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Shitstorm um Satire-Video "Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau"

30.12.2019 | 10:31 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Tom Buhrow, der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), hat sich für das Satire-Video „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ entschuldigt. Derweil geht der Streit in den sozialen Netzwerken weiter.

Der WDR hatte das Video am Freitagabend veröffentlicht. In dem Video sieht man, wie der WDR-Kinderchor zur bekannten Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ einen laut WDR „satirisch“ gemeinten Text singt. Die Oma wird in dem Text nicht nur als „Umweltsau“ bezeichnet, sondern es heißt darin unter anderem auch, dass die Oma im SUV Opis überfährt und Discounterfleisch kauft.

Die Kritik in den sozialen Netzwerken ließ nicht lange auf sich warten, ein Shitstorm zog über den durch Rundfunkgebühren finanzierten WDR hinweg. Der WDR sah sich am Samstagabend zu einer Sondersendung gezwungen und entfernte das Video von seiner Facebookseite und aus seiner Mediathek (Sie finden das Video in zahlreichen Kopien problemlos auf Youtube, siehe Screenshot zu dieser Meldung). Wie die Welt online schreibt , hätten sich viele Anrufer in der Sondersendung über das Video beschwert, es gab aber auch zustimmende Kommentare.

WDR-Intendant Tom Buhrow rief ebenfalls in der Sendung an. Die Welt zitiert Buhrow folgendermaßen: „Das Video mit dem verunglückten Oma-Lied war ein Fehler… Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür.“

Auf Facebook veröffentlichte der WDR 2 diese Stellungnahme: „Die von WDR 2 an dieser Stelle veröffentlichte Satire 'Unsere Oma fährt im Hühnerstall Motorrad' hat sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Dies ist im besten Falle auch Sinn einer Satire, es handelt sich ja nicht um einen journalistischen Kommentar, sondern um die Zuspitzung eines Themas (hier: die zuweilen hysterische Klimadiskussion). Betroffen macht uns allerdings der Vorwurf, die beteiligten Kinder seien möglicherweise 'instrumentalisiert' worden. Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist.“ Zitat Ende.

Auch Jahn Böhmermann äußerste sich auf Twitter zu der Diskussion. Mit folgendem Tweet: „Ihr kleinen Umweltsäue würdet doch ohne mit der Wimper zu zucken einen Kinderchor alle drei Strophen des 'Deutschlandliedes' singen lassen. Und zwar nicht zum Spaß.“ Der Twitter-Kommentar von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kommt dagegen erheblich sachlicher als der von Böhmermann daher: "Der WDR hat mit dem Lied 'Meine Oma ist ne alte Umweltsau', das die Redaktion den Dortmunder Kinderchor singen ließ, Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten. Jung gegen Alt zu instrumentalisieren ist nicht akzeptabel.".

Ein freier Mitarbeiter des WDR namens Danny Hollek griff mit seinem Twitterkommentar allerdings völlig daneben: „Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt sich über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau.“ Der WDR hat sich von diesem Kommentar seines freien Mitarbeiters deutlich distanziert: „Der betroffene Mitarbeiter ist kein Redakteur beim WDR, sondern freier Mitarbeiter. Er hat den Tweet von seinem privaten Twitter-Account abgesetzt. Wir distanzieren uns scharf von Form und Inhalt.“

Der WDR-Kinderchor wurde vor zwei Jahren gegründet .

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