteriezellen verbaut. ATW beliefert derzeit BMW, Daimler und Volkswagen, aber auch andere Zulieferer wie Magna und ZF. Zuletzt konnte ATW ein wachsendes Auftragsvolumen aus diesem Bereich melden.

Tesla besitzt in Deutschland bereits ein mittelständischen Unternehmen aus dem Bereich Automobil-Zulieferer/Anlagenbau: Tesla Grohmann Automation . Diese deutsche Tesla-Tochter liegt nur knapp etwas über 100 Kilometer entfernt von ATW.

Sollte Tesla tatsächlich ATW übernehmen, müssen sich BMW, Daimler und VW vielleicht bald einen anderen Zulieferer suchen. Denn als Tesla Grohmann vor einigen Jahren übernommen hat, kündigte Elon Musk dessen bestehende Verträge mit anderen deutschen Automobilherstellern. Grohmann arbeitet seitdem nur noch für Tesla, was angesichts der steigenden Absatzzahlen von Tesla durchaus berechtigt ist. ATW würde dann eben nicht mehr die deutschen Autobauer mit Anlagen beliefern, sondern stattdessen die Gigafactory 4 in Grünheide und weitere geplante Teslawerke in den USA mit Anlagen versorgen.

Weder Tesla noch ATW noch ATS haben bisher aber offiziell die Übernahme von ATW durch Tesla bestätigt.

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