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Telekom & Telefónica: Keine Anschläge auf 5G-Masten wegen Corona

07.04.2020 | 08:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Mobilfunk-Sendemasten wurden angezündet. Die Täter behaupten, dass die neue 5G-Mobilfunktechnik das Coronavirus verbreiten würde. Update: Das sagen Telefónica und Telekom zur Lage in Deutschland.

In Großbritannien wurden Mobilfunk-Sendemasten angezündet. Die Täter sehen offensichtlich einen Zusammenhang zwischen der neuen 5G-Mobilfunktechnik und der Verbreitung des Coronavirus Sars CoV2 und der Covid-19-Pandemie.

Wie die BBC berichtet, legten unbekannte Täter Feuer an Mobilfunk-Sendemasten in Birmingham, Liverpool und Melling in Merseyside. Auf Youtube und Facebook wurde laut der BBC zudem ein Video geteilt, das Bezug nimmt zu dem Brand in Aigburth, einem Vorort von Liverpool. Daraus geht hervor, dass die Brandstifter einen Zusammenhang zwischen der Mobilfunk-Technologie und der Covid-19-Pandemie herstellen. Die britische Regierung bezeichnet diese Vorwürfe als „gefährlichen Unsinn“. Das britische Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport betont in einem Tweet, dass es überhaupt keinen glaubwürdigen Beweis für einen Zusammenhang zwischen 5G und Corona geben würde.

Wie immer bei einer neuartigen Bedrohung machen auch zu Corona sofort Verschwörungstheorien die Runde. Die gängigste Behauptung lautet, dass 5G die Verbreitung von Sars CoV2 unterstützen beziehungsweise beschleunigen würde. Zum einen, so die Verschwörungstheorie, weil 5G das Immunsystem der Menschen schwächen würde. Zum anderen, weil Viren via Funkwellen miteinander kommunizieren könnten. Ausgangsbasis für diese Theorie ist eine allerdings umstrittene Untersuchung, dass Bakterien (nicht Viren wie Sars CoV2) elektromagnetische Strahlung/Radiowellen erzeugen können, um miteinander zu kommunizieren.

Diese Verschwörungstheorie lässt sich denkbar einfach widerlegen: Demnach würde es Infektionen mit dem Coronavirus nur in Gegenden mit 5G-Mobilfunknetzen geben. Doch diese 5G-Netze sind derzeit sehr selten, Corona dagegen tritt auch in Gegenden ohne 5G auf.

Speziell bei der Sendeeinrichtung in Aigburth ist obendrein zweifelhaft, ob dort überhaupt 5G-Technik verbaut ist. Der ebenfalls angegriffene Sendemast in Birmingham sendet laut Reuters nur für 2G, 3G und 4G, besitzt derzeit aber noch keine 5G-Technik. In Großbritannien seien zudem auch schon Mobilfunk-Techniker bedroht worden, weil 5G Corona verbreiten würde.

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Vodafone Deutschland bringt noch eine andere Variante dieser Verschwörungstheorie: „Laut dieser Verschwörungstheorie sei das Coronavirus eine Erfindung, um die gesundheitlichen Folgen zu vertuschen, die durch Einführung des Mobilfunkstandards 5G in Wuhan verursacht wurden.“

Mit anderen Worten: 5G wurde eingeführt, prompt bekommen Menschen dadurch Fieber, Lungenentzündung und sterben unter Umständen daran. Also setzt man das Gerücht in Umlauf, dass ein neues Virus namens Sars CoV2 daran schuld sei…

Vodafone sagt dazu: „Das Virus steht weder in Zusammenhang mit Mobilfunk im Allgemeinen noch mit dem neuen Übertragungsstandard 5G. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und auch das Bundesamt für Strahlenschutz gehen davon aus, dass Mobilfunk-Strahlung nach derzeitigem Kenntnisstand und im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte kein gesundheitliches Risiko darstellt. Bei Vodafone gilt: Sowohl in Bezug auf unsere Funkanlagen wie auch für unsere Endgeräte hat der sichere Betrieb zum Schutz der Anwohner, unserer Kunden und unserer Mitarbeiter höchste Priorität. Wir verlassen uns dabei auf das Urteil von Fachexperten sowie transparente Forschung und vertrauen auf die darauf basierenden Grenzwerte für einen sicheren Mobilfunk. Denn entscheidend ist nicht der Mobilfunk-Standard, sondern sind Frequenzbereich und Intensität.“

Gibt es auch in Deutschland Anschläge auf 5G-Mobilfunkmasten, die mit Verschwörungstheorien rund um die Coronakrise zusammenhängen? Wir fragten bei den Mobilfunkunternehmen nach. Ein Sprecher von Telefónica Germany antwortete uns: "Beschädigungen von Mobilfunkstandorten etwa durch Brandstiftung kommen glücklicherweise sehr selten vor und dabei handelt es sich in der Mehrheit um Akte des Vandalismus. Eine Zunahme sehen wir aktuell nicht."

Eine Sprecherin der Deutschen Telekom sagte uns: „Zu solchen Vorfällen liegen mir keine Informationen vor. Es gibt durchaus immer wieder einmal Fälle von Vandalismus – unabhängig von der Netztechnologie dahinter. Aktuell stellen wir aber keine Veränderung fest.“

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