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Soldaten verhaften Gänsegeier wegen Spionageverdacht

26.04.2019 | 10:01 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Naturschützer statten einen Geier mit einem GPS-Sender aus. Der Geier fliegt in den vom Krieg verwüsteten Jemen. Dort halten Soldaten den Geier für einen Spion und setzen das Tier fest.

Ein zirka zwei Jahre alte Gänsegeier (zoologische Bezeichnung: Gyps fulvus) mit dem Namen „Nelson“ war offensichtlich auf der Suche nach Futter bis in den seit Jahren von Bürgerkrieg und Krieg heimgesuchten Jemen geflogen. Der Geier war 2018 in Bulgarien von der Naturschutzvereinigung Fund for Wild Fauna and Flora (FWFF) mit einem Satelliten-Funkempfänger samt GPS-Tracker ausgestattet worden, um seine Flugroute verfolgen zu können. Dieser Funksender wurde dem Geier im Kriegsland Jemen beinahe zum Verhängnis.

Der reisefreudige Gänsegeier flog von Bulgarien über die Türkei, Jordanien und Saudi Arabia bis in den Jemen. Yahoo News berichtet, dass regierungstreue jemenitische Soldaten den Funksender der Naturschutzorganisation für ein Spionagewerkzeug der Rebellen hielten. Der Geier landete nämlich in der Nähe der Stadt Taizz, die zwischen Huthi-Rebellen und Regierungstruppen umkämpft ist. Die Soldaten sperrten den Geier deshalb ein. Ein Vertreter der Naturschutzorganisation, die Nelson mit dem Sender ausgestattet hatte, reiste in die umkämpfte Stadt, um den Geier wieder freizubekommen. Auch das bulgarische Außenministerium schaltete sich über den jemenitischen Botschafter in die Verhandlungen ein. Nach zwölf Tagen kam der Geier schließlich wieder frei.

Der Geier ist vor Ort mittlerweile recht bekannt und wird wieder aufgepäppelt. Er hatte auf seiner langen Reise und in der Gefangenschaft offensichtlich an Gewicht verloren, außerdem hat er einen gebrochenen Flügel. In zirka zwei Monaten wollen ihn die Naturschützer wieder in die Freiheit entlassen.

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