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Telekom & Vodafone gemeinsam gegen LTE-Lücken: Kartellamt skeptisch

10.09.2020 | 10:21 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Deutsche Telekom und Vodafone wollen bei der Verbesserung ihrer LTE-Netze zusammenarbeiten. Doch das Kartellamt hat Bedenken.

Deutsche Telekom und Vodafone gaben Anfang 2020 bekannt, dass sie beim Schließen von Lücken – der so genannten „grauen Flecken“ - in ihren Mobilfunknetzen zusammenarbeiten wollen. An rund 4000 Standorten in ländlichen Regionen und entlang der Verkehrswege wollen die beiden Mobilfunk-Unternehmen durch „aktives Network-Sharing“ (Multi-Operator-Core-Network-Ansatz, MOCN) Funklöcher im LTE-Netz beseitigen. Dabei handelt es sich um Standorte, an denen bisher immer nur eines der beiden Unternehmen LTE anbietet. Der jeweils andere Anbieter würde dann also künftig die Sendemasten des Konkurrenten für sein LTE-Netz mitverwenden (Hinweis: Die Mobilfunkunternehmen sprechen von „grauen Flecken“, wenn an einem Standort kein LTE verfügbar ist. Als „weiße Flecken“ bezeichnen die Mobilfunkunternehmen Standorte, an denen es überhaupt keinen Handyempfang gibt). Für Kunden von deutscher Telekom oder Vodafone klingt das vielversprechend, doch was ist mit O2-Nutzern? Das denkt sich wohl auch das Bundeskartellamt…

Denn das Handelsblatt berichtet, dass das Bundeskartellamt Bedenken wegen dieser Kooperation hat. Das Kartellamt würde derzeit mit Telekom, Vodafone und „weiteren Marktteilnehmern“ – womit sicherlich vor allem Telefónica/O2, vermutlich aber auch 1&1 Drillisch gemeint sind - reden. Das Kartellamt wolle prüfen, ob die Konkurrenten durch diese Zusammenarbeit von Telekom und Vodafone benachteiligt werden. Das Kartellamt befürchtet, dass sich diese „gegenseitige Bevorzugung von Telekom und Vodafone abschottend auswirken und wettbewerbliche Vorstöße der anderen Anbieter erschweren“ könnte. Das könnte den Wettbewerb zwischen den Mobilfunkunternehmen zu Lasten des Verbrauchers einschränken.

Telefónica/O2 bietet bereits jetzt eine schlechtere Netzabdeckung als Deutsche Telekom oder Vodafone. Dieser Rückstand könnte sich durch die Zusammenarbeit von Telekom und Vodafone bei den 4000 „grauen Flecken“ noch vergrößern. 1&1 Drillisch wiederum besitzt überhaupt noch kein eigenes Mobilfunknetz.

Laut Handelsblatt verteidigt Vodafone die Zusammenarbeit mit der Telekom. Die technische Umsetzung der Mitbenutzung des jeweils anderen Netzes sei so komplex, dass das nur in einer bilateralen Kooperation machbar sei. Doch Vodafone sei auch für ähnliche Vereinbarungen mit Telefónica/O2 und 1&1 Drillisch offen, zitiert das Handelsblatt einen Vodafonesprecher.

Die Deutsche Telekom hat für den Betrieb ihrer Sendeanlagen eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, die Deutsche Funkturm. Diese betreibt die über 30.000 Mobilfunkstandorte der Telekom und kümmert sich um den Netzausbau.

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