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Russland schießt Satellitenjagd-Rakete ins All

16.04.2020 | 11:39 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Russland hat sein neues Raketen-basiertes Satellitenjagdsystem getestet. Die USA sehen darin eine Bedrohung.

Russland hat einen weiteren Test seinen Nudol-Raketensystems zur Satellitenjagd durchgeführt, wie das US Space Command berichtet. Mit diesem Raketensystem könnten, wenn es einmal einsatzbereit ist, Satelliten aus dem Erdorbit zerstört werden. Laut US-Militärs soll es sich um den zehnten derartigen Test handeln. Allerdings ist völlig unklar, ob die jetzt abgefeuerte Rakete irgendetwas getroffen hat.

Ganz im Gegenteil ist unklar, ob die Rakete bei dem jüngsten Test überhaupt irgendein Ziel treffen sollte. Denkbar wäre, dass Russland die Rakete auf einen seiner alten Kosmos-1356 Satelliten abgefeuert haben könnte. Dieser Veteran wurde 1982 gestartet und kreist immer noch um die Erde. Doch dieser Satellit scheint noch immer zu fliegen, wie US-Weltraumforscher anhand von der Trackingdaten von LeoLabs ermittelt haben. Wurde das Ziel aber erst heute getroffen, so dürfte es einige Stunden dauern bevor bei der Zerstörung des Satelliten entstehende Weltraumschrott getrackt werden kann. Derzeit könne das US Space Command aber keinen neuen Weltraumschrott identifizieren.

Das US Space Command hat den russischen Test verurteilt. Die US-Armee sieht die russischen Tests mit Raketen, die Satelliten zerstören sollen, als Beweis dafür an, dass den US-amerikanischen Satelliten und den Weltraumobjekten anderer verbündeter Staaten eine reale Gefahr drohen könnte. Solche Äußerungen haben vermutlich aber auch den Grund, den Aufbau einer US-Weltraumstreitmacht zu rechtfertigen. Diese Space Force ist ein Steckenpferd von US-Präsident Donald Trump.

Seit 2014 führt Russland Tests mit seinem Satellitenzerstörsystem durch. Russland bezeichnet dieses System als Nudol. Nudol besteht aus beweglichen, landgestützten Fahrzeugen mit ballistischen Raketen, die sich von beliebigen Standorten auf der Erde abfeuern lassen. Beobachter vermuten , dass derartige Nudol-Raketen Ziele bis zu einer Höhe von 800 Kilometer treffen können. Bisher scheint es so zu sein, dass die russischen Raketen bei keinem der zehn Versuchen irgendetwas getroffen haben, wie The Verge schreibt.

Sofern ein derartiger ASAT-Test funktioniert und dabei tatsächlich ein Satellit zerstört wird, entstehen dadurch vermutlich weitere hunderte bis tausende neue Trümmer, die zusätzlich um den bereits vorhandenen Weltraumschrott um die Erde kreisen und andere Satelliten, Raumschiffe und die ISS gefährden.

Auch Indien führte derartige Tests ohne Rücksicht auf andere Weltraumfahrzeuge durch. 2019 zerstörte Indien bei der Mission Shakti einen seiner eigenen Satelliten mit einer von der Erde abgefeuerten Rakete. Dabei entstanden über 400 Trümmer, von denen viele immer noch um die Erde kreisen. Auch China hat bereits 2007 einen eigenen Satelliten mit einer von der Erde abgefeuerten Rakete zerstört. Damals entstanden über 3000 Trümmer. Die USA wiederum schossen 2008 bei der Operation Burnt Frost einen eigenen Satelliten mit einer Rakete ab. Die USA begründeten das damals damit, dass sich sehr giftiger Treibstoff an Bord des Satelliten befinden würde. Dieser könnte Menschen gefährden, wenn der Satellit auf die Erde stürzen würde.

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