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Randnotiz: Die Güte von US-Richtern

26.09.2003 | 13:53 Uhr | Markus Pilzweger

Aufzeichnungen des Gerichts zeigen, dass der Hyperphrase-Fall am Mittwoch mit einer Flut von Anträgen seitens des Klägers endete. Eine davon verlangte, dass eine Expertenmeinung aufgrund von Verspätung ausgeschlossen werden sollte.

Es war nicht das erste Mal, dass in diesem Fall ein solcher Antrag seitens Hyperphrase gestellt wurde. Im Juni wurde beiden Parteien eine Frist gesetzt, nach der sie Dokumente bis Punkt Mitternacht am 25. Juni über das elektronische Antragssystem des Gerichts einreichen sollten.

Das Anwaltsteam von Microsoft reichte seine Informationen vier Minuten und 27 Sekunden nach Mitternacht ein, weitere Dokumente folgten 72 Minuten nach der Deadline. Richter Crocker beurteilte dies daraufhin als "skandalösen Affront gegenüber dem gerichtlichen Endtermin".

Allerdings erkannten neun Anwälte von Hyperphrase nicht den Sarkasmus des Richters und forderten prompt, die Eingaben von Microsoft aufgrund von Verspätung abzulehnen.

Die Reaktion des Richters war vernichtend:

"Obwohl das Gericht durch Microsofts vierminütige und 27-sekündige Verspätung verletzt wurde, wird es diesen Affront übergehen und die Verspätung verzeihen. In der Tat wird das Gericht, um seine Großherzigkeit zu demonstrieren, es Hyperphrase erlauben, bei einer späteren Gelegenheit in diesem Fall eine elektronische Einreichung vier Minuten und 30 Sekunden später einzureichen, zusätzliche Dokumente dürfen bis zu 72 Minuten später folgen", ließ der Richter in den Prozessakten vermerken.

Und abschließend meinte Crocker: "Nachdem ich damit nun mehr als den von Hyperphrase beanstandeten Zeitraum verbracht habe, wird es Zeit, sich um die anderen gordischen Probleme, die hier zur Verhandlung stehen, zu kümmern. Antrag des Klägers auf Ablehnung wegen Verspätung abgelehnt."

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