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Russland vernichtet Satelliten - ISS-Besatzung flüchtet vor Trümmerregen

16.11.2021 | 10:27 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Besatzung der ISS musste wegen herumfliegender Trümmer in ihre Raumschiffe flüchten. Die USA geben Russland die Schuld: Russland habe einen Satelliten mit einer Rakete abgeschossen und dessen Trümmer bedrohen nun die Raumfahrt.

Russland hat einen alten, längst außer Dienst gestellten Satelliten namens Cosmos 1408 mit einer von der Erde abgeschossenen Rakete zerstört . Der zerstörte Satellit wog rund 2 Tonnen und wurde wohl gegen Ende des 14.11., vielleicht auch zu Beginn des 15.11.2021 zerstört . Der im Jahr 1982 gestartete Satellit flog in einer Höhe von 485 Kilometer um die Erde.

Damit wollte Russland offensichtlich ein Abwehrsystem für den Weltraum testen, zugleich aber vermutlich auch eine Machtdemonstration liefern. Doch die Trümmer des zerstörten Satelliten fliegen nun wohl in einer Höhe zwischen 440 und 520 Kilometer um die Erde.

Das hat anscheinend Folgen für die Besatzung der ISS. Die USA sind jedenfalls verärgert und der NASA-Chef hat diesen Abschuss scharf verurteilt , wie man auch dieser offiziellen NASA-Stellungnahme entnehmen kann.

Das US-Weltraumkommando (Space Command) teilte mit, dass durch den Satellitenabschuss am Montag mindestens 1500 nachverfolgbare Trümmerteile entstanden seien.

Diese fliegen nun in einer erdnahen Umlaufbahn um die Erde. Diese Trümmer werden vermutlich in immer kleinere Teilchen zerfallen und über Jahre und Jahrzehnte eine Gefahr in der Erdumlaufbahn darstellen. Dadurch würden die Besatzung der ISS, andere bemannte Raumfahrtunternehmen und auch Satelliten gefährdet, wie die Tagesschau unter Berufung auf das Space Command berichtet .

ISS muss zweimal flüchten

Die siebenköpfige Besatzung der ISS musste sich am 15.11.2021 wegen herumfliegender Trümmer zwei Mal in die an der ISS angedockten Raumschiffe zurückziehen, wie die russische Nachrichtenagentur TASS meldet . Denn falls Trümmerteile die ISS getroffen und ernsthaft beschädigt hätten, hätten die Besatzungen dann mit den Raumschiffen zurück zur Erde flüchten können. Im Falle des deutschen ESA-Astronauten Matthias Maurer bedeutet das, dass Maurer sich zusammen seinen Kollegen in die Crew Dragon zurückzog ; die übrigen ISS-Besatzungsmitglieder flüchteten in die russische Soyuz MS-19. Kurze Zeit später konnten die Astronauten wieder in die ISS zurückkehren, weil sich das Trümmerfeld von der ISS entfernt hatte. Die weitere Flugbahn des Trümmerfeldes wird nun beobachtet.

Offiziell steht zwar noch nicht fest, dass das Trümmerfeld, das die ISS bedrohte oder vielleicht immer noch bedroht, von dem zerstörten Satelliten stammt. Doch der Verdacht lag von Anfang nahe, dass es die Überreste des abgeschossenen russischen Satelliten sind, vor denen sich die ISS-Besatzung in ihre Raumschiffe zurückziehen musste. Mittlerweile haben sich die USA beziehungsweise die NASA aber tatsächlich darauf festgelegt, dass die Trümmer, vor denen die ISS-Besatzung in ihre Raumschiffe flüchten musste, von dem russischen Satellitenabschuss stammen. Denn die Umlaufbahnen von ISS und des zerstörten Satelliten kreuzen sich.

Rund um die Erde fliegt allerlei Schrott. Die ISS musste in der Vergangenheit immer mal wieder solchen Trümmern ausweichen, zuletzt erst vor wenigen Tagen.

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