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Spionagevorwürfe: Stellungnahme von Huawei

15.12.2020 | 09:10 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Huawei dementiert einen Medienbericht, wonach Huawei von seinen Technikern in München verlangt haben soll, dass sie ein Produkt eines Konkurrenten ausspionieren. Außerdem gibt es eine neue These zu dem Vorfall.

Update 15.12.2020: Stellungnahme von Huawei und neue Vermutung zum „Reverse Engineering“

Mittlerweile hat uns Huawei eine Stellungnahme zu dem Bericht der „Welt am Sonntag“ zukommen lassen. Sie ist inhaltlich identisch mit der Stellungnahme, die die „Welt“ abgedruckt hat:

„Der Vorgang wurde intern gründlich geprüft und das Ergebnis dieser Prüfung ist eindeutig: Weder wurde gegen externe gesetzliche oder vertragliche Vorschriften noch gegen interne Richtlinien zu irgendeinem Zeitpunkt verstoßen. Wir weisen Spekulationen oder Vorwürfe zurück, dass eine Verletzung von geistigen Eigentumsrechten irgendwelcher Dritter stattgefunden hat oder auch nur geplant oder intendiert war.
 
Die Sorgen des Mitarbeiters wurden zu jedem Zeitpunkt ernst genommen. In einer internen E-Mail, die auch der Mitarbeiter erhalten hat, wurde ausdrücklich kommuniziert, dass bestimmte Aufgaben erst nach einer positiven rechtlichen Prüfung durchgeführt werden dürfen.
 
Sensible Fragen bzgl. des Arbeitsverhältnisses von konkreten Mitarbeiter*innen beantworten wir auch im Sinne unserer Mitarbeiter*innen grundsätzlich nicht öffentlich.“ Zitat Ende

Interessanter ist dagegen ein Aspekt, den das IT-Fachjournal Golem berichtet. Golem will aus „Branchenkreisen“ basierend auf „internen Mails“ erfahren haben, dass Huawei mit „Reverse Engineering“ ein Problem für einen Netzbetreiber lösen wollte. Demnach wäre der fragliche Vorgang also kein Spionageangriff im eigentlichen Sinn gewesen - was mit „Reverse Engineering“ natürlich auch möglich ist - sondern der Versuch einer Fehlerhebung beziehungsweise Problemlösung. Ob diese Interpretation nun zutrifft oder das „Reverse Engineering“ doch zu Spionagezwecken erfolgte – in dem jedem Fall soll es dazu im März 2019 aber nicht gekommen sein.

Übrigens gerieten Cisco und Huawei bereits im Jahr 2003/2004 in einem Rechtsstreit um Routersoftware aneinander . Update Ende

Ursprüngliche Meldung vom 14.11.2020: Der chinesische Elektronikkonzern wird seit Jahren mit Spionagevorwürfen konfrontiert. Jetzt berichtet die „Welt am Sonntag“, dass Huawei von Huawei-Mitarbeitern in seiner Münchner Niederlassung gefordert habe, Software des Konkurrenzen Cisco illegal auszuforschen und nachzubauen. Die Münchner Huawei-Techniker sollten also faktisch Industriespionage begehen.

Laut dem Welt-Bericht soll Huawei von Technikern des Entwicklerteams in seinem Münchner Forschungszentrum im März 2019 verlangt haben, dass diese eine Software des Konkurrenten Cisco analysieren und nachbauen. Natürlich ohne Genehmigung durch Cisco. Zwar gab die unmittelbare Anweisung an das Münchner Entwicklerteam ein dortiger vorgesetzter Huawei-Manager. Doch die Welt vermutet aufgrund des vorliegenden Schriftwechsels, dass der Befehl für diese Industriespionage letztendlich aus der Huawei-Zentrale in der Volksrepublik China gekommen sei. Denn Mitarbeiter des Entwicklerteams haben der „Welt“ den „umfangreichen Schriftverkehr" vorgelegt, der die Vorwürfe belegen soll.

Huawei bestraft die Betroffenen

Laut dem Bericht sollen die Entwickler in München sich geweigert haben den Auftrag auszuführen. Die Techniker baten stattdessen darum, dass die Rechtsabteilung die Angelegenheit kläre. So eine juristische Klärung habe aber nie stattgefunden. Doch damit ließ Huawei die Sache nicht auf sich beruhen. Einem der Techniker kündigte Huawei, ein weiterer wurde degradiert und einem dritten Techniker, der nicht angestellt war, sondern als freier Mitarbeiter für Huawei arbeitete, verlängerte Huawei nicht mehr den Vertrag.

Huawei dementiert Welt-Bericht

Huawei soll der Welt gegenüber die Vorwürfe zurückgewiesen haben. Die Welt zitiert Huawei folgendermaßen: „Weder wurde gegen externe gesetzliche oder vertragliche Vorschriften noch gegen interne Richtlinien zu irgendeinem Zeitpunkt verstoßen.“ Huawei habe kein geistiges Eigentum verletzt und eine derartige Verletzung auch nicht geplant. Zu der Kündigung, der Rückstufung und der Nichtverlängerung des Vertrags äußerte sich Huawei nicht.

Seit vielen Jahren Spionagevorwürfe

Das US-Unternehmen Cisco ist ein wichtiger Hersteller von Netzwerkgeräten und damit ein direkter Konkurrent des unter Spionageverdacht stehenden chinesischen Unternehmens Huawei. Diese Spionagevorwürfe werden vor allem von US-Behörden erhoben. 2019 berichtete Bloomberg, dass Vodafone Backdoors in verschiedenen Netzwerkgeräten von Huawei gefunden habe soll. Vodafone dementierte diesen Bericht. Vodafone verteidigt sein Festhalten an Huawei-Geräten damit, dass es Vodafone viel Geld kosten würde, wenn es Huawei-Netzwerkgeräte durch passende Geräte anderer Hersteller ersetzen müsste. Von 200 Millionen Euro ist die Rede

Die US-Regierung verlangt seit längerer Zeit, dass die Bundesrepublik Deutschland beim Aufbau ihres 5G-Netzes auf Geräte von Huawei verzichtet. Zu einem kompletten Verzicht konnten sich Deutsche Telekom und Co. aber bisher nicht durchringen. Vermutlich fürchtet die Bundesrepublik Repressalien durch die chinesische Regierung, wenn Deutschland Huawei vom 5G-Aufbau ausschließt.

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