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Rundfunkbeitrag: So viel verdienen Intendanten (Update: Großzügiger BR)

12.08.2022 | 15:05 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Vom Rundfunkbeitrag werden die Gehälter der Intendanten von ARD und ZDF bezahlt. Der Topverdiener kassiert 413.000 Euro pro Jahr. Update: Die Affäre um Patricia Schlesinger ist noch nicht aufgeklärt und ständig werden neue Vorwürfe bekannt, da berichtet die BILD über einen weiteren großzügigen Umgang mit den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag. Dieses Mal beim BR.

Eines der Aufregerthemen in Zusammenhang mit dem Rundfunkbeitrag ist die Verwendung der dadurch erzielten Finanzmittel. Dabei stehen vor allem die Gehälter der Intendanten im Fokus. Business Insider hat basierend auf einer Recherche der Welt (hinter Paywall) zusammengestellt , wie viel einige Intendanten verdienen.

16 Prozent mehr Gehalt

Die schon länger anhaltende Debatte darüber, wie angemessen die Gehälter der Intendanten (also die Leiter der ARD-Rundfunkanstalten und des ZDF) sind, nahm kürzlich wieder an Fahrt auf: Das Gehalt von Patricia Schlesinger, ehemalige Intendantin des rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg und damals auch ARD-Vorsitzende, stieg um 16 Prozent auf 303.000 Euro, während bei den übrigen Personalkosten des Senders rbb gespart werden muss. Das musste ja Kritik hervorrufen. Zumal es obendrein Vorwürfe wegen umstrittener Beraterverträge gab (siehe unten). Schlesinger zeigte sich zwar zwischenzeitlich bereit, neu über ihr Gehalt zu verhandeln, doch das wurde von der immer größere Ausmaße annehmenden Affäre Schlesinger überholt.

Update 12.8.: BR – zwei Dienstwagen und zwei Chauffeure für eine Technik-Direktorin

Die Bild berichtet über einen recht großzügigen Umgang des Bayerischen Rundfunks mit den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, der zwar vermutlich rechtens ist, trotzdem aber ein schlechtes Bild auf die öffentlich-rechtlichen Sender wirft.

Demnach darf eine Technik-Direktorin des Bayerischen Rundfunks auf einen Audi A7 mit gleich zwei bezahlten Fahrern zugreifen und bekommt zusätzlich einen Ford Mondeo Kombi als weiteres Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Laut BILD verdient die Technik-Direktorin 266.000 Euro im Jahr.

Zwei Fahrer müssen es sei, weil einer ja krank oder in Urlaub sein könnte. Die Fahrer chauffieren die Technik-Direktorin nicht nur zwischen ihrem Wohnsitz in Eichstätt und dem Arbeitsplatz in München, sondern auch auf privaten Fahrten. Der Mondeo wiederum stehe für die Fälle zur Verfügung, in denen die Technik-Direktorin ohne Chauffeur unterwegs sein will.

Dass die Technik-Direktorin Zugriff auf gleich zwei Fahrer hat und obendrein diese auch für private Fahrten einsetzen darf, sei eine Ausnahmeregelung im Dienstvertrag der Technik-Direktorin. Denn die Frau müsse als Technik-Direktorin im gesamten Sendegebiet unterwegs sein, wie der BR diese großzügige Regelung begründet.

Jetzt auch Betrugsverdacht gegen zurückgetretene Intendantin des rbb

Die Liste der Vorwürfe gegen Patricia Schlesinger wird immer länger, wie n-tv berichtet . Mittlerweile ist von einem Betrugsverdacht die Rede. Sollte sich das bestätigen – wozu es noch keine offizielle Aussage gibt – dann könnte das Auswirkungen auf die Abfindung haben, die Schlesinger derzeit offensichtlich verhandeln will.

Zudem laufen nun auch Untersuchungen zu Schlesingers Tätigkeit beim NDR im Jahr 2016. Dort geht um den Verdacht, dass Schlesinger in ihrer damaligen Position als Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation ihrem Ehemann Gerhard Spörl als Drehbuchautor einen Auftrag verschafft haben könnte.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat vor einigen Tagen Ermittlungen gegen die ehemalige rbb-Intendantin Patricia Schlesinger, deren Ehemann Gerhard Spörl und gegen Wolf-Dieter Wolf, den Verwaltungsratschef des rbb, aufgenommen. Es geht um den Anfangsverdacht der Untreue und Vorteilsnahme. Das berichtet unter anderem die Tagesschau.

Am 4.8.2022 war die umstrittene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger von ihrer Position als ARD-Vorsitzende zurückgetreten, wie die Tagesschau berichtete . Sie blieb zunächst aber Intendantin des rbb. Der Westdeutschen Rundfunk (WDR) übernahm die laufenden Amtsgeschäfte. Am 7.8.2022 trat Schlesinger dann auch als rbb-Intendantin zurück.

Schlesinger steht wegen umstrittener Beraterverträgen, Interessenkollisionen, strittiger Kostenabrechnungen und ihrer Dienstwagennutzung in der Kritik . Auch die jüngste Gehaltserhöhung der Intendantin wurde kritisiert, denn im Sender ist generell sparen angesagt. Update Ende

Riesiger Imageschaden für öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland ist die Affäre um Patricia Schlesinger längst ein Image-Supergau. In Deutschland ist der Rundfunkbeitrag zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ohnehin umstritten und es gibt Vorschläge zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und auch Kritik an der Mittelverwendung. Schlesingers Verhalten dürfte Wasser auf die Mühlen der Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein. Kritiker sprechen von einem großen Image-Schaden für die öffentlich-rechtlichen Sender, den die Vorgänge um Schlesinger verursacht haben.

Doch eine Abschaffung des Rundfunkbeitrags steht in Deutschland anders als beispielsweise in Frankreich nicht zur Diskussion. Denn Frankreich schafft die Rundfunkgebühren zwar ganz ab. Doch das ist Augenwischerei, denn der französische Rundfunk wird nun aus Steuergeldern finanziert.

Das sind die Topverdiener

Schlesingers Gehalt ist allerdings keineswegs ungewöhnlich hoch, wenn man sich ansieht, was andere ARD-Intendanten kassieren. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je größer das Budget des Senders und damit der Anteil am eingenommenen Rundfunkbeitrag, desto höher ist das Intendantengehalt. Tom Buhrow, der Intendant des WDR, darf sich über 413.000 Euro pro Jahr freuen – das ist deutlich mehr als noch 2019, wie Sie hier nachlesen können: Rundfunkbeitrag – bis zu 395.000 Euro verdient ein ARD-Intendant. Kai Gniffke, der dem SWR vorsteht, bekommt 361.000 Euro und Joachim Knuth vom NDR ist mit 346.000 Euro pro Jahr mit dabei. Katja Wildermuth vom BR erhält 340.000 Euro.

Die umstrittene Schlesinger liegt mit ihren 303.000 Euro im Mittelfeld der Intendantengehälter. Manfred Krupp vom HR kommt auf 305.000 Euro, Karola Wille vom MDR auf 295.000 Euro und Yvette Gerner von Radio Bremen auf 281.000 Euro.

Die Intendanten legen ihre Gehälter nicht selbst fest, sondern es sind die jeweiligen Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten, die darüber beschließen. Diese sollten also Ziel der Kritik sein, falls man der Meinung ist, dass die Intendanten zu viel verdienen.

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