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Schweiz: Diskussion um Abschaltung von Videostreaming

19.03.2020 | 09:22 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Schweizer Regierung droht damit Videostreaming zu unterbinden. Falls die Netze überlastet werden sollten. Das Schweizer Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) widerspricht. Und das sagen die beiden größten TK-Unternehmen der Schweiz.

Update 19.3.: Die beiden größten schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom und Sunrise haben eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht: „Die ausserordentliche Lage in der Schweiz seit Montag, 16. März, hat zu einer stark erhöhten Nutzung von Telefondiensten geführt, wodurch zu Spitzenzeiten Anrufvolumen und -dauer bei Swisscom und Sunrise um ein Vielfaches zunahmen. Dies führte insbesondere in Spitzenzeiten punktuell zu Kapazitätsengpässen bei den sogenannten Interkonnektionspunkten (Anrufe zwischen Swisscom und Sunrise Kunden, Mobile- sowie auch Festnetz). Bei punktueller Überlast konnten teilweise Anrufe nicht aufgebaut werden und die Kunden hörten das Besetztzeichen.
 
Gemeinsam arbeiten beide Anbieter intensiv an Kapazitätserweiterungen zwischen ihren Netzen. Es konnte bereits eine deutliche Verbesserung erzielt werden.
 
Swisscom und Sunrise bestätigen, dass innerhalb der Mobilfunk- und Festnetzinfrastruktur ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, so dass Telefonie und Internetverkehr auch in ausserordentlichen Situationen gewährleistet sind.“ Zitat Ende.

Das Schweizer Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) teilte auf unsere Anfrage mit: "Die Datenübertragung von Unterhaltungsangeboten im Internet wird in der Schweiz nicht heruntergeregelt, da solche Maßnahmen momentan nicht erforderlich sind. Wir sehen, dass die Datenkapazitäten gegenwärtig auch im Fall von vermehrter Telearbeit ausreichen. Dementsprechend werden zurzeit keine Kapazitätsengpässe befürchtet.

Basierend auf Art 48 FMG kann der Bundesrat die Einschränkung des Fernmeldeverkehrs anordnen, wenn eine ausserordentliche Lage oder andere wichtige Landesinteressen es erfordern. (Art. 48 Abs. 1 FMG). Eine Einschränkung des Fernmeldeverkehrs wäre eine ultima ratio. Der Bund plant gegenwärtig keine Einschränkung von Diensten und keine Limitierung der verfügbaren Bandbreiten." Zitat Ende. Update Ende

Ursprüngliche Meldung: Der Schweizer Bundesrat (also die Regierung der Schweiz) droht damit Videostreaming zu verbieten. Denn das Swisscom-Netz hat eine Hauptprobe nicht bestanden. Das berichtet die Neue Zürcher Zeitung.

Auch in der Schweiz müssen viele Arbeitnehmer ins Home Office. Für die Belastung der Netzwerke aber viel problematischer: Auch die Schüler sind zu Hause – und die nutzen mit Begeisterung Videostreaming. Genau das könnte ein Problem, wie ein aktueller Testlauf andeutet.

Denn die Swisscom als größte Telekommunikationsfirma der Schweiz hat eine „Hauptprobe“ des Netzes durchgeführt. Das Ergebnis: Das Netz der Eidgenossenschaft hat die Probe nicht bestanden. „Seit den Morgenstunden kam es im Swisscom-Netz bei Anrufen über das Mobil- und Festnetz immer wieder zu Unterbrüchen. Der Grund dafür war laut Swisscom die enorm gesteigerte Belastung der Infrastruktur“, schreibt die NZZ.

Während die Telefonverbindungen also schon am Anschlag sind, gebe es bei den Datenverbindungen zwar noch Reserven. Eine Überlastung durch zu viel Streaming kann die Swisscom aber nicht ausschließen. Das entspricht der Einschätzung der Deutschen Telekom, die uns diese gestern gegeben hat. Auch die Telekom fürchtet nicht das Arbeiten im Home Office, sondern das Videostreaming: Bricht das Web wegen Corona zusammen? Das sagen Vodafone, O2, Telekom .

Die Swisscom bittet deshalb ihre Kunden „um eine vernünftige und verantwortungsvolle Nutzung der Telekommunikationsnetze“. Doch bei der Bitte könnte es nicht bleiben, der Bundesrat denkt bereits darüber nach „nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder zu blockieren“, falls das das Nutzerverhalten erfordern würde.

Konkret bedeutet das: Tagsüber, also während der Arbeitszeiten, sollen die Nutzer auf Online-Videospiele und Streaming-Dienste verzichten. Und auch keine riesigen Downloads starten.

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