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Studie: 5G-Ausbau nimmt 2020 Fahrt auf

28.08.2019 | 15:52 Uhr |

Gartner geht davon aus, dass der weltweite Umsatz mit 5G-Equipment bis 2020 auf 4,2 Milliarden Dollar ansteigt – 89 Prozent mehr als für dieses Jahr erwartet wird. Das vielversprechende, aber nicht einfache Geschäft mit Technik für private 5G-Netze ist dabei noch nicht mal in der Prognose enthalten.

Nach Schätzungen der Marktforscher von Gartner werden die Mobilfunkausrüster in diesem Jahr gerade einmal sechs Prozent ihrer gesamten Einnahmen mit 5G-Technik machen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass derzeit weltweit lediglich sieben Prozent aller Mobilfunkanbieter 5G im Einsatz haben. So sind die Dienste aktuell nur in Teilen der USA, Südkorea und einigen europäischen Ländern, darunter die Schweiz, Finnland und Großbritannien, bereits verfügbar.

Außerdem verweist Sylvain Fabre, Senior Research Director bei Gartner, darauf, dass die Netzbetreiber bei ihren aktuellen 5G-Deployments keine eigenständige Technik verwenden. Der Grund, so Fabre: "Da 5G-NR-Equipment (New Radio) parallel zur bestehenden 4G-Kernnetzinfrastruktur ausgerollt werden kann, ist es ihnen möglich, auf diese Weise schneller 5G-Dienste anzubieten."

Ab 2020 würden die Mobilfunkanbieter jedoch eigenständige 5G-Technologie einführen, die 5G-NR-Equipment und ein 5G-Kernnetz erfordert, prognostiziert der Gartner-Experte. Die Netzbetreiber versprechen sich davon niedrigere Betriebskosten und eine bessere Performance für die Kunden. Gleichzeitig sollen davon auch die Netzausrüster profitieren, da sich dadurch die 5G-Umsätze mit 4,2 Milliarden Dollar im Jahresvergleich nahezu verdoppeln. Für 2021 rechnet das Analystenhaus mit einem weiteren Anstieg auf 6,8 Milliarden Dollar

Netzbetreiber setzen auf Industriekunden

Obwohl Endanwender das wichtigste Segment für die 5G-Entwicklung darstellen, geht Gartner davon aus, dass die Netzbetreiber zunehmend auch 5G-Dienstleistungen für Unternehmen anbieten werden. So erwarten die Analysten, dass sich das mobile Ökosystem mit 5G auf neue Bereiche wie Smart Factory, Autonomer Verkehr, Remote Healthcare, Landwirtschaft und den Einzelhandel ausdehnt.

Im Zusammenhang mit 5G sehen die TK-Ausrüster auch großes Potenzial in privaten Netzen für industrielle Anwender . Das Marktsegment befinde sich noch in einem Anfangsstadium, erklärte Fabre, aber Anbieter, Aufsichtsbehörden und Standardisierungsgremien hätten dafür bereits Vorbereitungen getroffen. So sei in Deutschland etwa das 3,7-GHz-Band für private lokale 5G-Netze reserviert, in Japan das 1,9-GHz-Band.

Was die Vermarktung angeht, gehen die führenden Mobilfunkausrüster unterschiedliche Wege. So arbeitet etwa Ericsson bevorzugt mit Mobilfunkanbietern zusammen, um Unternehmen Campus-Netze auf Basis von LTE und 5G anzubieten - optional mit Hand-over ins öffentliche Mobilfunknetz. Eine entsprechende strategische Partnerschaft mit der Telekom beim Bau von Campus-Netzen für die Industrie wurde erst kürzlich bekannt gegeben, ist aber nicht exklusiv. Nokia wiederum hat ein Portfolio entwickelt, das es großen Industrieunternehmen ermöglicht, direkt in ihre eigenen privaten Netzwerke zu investieren.

Fabre wies im CW-Gespräch darauf hin, dass der erwartete Umsatz mit Equipment für private 5G-Netze in der aktuellen Prognose noch nicht enthalten ist. Entsprechend gebe es auch noch keine Zahlen dazu. Gartner führe zu diesem Thema aber eine Menge Gespräche mit Herstellern, Netzbetreibern und Anwenderunternehmen, die sich für Anwendungsgebiete wie Assisted Troubleshooting oder Remote Assistance via Augmented Reality interessierten.

Verständnisprobleme zwischen Anbietern und Anwendern

Aus Sicht des Gartner-Analysten gibt es rund um das Thema private 5G-Netze aktuell aber noch ein gewisses Verständnisproblem zwischen Anbietern und Anwendern. So müssten die Netzausrüster und Netzbetreiber noch genauer herausfinden, wo 5G im Industrieumfeld eingesetzt werden kann - und wie sie den Unternehmen den Einsatz schmackhaft machen. "Im Zentrum der Überlegungen der Unternehmen steht immer die Frage: Kann ich das besser und billiger mit 5G machen?", erklärte Fabre. Gehe es etwa darum, wie Unternehmen die geringe Latenzzeit von 5G für das Platooning von LKWs nutzen, um damit den Kraftstoffverbrauch der Flotte zu reduzieren, müssten die Anbieter die Einsparungen in Dollar ausrechnen.

"Die Industrie muss überzeugt werden, wie man mit 5G Geld sparen kann", erklärte Fabre. Es brauche jedoch Zeit, um zu entdecken, wo 5G Sinn macht. Hinzu komme, dass das aktuelle 5G-Release 16 primär eine höhere Bandbreite ermöglicht, während Funktionen wie eine hohe Verfügbarkeit und sehr geringe Signallaufzeiten (Latenz) erst ab Juni 2020 erwartet werden. Der Gartner-Analyst empfiehlt Herstellern und Betreibern bis dahin, bereits mit LTE mögliche Anwendungsfälle zu vermarkten und den Industriekunden eine schmerzlose Migration auf 5G anzubieten. Nach dem Motto: Diese Anwendungsfälle lassen sich bereits heute umsetzen und in der Zukunft wird das gleiche Szenario noch besser.

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