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Russland rudert zurück: Doch bis 2028 auf der ISS

28.07.2022 | 09:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Russland will nun doch noch bis 2028 auf der Internationalen Raumstation ISS bleiben. Vorher muss erst die neue russische Raumstation fertig werden.

Update 28.7.: Nachdem der neue Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos noch vor wenigen Tagen gesagt hatte, dass sich Russland nach 2024 von der ISS zurückziehen wolle (was ohnehin schon sehr vage formuliert war), teilte ein Verantwortlicher von Roskosmos jetzt mit , dass man doch bis 2028 auf der ISS bleiben wolle. Der Grund für das Zurückrudern dürfte auf der Hand liegen: Solange Russland keine eigene Raumstation betreibt, steht nur die ISS für längere Weltraumaufenthalte von russischen Kosmonauten zur Verfügung. Also muss Russland zunächst seine eigene Raumstation errichten und bezugsfertig machen, bevor es sich von der ISS zurückziehen kann. Angesichts der westlichen Sanktionen ist der Bau einer eigenen Raumstation aber kein einfaches Unterfangen.

Von NASA-Seite wiederum heißt es, dass sich bei der täglichen Zusammenarbeit nichts geändert habe. Update Ende

Ursprüngliche Meldung: ISS: Russland steigt nach 2024 aus und baut eigene Raumstation

Der neue Chef der russischen Weltraumbehörde Roskosmos, Juri Borissow, kündigte den Ausstieg aus der ISS an. Nach dem Jahr 2024 wolle sich Russland von der gemeinsamen Raumstation zurückziehen. Das berichtet die Tagesschau.

Borissow teilte den Ausstieg bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit. Bis dahin wolle Russland alle seine Verpflichtungen gegenüber den anderen ISS-Partnern erfüllen. Russland wolle aber seine eigene Raumstation aufbauen.

Der Vorgänger von Borissow, Dmitri Rogosin, hatte bereits vor einiger Zeit darüber spekuliert, dass Russland sein Modul von der restlichen ISS abkoppeln und selbstständig betreiben könne.

NASA-Experten bezweifeln allerdings, dass Russland tatsächlich bald aus dem ISS-Projekt aussteigen will:

ISS: Zusammenarbeit trotz Sanktionen

Die ISS stellt einen Sonderfall dar. Während der Westen wegen des Angriffs auf die Ukraine gegen Russland eine Reihe von Sanktionen verhängt hat, arbeiten NASA, ESA und andere westliche Raumfahrtorganisationen auf der ISS noch immer eng mit Roskosmos zusammen. Die Triebwerke des russischen Teils der ISS werden für Kurskorrekturen benötigt, zum Beispiel, wenn die ISS großen Trümmern ausweichen muss. Andererseits liefert der US-Teil der ISS auch den Strom für den russischen Teil der ISS.

Die ISS ist in die Jahre gekommen und schrieb zuletzt immer mal wieder durch technische Probleme Negativschlagzeilen:

ISS: Russisches Modul lässt Station rotieren

ISS: Triebwerksproblem kippt Raumstation aus normaler Position

ISS: Risse in Internationaler Raumstation entdeckt

ISS verliert Luft: Leck immer noch nicht geschlossen

Nach dem Jahr 2030 soll in jedem Fall das Ende der ISS kommen und diese planmäßig in den Pazifik stürzen: NASA plant Absturz der ISS in den Pazifik. Die ISS wird, nachdem die letzte Besatzung sie verlassen hat, wohl im Januar 2031 ihre bereits reduzierte Flughöhe um die Erde weiter verringern und schließlich über einem unbewohntem Gebiet des Südpazifiks (SPOUA), und zwar über dem Gebiet um Point Nemo, in die Erdatmosphäre eintreten und großenteils verglühen. Die Reste der ISS stürzen dort dann ins Meer. Diese Gegend gilt als Raumschifffriedhof.

Die Nachfolge der ISS sollen Raumstationen von privaten Betreibern wie zum Beispiel Blue Origin antreten, die die NASA nutzen kann.

Die Details zur Planung der letzten Jahre der ISS können Sie diesem NASA-Bericht entnehmen.

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