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Studie: Facebook gefährdet die öffentliche Gesundheit

20.08.2020 | 10:15 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Facebook gefährdet die öffentliche Gesundheit. Das ist das Ergebnis einer Studie, die untersucht, wie Facebook gegen medizinische Falschinformationen vorgeht.

Das Kampagnennetzwerk Avaaz hat laut Spiegel Online ein Netzwerk aus 42 Facebookseiten und 82 Webseiten unter die Lupe genommen, die falsche oder irreführende Informationen zu medizinischen Themen verbreiten. Allein im April 2020 sollen die 42 Facebookseiten dieses Netzwerkes in den USA, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien 460 Millionen Mal aufgerufen worden sein. Die deutschsprachigen Seiten dieses Netzwerkes sollen 2019 128 Millionen Mal aufgerufen worden sein. Das bedeutet: Millionen Facebooknutzer haben falsche medizinische Informationen gelesen. Und glauben dieses Pseudowissen vielleicht sogar.

Avaaz spricht in diesem Zusammenhang von „professionellen ‚Superspreadern‘ von Falschinformationen“. Facebook würde offensichtlich daran scheitern dafür zu sorgen, dass die Menschen über Facebook zuverlässige Informationen zu medizinischen Themen erhalten. Facebook „stelle eine Gefahr für die weltweite öffentliche Gesundheit dar“, so das kritische Fazit der englischsprachigen Studie, die Sie hier nachlesen können .

Die Kritik von Avaaz bezieht sich nicht nur auf Informationen zu Corona/SARS-CoV-2 auf Facebook, sondern auch zu Krebs und Impfungen. So würden über die kritisierten Facebookseiten auch wissenschaftlich nicht überprüfte Aussagen zur Heilung von Krebs verbreitet. Zum Beispiel die Behauptung, dass alkalisches Wasser Krebs töte.

Avaaz kritisiert, dass die pseudowissenschaftlichen Facebookseiten deutlich besser geklickt werden würden als die offiziellen Informationsseiten, die Facebook zu medizinischen Themen im Newsfeed anzeige. Die Aktivisten kritisieren, dass der Facebook-Algorithmus zur Anzeige von Informationen zu medizinischen Themen die Falschinformationen nicht konsequent genug aussortieren würde. Außerdem würde Facebook „nur 16 Prozent der von Avaaz als Falschmeldungen zu Gesundheitsfragen eingestuften Beiträge mit einem Warnhinweis versehen“. Facebook entgegnet laut Spiegel Online, dass die Studie die Bemühungen von Facebook gegen Falschinformationen nicht angemessen wiedergeben würde und die Warnhinweise durchaus gut funktionieren würden.

Avaaz fordert dagegen, dass Facebook nicht nur Warnhinweise neben Posts anzeige, sondern auch Nutzern, die Falschmeldungen in ihrem Feed angesehen, geliket oder verbreitet haben, später eine Richtigstellung anzeige.

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