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Seit heute Nacht: Streiks bei Amazon ausgerechnet zum Prime-Day

15.07.2019 | 10:24 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Heute und morgen ist Prime-Day. Ausgerechnet seit heute Nacht streiken die Mitarbeiter an sieben Amazon-Standorten.

Heute und morgen ist Amazon-Prime-Day, alle Top-Angebote stellen wir in dieser Meldung vor. Doch genau an diesen beiden Super-Schnäppchen-Tagen streiken die Amazon-Mitarbeiter an sieben deutschen Amazon-Standorten: in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz sowie an den beiden Standorten in Bad Hersfeld.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hatte dazu aufgerufen. Die Streiks stehen unter dem Motto „Kein Rabatt mehr auf unsere Einkommen“. Wie immer bei dem Streit zwischen Amazon und der Gewerkschaft Ver.di geht es darum, dass Ver.di fordert, dass für die Amazon-Mitarbeiter die Tarifbedingungen des Einzel- und Versandhandels gelten sollen – das hätte höhere Löhne zur Folge. Amazon lehnt dies jedoch ab und legt die schlechteren Vorgaben des Tarifvertrags für die Logistikbranche zu Grunde.

„Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim Prime-Day zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten“, kritisiert Ver.di-Handelsexperte Orhan Akman den US-Konzern. „Die Rabatte an die Kundinnen und Kunden lässt sich Amazon durch Tarifflucht und Niedriglöhne der eigenen Beschäftigten bezahlen – damit muss Schluss sein. Das Unternehmen muss endlich die Tarifverträge für den Einzel- und Versandhandel anerkennen; die Löhne und Gehälter bei Amazon dürfen nicht länger nach Gutsherrenart bestimmt werden.“ Das Geld dafür sei vorhanden, allein im ersten Quartal dieses Jahres habe Amazon nach eigenen Angaben weltweit einen Rekordgewinn von rund 3,2 Milliarden Euro erzielt, wie Ver.di sagt.

Die Streiks begannen in der Nacht von Sonntag (14. Juli) auf Montag (15. Juli) und sollen mindestens zwei Tage dauern. Wie viele Amazon-Mitarbeiter konkret streiken und welche Auswirkungen das auf die Auslieferung der Bestellungen haben wird, ist unbekannt. Erfahrungsgemäß sind aber vergleichsweise wenig Amazon-Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert, weshalb Amazon in der Vergangenheit die Folgen der zahlreichen Streikmaßnahmen meist gut abfangen konnte.

Stellungnahme von Amazon: "Der Streikaufruf an den Standorten Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz und zwei Standorten in Bad Hersfeld hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal. Lediglich ein kleiner Teil der Belegschaft beteiligt sich am Streikaufruf."

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