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Rückruf: Über 1 Million Autos von Audi, BMW, Toyota, VW betroffen

05.05.2020 | 09:55 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Audi, BMW und VW müssen mehrere hunderttausend Fahrzeuge wegen sicherheitsrelevanter Mängel in die Werkstätten zurückrufen. Update: Auch Toyota startet einen großen Rückruf.

Update 5.5.: Toyota ruft 500.000 Prius zurück

Toyota ruft rund 500.000 Toyota Prius weltweit zurück. Das berichtet KFZ-Betrieb Vogel. Das Gurtschloss könnte fälschlicherweise einen Alarm auslösen, dass es nicht korrekt verriegelt ist. Obwohl der Gurt durchaus angelegt ist. Das gleiche Problem tritt auch bei BMW 3er, 8er, X3 und X4 auf und führte zu dem unten beschriebenen Rückruf.

Weltweit müssen deswegen 488.000 Prius in unterschiedlichen Ausführungen aus dem Bauzeitraum 7. August 2014 bis 5. März 2019 in die Werkstatt. Davon sind in Deutschland 5.483 Exemplare betroffen. Die Toyota-Werkstatt überprüft das Gurtschloss und wechselt es  beziehungsweise einen Teil davon gegebenenfalls aus. Update Ende

Wie das Branchenmagazin KFZ-Betrieb berichtet , müssen VW und Audi zahlreiche Fahrzeuge zurückrufen. Das Kraftfahrtbundesamt KBA überwacht die meisten dieser Rückrufe. Tipp: Sie können sich hier beim KBA darüber informieren, ob für Ihr Fahrzeug ein Rückruf vorliegt. Die Pressestelle von Audi hat auf unsere Anfrage keine Details zu den Rückrufen mitgeteilt. BMW und Toyota haben die unten beschriebenen Rückrufe bestätigt. Volkswagen hat auf unsere Nachfrage ebenfalls zeitnah reagiert und Details zu den Rückrufaktionen mitgeteilt. Diese haben wir bei den jeweiligen Rückrufen eingefügt.

VW: Airbag, Bremsen, Kindersicherung, Gurte, Spoiler, Parkbremse

So müssen rund 34.000 Exemplare des VW Tiguan mit R-Line-Ausstattung aus den Baujahren 2015 bis 2019 in die Werkstatt. Davon knapp über 11.000 Fahrzeuge in Deutschland. Der Grund für diesen Rückruf liest sich kurios: Der Dachkantenspoiler könnte sich vom Fahrzeug lösen, weil der nötige Kleber zwischen Spoiler und Karosserie fehlt. In der VW-Werkstatt wird also gegebenenfalls nachgeklebt.

Genaue Beschreibung von VW: "66L5 - Tiguan, Flüssigkleber
Bei einzelnen Fahrzeugen des Modells Tiguan besteht die Möglichkeit, dass sich der Dachkantenspoiler lockern oder im seltenen Ausnahmefall auch lösen kann. Grund dafür ist ein nicht ordnungsgemäß abgebundener, bzw. fehlender Flüssigkleber zwischen Spoiler und Karosserie. Tangiert sind davon in Deutschland ca. 11.000 Fahrzeuge. Zur Abhilfe wird die Verklebung des Dachkantenspoilers überprüft und gegebenenfalls erneuert."

Ferner müssen über 12.600 T-Roc mit Handschaltung und 1.0 TSI-Motor außerplanmäßig in die Werkstatt, weil die elektrische Parkbremse (EPB) vielleicht nicht ausreichend bremst. Grund hierfür ist ein Softwareproblem: Das „Signal des Getriebe-Neutralgangsensors kann vom Motorsteuergerät nicht korrekt ausgewertet werden“, schreibt KFZ Betrieb. Deshalb muss bei 2148 T-Roc aus den Baujahren 2017 und 2018 das Steuergerät für die Bremselektronik umcodiert werden.

Genaue Beschreibung von VW: "45I5 - T-Roc, Neutralgangsensor
Bei einzelnen Fahrzeugen des Modells T-Roc kann es dazu kommen, dass das Signal des Getriebe-Neutralgangsensors vom Motorsteuergerät nicht korrekt ausgewertet wird. In der Folge kann nicht gewährleistet werden, dass die elektrische Parkbremse (EPB) in allen Fällen vollumfänglich greift. Tangiert sind in Deutschland ca. 2.150 Fahrzeuge mit Handschaltung und 1.0 TSI-Motor. Zur Abhilfe erfolgt eine Umcodierung des Steuergerätes für die Bremselektronik."

Beim Passat und dessen Edel-Coupé-Variante Arteon kann es zu Problemen an der Bremsanlage kommen. Deshalb müssen bestimmte Arteons und Passats der Modelljahre 2019 und 2020 in die Werkstatt, wobei sich die Zahlenangaben offensichtlich widersprechen. Das KBA nennt 1.801 Fahrzeuge in Deutschland und 5.443 weltweit. Ein VW-Sprecher spricht dagegen von 714 betroffenen Fahrzeugen in Deutschland.

Genaue Beschreibung von VW: "47P8 - Arteon und Passat, Pedalübersetzung
Bei einzelnen Fahrzeugen der Modelle Passat und Arteon kann sich die Pedalübersetzung der Bremse verringern und in Einzelfällen die Verbindung zwischen dem Pedal und dem elektromechanischen Bremskraftverstärker (eBKV) lösen. Grund dafür ist eine nicht ordnungsgemäße Verrastung der Druckeingangsstange zum Pedal. Tangiert sind in Deutschland 714 Fahrzeuge des Modells Passat, sowie weitere Fahrzeuge des Modells Arteon der Modelljahre 2019 und 2020. Zur Abhilfe wird die Verrastung der Druckeingangsstange untersucht und gegebenenfalls der Aufnahmekäfig oder der eBKV ausgetauscht."

Bei 2000 Polos , die zwischen 20. Februar und 11. März 2020 gebaut wurden, ist möglicherweise der Gurtschlosshalter hinten links fehlerhaft. Das könnte bei einem Unfall die Verletzungsgefahr der Insassen erhöhen. Deshalb ersetzt die VW-Werkstatt das Doppelgurtschloss, in Deutschland soll das bei 688 Fahrzeugen der Fall sein.

Genaue Beschreibung von VW: "69AT- Polo, Gurtschlosshalter
Bei einzelnen Fahrzeugen des Modells Polo kann die Zugfestigkeit des Gurtschlosses hinten links nicht vollumfänglich gewährleistet werden. Grund dafür ist eine nicht ordnungsgemäß produzierte Charge an Gurtschlosshaltern eines Zulieferers.Tangiert sind in Deutschland ca. 688 Fahrzeuge aus dem Fertigungszeitraum vom 20. Februar 2020 bis 11. März 2020. Zur Abhilfe wird das Doppelgurtschloss ersetzt."

Bei weltweit 766 VW T-Cross des Baujahrs 2019 haben die Kopfairbag-Module eine „fehlerhafte Schweißverbindung zwischen Gasgenerator und Abströmdüse“. Dadurch könnte sich der Airbag bei einem Unfall nicht voll ausblasen. Die VW-Werkstatt tauscht bei 102 T-Cross das betroffene Bauteil aus. Ebenso müssen aus dem gleichen Grund 31 Audi Q7 in die Werkstatt, weltweit sind 790 Audi Q7 von diesem Sicherheitsmangel betroffen.

Im VW-Bus T6 muss bei 1.538 Exemplaren, die zwischen 27.9. und 8.11.2019 in Hannover und im polnischen Poznan vom Band liefen, nachgebessert werden. Und zwar bei Bussen mit einer Schiebetür und der Zusatzausstattung „4H5“ (Kindersicherung elektrisch): Die Schiebetür verriegelt nicht, obwohl ein leuchtender Schalter das anzeigt; ein Kind könnte also die Schiebetür von innen öffnen. In Deutschland sind 458 Einheiten betroffen. Ein Software-Update löst dieses Problem. Der Hersteller-Code der Rückrufaktion ist 58D8.

Audi: Brandgefahr, auslaufender Kraftstoff

Audi muss laut KFZ-Betrieb weltweit 530.000 Exemplare von A4 bis A7 und Q5 in die Werkstatt rufen, davon 53.250 in Deutschland. Betroffen sind demnach „Fahrzeuge mit Mild-Hybrid-System und Zweiliter-TFSI-Ottomotor (EA888) der Modelljahre 2017 bis 2020.“ Durch den Fehler kann es zu einem Kurzschluss und dadurch wiederum zu einem Fahrzeugbrand kommen. Die Werkstatt tauscht deshalb den betroffenen Riemenstartergenerator aus.

Bei knapp „59.000 Audi TT der dritten Generation (FV/8S) mit Quattro-Antrieb“ kann bei einem Unfall Kraftstoff austreten. Betroffen sind Modelle, die bis einschließlich 13. Mai 2019 gebaut wurden. Das sollen in Deutschland 16.724 Exemplare sein.

Weitere Probleme betreffen Audi A6, A8 und Q7. Eine Zusammenstellung aller dieser Rückrufe finden Sie hier.

BMW: Versagende Airbags und Probleme mit Sicherheitsgurten

Auch BMW ruft weltweit Fahrzeuge wegen Sicherheitsmängeln zurück. So könnte beim BMW 1er und beim BMW 2er Gran Coupé der Airbag bei einem Unfall versagen. Weltweit müssen deswegen 9.614 Exemplare in die Werkstatt, davon 2.882 Fahrzeuge in Deutschland. Betroffen sind 1er und 2er Gran Coupé, die zwischen 25. Januar und 12. März 2020 gefertigt wurden.

Bei BMW 3er, 8er, X3 und X4 wiederum könnte das Gurtwarnsystem einen eigentlich korrekt angeschnallten Insassen als nicht angegurtet einstufen. Deshalb würden die Funktionen „Sicherheits-Gurtstrammung“ und „adaptive Gurtkraftbegrenzung“ bei den vorderen Gurten nicht funktionieren. Außerdem sei dadurch die Airbag-Funktion eingeschränkt. Weltweit müssen deswegen knapp 10.400 X3, X4, 8er und 3er in die Werkstatt. In Deutschland sollen 736 Exemplare aus der Bauzeit November 2019 bis März 2020 in die Werkstatt, wie Kfz Rückrufe schreibt. Dort finden Sie weitere Details zu den BMW-Rückrufen.


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