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Schnellere Videoübertragung: Fraunhofer HHI stellt H.266/VVC vor

06.07.2020 | 14:18 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ein neuer Videostandard von Fraunhofer HHI dürfte bald für eine deutlich schnellere Video-Übertragung sorgen: H.266/VVC.

Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut hat die Fertigstellung des neuen Videokodierstandards H.266/Versatile Video Coding (VVC) erklärt. Damit sollen sich Videos doppelt so stark als wie mit H.265/High Efficiency Video Coding komprimieren lassen (also mit 50 Prozent der Bit-Rate gegenüber H.265/High Efficiency Video Coding (HEVC). Die visuelle Qualität bleibt aber unverändert. Anders ausgedrückt: Videos lassen sich bei gleichbleibender Qualität mit H.266/VVC deutlich schneller übertragen als mit dem Vorgänger H.265.

Insgesamt soll H.266/VVC für eine effizientere Übertragung und Speicherung sämtlicher Videoauflösungen von SD über HD bis zu 4K und 8K sorgen. Zudem werden laut Fraunhofer HHI High Dynamic Range Video und omnidirektionales 360-Grad Video voll unterstützt.

H.266/VVC sei mit dem Fokus auf ultrahochauflösende Videoinhalte entwickelt worden. Der neue Standard soll beispielsweise beim Streaming von 4K- oder 8K-Videos auf dem Flachbildfernseher zum Einsatz kommen. Durch die neuartige Datenreduktion wird aber auch eine effizientere Videoübertragung im Mobilfunknetz möglich. Vor allem Smartphone-Nutzer dürften also von dem verbesserten Videostandard profitieren. Denn immer mehr Videos werden mobil konsumiert. Da ist ein gutes Kompressionsverfahren Gold wert. Laut Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut machen komprimierte Videodaten inzwischen 80 Prozent des weltweiten Internetverkehrs aus.

Das Fraunhofer HHI gibt ein Rechenbeispiel: Für ein 90-minütiges UHD-Video müssen bei der Verwendung des Vorgänger-Standards H.265/HEVC rund zehn Gigabyte an Daten übertragen werden. Mit H.266/VVC braucht man bei gleicher Bildqualität nur etwa fünf Gigabyte.

Ein weiterer Vorteil von H.266/VVC soll sein erweitertes Anwendungsfeld für alle Arten von Bewegtbild sein. So soll sich der neue Standard in besonders effizienter Art und Weise auf hochaufgelöste 360-Grad-Videopanoramen oder geteilte Bildschirminhalte anwenden lassen.

Die für die Anwendung von H.266/VVC notwendigen neuen Chips seien momentan in der Entwicklung. „Diesen Herbst wird das Fraunhofer HHI eine erste Software veröffentlichen, die den neuen Standard H.266/VVC sowohl vom Encoder als auch vom Decoder her unterstützt,“ verkündet Dr. Thomas Schierl, Abteilungsleiter Videokodierung und Maschinelles Lernen am Fraunhofer HHI.

Neben dem Fraunhofer HHI waren an der mehrjährigen Forschungs- und Standardisierungsarbeit Partner aus der Industrie beteiligt, darunter Apple, Ericsson, Intel, Huawei, Microsoft, Qualcomm und Sony.

Das Fraunhofer HHI hat bereits bei der Entwicklung der Vorgängerstandards H.264/AVC und H.265/HEVC maßgeblich mitgearbeitet. Diese beiden Standards sind laut Fraunhofer HHI in mehr als 10 Milliarden Endgeräten weltweit implementiert und verarbeiten dabei über 90 Prozent des gesamten globalen Aufkommens an Videobits.




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