Channel Header
73144

Solide Funknetze dank MIMO

13.06.2008 | 10:01 Uhr |

Verursacher dieses Effekts ist die MIMO-Technik (Multiple Input, Multiple Output), die mittlerweile ein fester Bestandteil der 802.11n-Spezifikation ist. Um zu verhindern, dass die Vorteile der angesprochenen Mehrwegeausbreitung durch destruktive Interferenzen zunichtegemacht werden, sieht der Standard mehrere Antennen vor. In der Regel sollen die 802.11n-Geräte über drei Antennen gleichzeitig senden und empfangen. Dabei sagt aber die reine Zahl noch nichts über die im Betrieb erzielbaren Geschwindigkeiten aus. "Strahlen alle Antennen in die gleiche Richtung", so warnt Lo, " stören sich die Signale gegenseitig." Deshalb sei es wichtig, dass die Antennen verstellbar sind, was für die meisten Stummelantennen zutrifft.

Im Betrieb sollten die Antennen also nicht direkt parallel zueinander ausgerichtet sein, sondern voneinander wegzeigen. Bei Leistungsproblemen hilft eventuell auch ein Spielen mit verschiedenen Antennenpositionen. Lo selbst ist stolz darauf, dass sein Unternehmen sogar das Kunststück geschafft hat, bis zu acht Antennen in einem Gerät zu integrieren. Hierzu habe Netgear ein neues Meta-Material verwendet, das es erlaube, winzigste Antennen auf einer Oberflächenstruktur zu realisieren. Auf diese Weise könne man die Antennen enger nebeneinander platzieren und dennoch ein unterschiedliches Abstrahlverhalten erreichen. "Dieser Mehraufwand bringt uns eine bessere Performance ein", glaubt Lo.

Unwägbarkeiten gibt es bei einer Umstellung auf 802.11n jedoch nicht nur auf der Funkseite. Sowohl im professionellen als auch im privaten Umfeld ist es nicht mit der Investition in das Wireless-Equipment getan - meist ist auch ein Umbau des Backends erforderlich. Bereits ein einfacher Zahlenvergleich verdeutlicht das Problem: Mit Nutzdatenraten von 100 bis 150 Mbit/s sprengen die 802.11n-Access-Points schnell die Kapazität der weit verbreiteten Fast-Ethernet-Strukturen. Diese bewältigen unter sehr günstigen Umständen um die 70 Mbit/s. Will der Anwender die Funktechnik ausreizen, dann muss er auf Gigabit Ethernet aufrüsten.

Problemfall Power over Ethernet

Eine andere Überraschung wartet auf den User dann noch in Sachen Energieversorgung. Gerade im professionellen Umfeld hat sich die Versorgung der WLAN Access Points per Power over Ethernet eingebürgert, da hier nicht so strenge Vorschriften einzuhalten sind wie beim Verlegen elektrischer Leitungen. Die kostensparende Energieversorgung per LAN hat jedoch einen Haken: Im Standard 802.3af ist lediglich eine maximale Leistungsaufnahme von 15,4 Watt definiert. "Wir haben damit kein Problem", sagt Netgear-CEO Lo. Hier profitiere das Unternehmen davon, momentan nur Single-Band-Access-Points anbieten zu können, die weniger Energie verbrauchen.

Problematisch wird es jedoch bei WLAN-Equipment, das gleichzeitig im 2,4- und 5-Gigahertz-Band funkt. Dann reichen, nach allgemeinem Stand der Technik, die 15,4 Watt nicht mehr aus, um die Funkknoten mit Energie zu versorgen. Was von verschiedenen Herstellern bislang als Problemlösung angeboten wird, kann im besten Fall als Workaround bezeichnet werden: So muss sich der Nutzer etwa mit einer schlechteren MIMO-Leistung (geringere Abdeckung, reduzierter Durchsatz) oder einem Single-Band-Betrieb (reduzierter Durchsatz) zufriedengeben.

Alternativ kann er den Abstand eines Access Points zum PoE-Switch reduzieren oder ihn gleich mit mehreren Ethernet-Anschlüssen verbinden. Cisco hat auf diese Problematik deshalb mit einer proprietären PoE-Erweiterung namens ePoE reagiert, um die Stromversorgung für 802.11n per LAN sicherzustellen. Das Ei des Kolumbus will man dagegen bei Siemens Enterprise Communications entdeckt haben. Mit Ingenieurskunst sei es dem Unternehmen gelungen, für seine Access Points "AP3610" und "AP3620" durch ein cleveres Hardwaredesign den Energiebedarf auf 15 Watt zu begrenzen - selbst im uneingeschränkten Dual-Band-Betrieb. Auch D-Link-Manager Lange glaubt, dass die Produkte seines Hauses mit der von POE bereitgestellten Leistung auskommen.

Viele WLAN-Controller stoßen an ihre Grenzen

Noch eine versteckte Kostenfalle bei der Umstellung auf 802.11n wartet auf Anwender, die ihre Funknetze als WLAN-Switching-Infrastruktur verwirklicht haben. Viele der verbauten WLAN-Controller verkraften mit ihrer Rechenpower die schnellen Turbo-Access-Points nicht. Konnte ein Gerät beispielsweise in einem 802.11g-Netz noch zehn Funkknoten steuern, so bewältigt es eventuell nur noch zwei 802.11n-Access-Points. Hier ist also vor einer Migration genau zu prüfen, ob die eingesetzten Controller für die neue Technik fit sind.

Eventuell empfiehlt sich aber auch ein anderer Migrationspfad: Unified Access Points, wie sie beispielsweise D-Link im Programm hat, können auch als Fat Access Points ohne zentrale Switching-Infrastruktur eingesetzt werden, so dass die Anschaffung neuer Controller entfällt, da Administration und Konfiguration direkt im Funkknoten erfolgen. Ist später die 802.11n-Infrastruktur groß genug, dass unter Verwaltungsaspekten ein Umstieg auf das Switching geboten ist, können diese Funkknoten per Firmware-Upgrade in Thin Access Points umgewandelt werden.

COMPUTERWOCHE

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
73144